Mittwoch , 30. November 2022
Anzeige
So könnte ein durchgängiges Wehr an der Abtsmühle in Lüneburg aussehen. (Fotomontage: SAKL)

Lachs soll in die Ilmenau zurückkehren

Die zunehmende Verschmutzung und Begradigung von Flüssen haben dazu geführt, dass der Lachs aus Niedersachsens Gewässern völlig verdrängt wurde. Nun soll er zurückkehren: Am 15. Oktober soll es eine Besatzaktion mit Lachsen geben. Für ein Problem aber muss noch eine Lösung her.

Lüneburg. Bis ins 19. Jahrhundert war der Lachs in Niedersachsens Flüssen häufig zu sehen. Doch die zunehmende Verschmutzung und Begradigung von Flüssen und vor allem Wasserkraftanlagen und andere Querbauwerke, die den imposanten Fischen die Wanderwege zu ihren Laichplätzen verbauen, haben dazu geführt, dass der Lachs völlig verdrängt wurde.

Vor zehn Jahren gab es aber eine kleine Sensation: Erstmals seit 100 Jahren hatten sich Lachse in der Wümme fortgepflanzt. Nun soll der „König der Fische“ auch in der Ilmenau wieder heimisch werden.

Ilmenau muss für Lachs "durchgängig" sein

Die Sportangler-Kameradschaft Lüneburg (SAKL) plant zusammen mit dem Anglerverband Niedersachsen am 15. Oktober einen öffentlichen Besatz mit Lachsen in der Ilmenau. Eingeladen sind zahlreiche Vertreter aus Politik, Verwaltung und Verbänden.

Neben dem Besatz mit dänischen Junglachsen wird es ein Begleitprogramm zum Lebenszyklus des Lachses und anderer Wanderfische geben. Damit das Programm Erfolg hat, muss die Ilmenau aber „durchgängig“ sein für die Fische. Die Durchgängigkeitsproblematik an den Lüneburger Mühlen und eine mögliche Lösung sollen daher thematisiert werden.

Lachse stammen aus Dänemark

Die Junglachse, die am 15. Oktober in die Ilmenau „entlassen“ werden, stammen aus Dänemark. Sie werden in speziellen Transportern geliefert. Seit Beginn der Jahrtausendwende unternimmt Dänemark massive Anstrengungen, um seine Fließgewässer wieder durchgängig zu gestalten – gerade im städtischen Bereich. Mit großem Erfolg: die Zahlen von Lachs und Meerforelle stiegen rasant.

Ralf Gerken, Naturschutzexperte beim Anglerverband Niedersachsen und seit mehr als 30 Jahren Koordinator eines erfolgreichen Wiederansiedlungsprojektes im Wümme-Bereich, betont: „Lachs und Meerforelle 29gedeihen nur in ökologisch intakten Fließgewässern. Wenn wir den rasanten Artenschwund im Lebensraum Wasser aufhalten wollen, müssen wir unsere Gewässer durchgängig machen.“

Nur drei Prozent der Fließgewässer in „guten ökologischen Zustand“

Laut Bundesamt für Naturschutz schreite der Verlust an Biodiversität in den Fließgewässern noch schneller und gravierender voran als an Land. Der Anglerverband Niedersachsen fordert von der Politik mehr als nur Lippenbekenntnisse.

Deutschland habe sich zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie verpflichtet – passiert sei viel zu wenig. Nur drei Prozent der Fließgewässer in Niedersachsen seien in einem „guten ökologischen Zustand“, der laut EU-Wasserrahmenrichtlinie erreicht werden soll. lz

Kommentare

Sie wollen die Kommentare unter diesem Beitrag lesen und kommentieren?
Dann werden Sie LZ+-Abonnent. Informationen zum Digital-Abo der LZ finden Sie hier.