Dienstag , 6. Dezember 2022
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Fiebersaft für Kinder dürften nicht mehr viele Familien haben, denn die Arznei ist seit Wochen Mangelware. (Foto: t&w)
Fiebersaft für Kinder dürften nicht mehr viele Familien haben, denn die Arznei ist seit Wochen Mangelware. (Foto: t&w)

Fiebersaft für Kinder auch in Lüneburg kaum zu bekommen

Seit Wochen sind Fiebersäfte in Apotheken kaum zu bekommen, nun spitzt sich die Situation zu, denn die Infektsaison steht vor der Tür. Wie kam es zu dem Engpass und gibt es Alternativen für Eltern, die ein fieberndes Kind zuhause haben? Die LZ hat sich umgehört.

Lüneburg. Ob es eine Coronavirus-Infektion ist, eine einfache Erkältung oder ein grippaler Infekt: Kinder reagieren auf Erreger häufig mit Fieber. Das Mittel der Wahl, um die Schmerzen der Kleinsten zu lindern, sind dann Säfte mit Wirkstoffen wie Ibuprofen oder Paracetamol. Schließlich schlucken viele Kinder besonders im kranken Zustand nur ungern Tabletten. Allerdings sind diese Säfte seit Wochen nicht mehr erhältlich. Das stellt viele Eltern vor ein Problem.

Auch in Lüneburgs Apotheken sind Fiebersäfte Mangelware. „Ich kriege einfach keine“, sagt Sigrun Scholz, Leiterin der Kosmos Apotheke an der Haagestraße. Zwar können die Apotheken weiterhin über ihren Großhändler Ware bestellen, allerdings könne diese kaum geliefert werden. Den konkreten Grund für diesen Lieferengpass kennt Scholz nicht, verweist auf die Apothekerkammer Niedersachsen.

Bundesweites Problem

Auf Nachfrage der LZ erklärt deren Sprecherin Panagiota Fyssa: „Lieferschwierigkeiten sind ein bundesweites Problem. Aus dem kurzfristigen Engpass ist mittlerweile ein Dauerzustand für viele Medikamentengruppen geworden.“ Dazu gehörten neben Schmerzmittel-Säften mit dem Wirkstoff Paracetamol oder Ibuprofen auch „gängige Schilddrüsenpräparate, Antibiotika oder Blutdrucksenker“.

Mehrere Ursachen für Lieferengpass

Eine der Ursachen für den Mangel ist laut der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, dass sich einer der bisherigen Hersteller vom Markt zurückgezogen hat. Die Firma Ratiopharm habe daraufhin Produktionssteigerungen für ihren Paracetamol-Saft angekündigt, wodurch der Engpass jedoch nicht verhindert werden konnte. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erklärt auf seiner Internetseite außerdem, dass der Bedarf an Fiebersäften im Jahr 2022 „überproportional angestiegen“ sei. Allerdings: „Die Ursachen hierfür konnten bislang nicht befriedigend ermittelt werden.“

Des Weiteren erklärt Panagiota Fyssa, dass „der harte Preiswettbewerb durch die Einführung der Rabattverträge in Deutschland dazu geführt hat, dass die Hersteller ihre Produktionen in Schwellenländer verlagern.“ Geringe Lagerkapazitäten, Just-in-time-Management und die Konzentration auf wenige Zulieferer würden das Problem zusätzlich verschärfen.

Grapengießer Apotheke stellt Saft selbst her

Für Apotheken bedeuten Lieferprobleme einen erheblichen Aufwand. „Die Mehrheit der Apotheker wendet inzwischen mehr als fünf Stunden pro Woche auf, um Lieferengpässe von Arzneimitteln zu managen“, weiß Fyssa. Um die Kunden bestmöglich zu versorgen, soll auf Alternativen gesetzt werden – bei Kindern ist das aus den genannten Gründen jedoch nicht immer problemlos möglich. Die Grapengießer Apotheke in Lüneburg hat deshalb frühzeitig reagiert: „Wir stellen Ibuprofen-Säfte selbst her“, erklärt Apothekerin Wibke Schmidt auf Nachfrage. Wird ein Rezept eingereicht, werde der Saft produziert. Die Rezeptur dafür habe das „Deutscher Arzneimittel-Codex/Neues Rezeptur-Formularium“ genau für solche Fälle entwickelt, macht Panagiota Fyssa deutlich.

Ende des Engpasses schon im Oktober?

Welche Medikamente derzeit in Deutschland von einem Engpass betroffen sind, zeigt das BfArM online in einer Liste auf. Darauf ist seit dem 18. Juli unter anderem der „Ibuflam Kindersaft 20 mg/ml gegen Fieber und Schmerzen“ gelistet. Doch es gibt einen Hoffnungsschimmer für Eltern: Laut der Liste soll zumindest dieser Hersteller ab dem 31. Oktober wieder liefern können.

Von Lilly von Consbruch

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