Montag , 5. Dezember 2022
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Damit ICE-Verbindungen künftig im Deutschlandtakt zwischen Hamburg und Hannover möglich sind, wäre eine Neubautrasse entlang der A7 sinnvoll, sagen Befürworter.
Damit ICE-Verbindungen künftig im Deutschlandtakt zwischen Hamburg und Hannover möglich sind, wäre eine Neubautrasse entlang der A7 sinnvoll, sagen Befürworter. (Foto: t&w)

Weiter Streit um Alpha E: Alle kämpfen für ihre Region

In einem Interview von Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) zum Bahnausbau in der Heide-Region sieht SPD-Chef Lars Klingbeil eine Absage an eine A7-Trasse und fordert den Bestandsstreckenausbau. Hingegen vertritt sein Parteigenosse und Lüneburgs Bundestagsabgeordneter Jakob Blankenburg eine andere Ansicht.

Lüneburg/Berlin. Der politische Streit um den Bahnausbau in der Region spitzt sich weiter zu. Dabei verläuft die Konfliktlinie auch quer durch die Parteien, je nach Betroffenheit des jeweiligen Wahlkreises von Bundes- und Landespolitikern. Beispiel SPD: In Reaktion auf ein Interview von Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) zum Bahnausbauprojekt „Alpha E“ zeigte sich SPD-Chef und Bundestagsabgeordneter Lars Klingbeil aus dem Heidekreis zuversichtlich, dass der Bestandsstreckenausbau über Lüneburg wieder stärker im Fokus sei. Hingegen spricht sich der Lüneburger Bundestagsabgeordnete Jakob Blankenburg, ebenfalls SPD, in einem Brief an Wissing gegen den Bestandsstreckenausbau aus und wirbt für eine Neubaustrecke durch die Heideregion.

Klare Marschrichtung der Bahn erkennbar

Mitte September hatten zunächst Bahnverantwortliche eine klare Marschrichtung für die weiteren Planungen erkennen lassen. Tenor: Aus planerischer Sicht brächte eine Neubautrasse zwischen Hamburg und Hannover parallel zur A7 die meisten Vorteile (LZ berichtete). Damit wäre der umstrittene dreigleisige Ausbau der Bestandsstrecke über Lüneburg und Uelzen vom Tisch. Ende vergangener Woche machte Bundesverkehrsminister Volker Wissing in einem Interview deutlich: „Es gibt keine Vorfestlegungen. Ich kann heute sagen, dass ich für eine Lösung kämpfen werde, die den Interessen der Bevölkerung vor Ort entspricht.“ Darauf reagierte Klingbeil in einer Pressemitteilung mit den Worten: „Dies deute ich als Absage an die Neubaupläne der Bahn.“

Für die Anliegen der Region "sensibilisiert"

Nachdem sich in den vergangenen Monaten abgezeichnete, dass die Bahn eine A7-Variante favorisieren könnte, habe Klingbeil nach eigenem Bekunden „viele Gespräche in Berlin geführt“, unter anderem mit Wissing und dessen Staatssekretär. Klingbeil: „Dabei habe darauf gedrungen, dass die Ergebnisse des Dialogforums Schiene Nord ernst genommen werden müssen. Die Ergebnisse, die im gemeinsamen Dialogprozess zwischen der Bahn, dem Land Niedersachsen, dem Bund und den Bürgern entstanden sind, dürfen nicht in der Schublade verschwinden.“ Wissings Aussagen dazu deute Klingbeil als „Stärkung der Ergebnisse des Dialogforums und damit auch als Stärkung des Bestandsausbaus".

Gemeinsamer Brief an Verkehrsminister

In dem gemeinsamem Brief mit der Landtagsabgeordneten Andrea Schröder-Ehlers (SPD) schreibt allerdings der SPD-Bundestagskollege Blankenburg an Wissing: „2015 mag das Ergebnis des Dialogforums Schiene Nord noch realistisch gewesen sein – bei allen schon damals von den Kommunen zwischen Bad Bevensen und Hamburg vorgebrachten Bedenken. Heute und für die weitere Zukunft ist es das nicht mehr." Außerdem heißt es: „Wenn wir für unsere Region eine echte Verkehrswende statt eines faulen Kompromisses wollen, müssen wir uns auch von nicht mehr tragfähigen Kompromissen von gestern verabschieden.“

Blankenburg und Schröder-Ehlers hatten sich kurz zuvor schon öffentlich dafür ausgesprochen, nicht nur eine Neubautrasse entlang der A7 umzusetzen, sondern auch die notwendigen Kapazitäten für den Nahverkehr auf der Schiene für Lüneburg auszubauen. In dem Brief an Wissing fordern sie: „Für die jetzt angedachten Güterverkehrs- und Pendlerströme benötigen wir aus unserer Sicht eine Ertüchtigung der Bestandsstrecke und eine zweigleisige Neubaustrecke mit den notwendigen Kurvenradien für den Deutschlandtakt mit schnellen ICE-Zügen.“

Andere Haltung in Lüneburgs Nachbarkreis Harburg

Dass auch auf Landesebene keine einheitliche Parteilinie zu erkennen ist, zeigt ein Blick in den Kreis Harburg. Denn während die Lüneburger Sozialdemokratin Schröder-Ehlers sich für die A7-Trasse positioniert hat, ließ jetzt der SPD-Unterbezirk Harburg verlauten, dass unter anderem die Landtagskandidatinnen der SPD, Steffi Menge (Buchholz), Sabine Schulz-Rakowski (Seevetal) und Sabine Lehmbeck (Winsen) fest hinter dem gefundenen Kompromiss zur 2015 beschlossenen Alpha E-Variante stehen „und einer Neubautrasse der Deutschen Bahn eine klare Absage“ erteilen. Zudem ruft die Soltauer SPD-Landtagskandidatin Tatjana Bautsch zu einer stärkeren Beteiligung an Demos im Heidekreis auf: "Unsere Protestveranstaltungen müssen zusätzlich hier weitergehen, bis wirklich endgültig entschieden ist, dass Alpha-E kommt." Einmal mehr wird deutlich: Alle kämpfen jeweils für ihre Region.

Von Dennis Thomas

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