Dienstag , 6. Dezember 2022
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Die Innenstadt war am verkaufsoffenen Sonntag so voll wie lange nicht mehr. (Foto: phs)

Mit Bildergalerie: Erlebnis-Sonntag zieht Tausende nach Lüneburg

Sich vervielfachende Gasrechnungen, zehn Prozent Inflation - so hoch wie seit 1951 mehr. Dazu wackliges Wetter. Es hätte bessere Vorzeichen für den dritten Lüneburger Erlebnis-Sonntag in diesem Jahr geben können. Umso froher zeigten sich die Macher, dass die Menschen zu Tausenden in die Stadt strömten, sich amüsierten und kauften.

Lüneburg. "Wir erleben hier gerade einen Glücksmoment." Heiko Meyer, Chef des Lüneburger Citymanagements, blickte von der IHK auf den Trubel auf dem Sande. "Die Stadt war schon lange nicht mehr so voll. Wir sind stolz, dass Lüneburg so attraktiv ist."

Besucher freuten sich über Straßenmusiker

Am dritten Erlebnis-Sonntag wurden Besucher nicht nur von der Chance angezogen, vom historischen Riesenrad von 1938 auf die historische Stadt zu schauen oder zu shoppen, sondern auch von schönen Klängen. Die Lüneburgerin Barbara Holst freute sich: "Es ist ein Genuss, an jeder Ecke der Stadt gute Straßenmusik zu hören." Ein Lob, Citymanager Mathias Schneider besonders freute: Er hat das Programm zusammengestellt. "Wir haben einen gute Mix aus arrivierten Bands und Newcomern." Ganz frei von Sorgen war Schneider nicht: "Ich hoffe, dass die Instrumente mancher Musiker nicht zu viel Regen abbekommen haben." Nicht alle hatten so viel Glück wie die Band "Basil Katz", die unter den Arkaden des Rathauses spielte. Ein gutes Dutzend Musiker und Bands spielten auf – und wechselten ihre Standorte, so dass die Innenstadt stetig voller Klänge war. "Die Musiker sind ein Teil des Ganzen", betonte Schneider und spielte damit auf das Konzept des Erlebnis-Sonntags an.

"Trend zur Erlebnisstadt verstärken"

"Wir wollen den Trend verstärken, dass sich Lüneburg von der Einkaufs- zur Erlebnisstadt wandelt", ergänzte Meyer, "dafür holen wir Kunst und Kultur in die Stadt." So wurde auf dem Rathausplatz der Wochenmarkt light mit Blumenzwiebeln, Maultaschen, Kaffee und Pommes ergänzt durch Dudelsack-Klänge.

 

Wappnen für einen kalten Winter

Ein offensichtlicher Magnet für Familien war auch die Schaustellermeile auf dem Sande. Schausteller Benno Fabricius zeigte sich "angenehm überrascht. An den Erlebnis-Sonntagen ist die Innenstadt so gut besucht wie schon lange nicht mehr – und davon profitieren wir." Schlechte Zeiten können gut sein für das Amüsement, weiß Fabricius: "Die Lust ist groß, die Sorgen des Alltags zu vergessen."

Die Kunden, die mit Kaufabsicht in die Innenstadt kamen, hatten konkrete Vorstellungen, wie Meyer von seinen Kollegen berichtete: "Die Leute decken sich ein mit allem, was wärmt." Auch Touristen dürften Geld in Lüneburger Kassen gelassen haben. "Am Vormittag waren gefühlt nur Nordrhein-Westfalen an unserem Stand", berichtete Pascal Mennen. Was den Wahlkämpfer frustete, freute die Händler.

Aber auch Lüneburger nutzten die zusätzlichen Öffnungszeiten – wie Thomas Rosenbaum: "Wir brauchten noch Cremebrulee-Pfännchen für die anstehende Geburtstagsfeier unserer Tochter."

Umsätze fast auf Vor-Corona-Niveau von 2019

Die Kassen klingelten häufig am vergangenen Wochenende, zog Meyer Zwischenbilanz: "Die Umsätze sind gut, reichen nahe an Vor-Corona-Zeiten heran. Darüber freuen wir uns. Gerade weil wir wissen, was uns noch bevorsteht."

Im Angesicht von sinkender Kauftkraft und folgender Kaufzurückhaltung müsse man besonders rührig sein, sagte Marketing-Chefin Melanie-Gitte Lansmann. Der Erfolg des Lüneburger Konzeptes des Erlebnis-Sonntags sei aus ihrer Sicht deshalb besonders bemerkenswert, weil "heute gefühlt ganz Norddeutschland offen hatte. Aber Bekannte aus Harburg haben mir schon gemeldet, dass in Lüneburg keine Parkplätze mehr zu finden waren. In der Grapengießerstraße wurden bereits um 15 Uhr 10.000 Passanten gezählt."
Das seien vier- bis fünf Mal mehr als an normalen Sonnabenden, ergänzte Meyer.

Spaß haben selbst in schweren Zeiten, "dafür haben wir in Lüneburg die schönste Kulisse", sagt Lansmann.

Von Joachim Zießler