Samstag , 3. Dezember 2022
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KVG-Busse
Die KVG ist in die Kritik geraten. Die Politik denkt bereits über die Aufkündigung der Zusammenarbeit nach. (Foto: Landkreis Lüneburg)

Kritik an der KVG in Lüneburg hält an

Das Busunternehmen KVG steht weiter in der Kritik. In Embsen fällt der Schulbustransport aus, weitere Fahrer klagen über schlecht gewartete Busse. Die Politik erwägt nun ein Ende der Zusammenarbeit.

Lüneburg. Die KVG kommt aus den Negativ-Schlagzeilen nicht heraus: Für Ärger sorgt jetzt einmal mehr der Schülertransport. Denn seit vergangenem Montag fahren überraschend keine Schulbusse mehr von Oerzen nach Embsen – "weil viele Busfahrer erkrankt seien", teilte die KVG der Embsener Schule mit. Eltern und Lehrer sind sauer. "Die Kinder der Grundschule standen mit Tränen in den Augen im Regen und haben auf den Bus gewartet. Eine Situation, die traurig macht und die es zu vermeiden gilt", findet Embsens Bürgermeister Stefan Koch (UWI) .

Koch hat sich deshalb an Finn van den Berg (FDP), Mitglied des Lüneburger Kreistages, gewandt, der wiederum Kontakt zur Kreisverwaltung aufnahm. Mit Erfolg: Zumindest können Eltern, die ihre Kinder jetzt notgedrungen selbst zur Schule bringen müssen, diese Fahrten dem Landkreis in Rechnung stellen, 30 Cent pro gefahrenen Kilometer", berichtet van den Berg. Möglich mache dies ein entsprechender Passus in der Satzung des Landkreises über die Schülerbeförderung.

In Harburg scheint die Kritik gefruchtet zu haben

Dass dies keine Dauerlösung sein kann, ist van den Berg und Koch bewusst: "Die Schülertransporte müssen höchste Priorität haben", betonen beide Kommunalpolitiker, die nun hoffen, dass die Verwaltung entsprechend Druck auf die KVG ausübt.

Im Nachbar-Kreis Harburg hat das offenbar funktioniert: Nachdem es dort in den zurückliegenden Wochen teils zu erheblichen Ausfällen auf Schul- und Regionalbuslinien gekommen war, habe die KVG reagiert und unter anderem Fahrten auf dicht getakteten Regional- und Stadtbuslinien in der Woche sowie in den Abend- und Nachtstunden eingestellt, heißt es aus dem Kreishaus in Winsen. Ziel sei es gewesen, den Schulbusverkehr trotz Personalmangels und hohem Krankenstand sicherzustellen. Harburgs Landrat Rainer Rempe stellte zufrieden fest, dass die Schulbusse inzwischen – mit wenigen Ausnahmen – wieder verlässlich fahren.

Leuchtende Warnlampen einfach zugeklebt

Auch aus den Reihen der Lüneburger Politik wird der Unmut über das Busunternehmen zusehends größer. Die Kreistagsfraktion Die Linke hat aufgrund der LZ-Berichterstattung eine Anfrage zur Beantwortung im nächsten Kreistag gestellt: "Wir wollen wissen, was die Kreisverwaltung unternehmen will, um die Zustände bei der KVG aufzuklären und nachhaltig zu verändern", sagt Fraktionschef Markus Graff.

Inzwischen melden sich immer mehr Mitarbeiter der KVG bei der Landeszeitung, um von ihren negativen Erfahrungen mit ihren Arbeitgeber zu berichten. Die meisten anonym – aus Sorge um ihren Arbeitsplatz: So beklagt zum Beispiel ein Fahrer, dass viele technische Defekte trotz Meldung des Fahrers nicht behoben würden, da die Reparatur zu teuer sei. Er selbst habe es erlebt, dass leuchtende Kontrolllampen mit schwarzem Klebeband abgeklebt worden seien mit dem Kommentar: "Siehst Du? Deine Motorkontrolllampe brennt doch gar nicht."

Defekter Bus sollte schnell wieder eingesetzt werden

Dabei hatten gerade solche Vorwürfe KVG-Pressesprecher Oliver Blau und sein Kollege Toni Bongartz, Abteilungsleiter Fuhrpark und Werkstätten gegenüber der LZ kategorisch zurückgewiesen, stattdessen auf ihr engmaschiges Kontrollsystem in der Buswerkstatt hingewiesen.

Trotzdem stehen weitere Vorwürfe im Raum: So sei zum Beispiel ein Fahrer mit einem defekten Bus auf den Betriebshof zurückgekehrt, weil sich während der Fahrt die hintere Tür geöffnet habe. Dennoch sollte dieses Fahrzeug umgehend wieder eingesetzt werden, berichtet der Fahrer.

Wo CDU und SPD sich einig sind

Und an die Adresse der Politik appelliert ein anderer KVG-Mitarbeiter: "Stadt und Landkreis müssen sich darüber klar werden, was sie wollen – einen zukunftsweisenden und modernen ÖPNV oder weiterhin eine Zusammenarbeit mit der KVG. Beides, da ist sich der KVG-Bedienstete sicher, "wird nicht machbar sein."

Die Politik ist inzwischen alarmiert: "Das Problem ist erkannt", sagt beispielsweise der CDU-Kreistagsfraktionschef Günter Dubber: "Wir arbeiten im Kreistag an einer Lösung, um diese unbefriedigende Situation zu beenden." Eine weitere Zusammenarbeit mit der KVG sei für ihn schwer vorstellbar. SPD-Fraktionschef Franz-Josef Kamp stimmt seinem Kreistagskollegen zu: "Es herrscht auch bei uns eine hohe Unzufriedenheit."

Von Klaus Reschke

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