Samstag , 3. Dezember 2022
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Jana Schultz, Thorben Marquardt, Maria Karnagel und Karina Hellmann (v.l.n.r.) engagieren sich für mehr Natur im Stadtteil Mittelfeld. (Foto: t&w)

Tiny Forest im Mittelfeld: Verein pflanzt 713 kleine Bäume

Vor rund sechs Wochen startete ein Verein an der Straße Auf der Höhe mit den Bodenarbeiten für einen sogenannten "Tiny Forest". Am Samstag halfen nun zahlreiche Anwohner und Helfer dabei, insgesamt 713 Setzlinge zu pflanzen. Das Ergebnis soll sich schon bald sehen lassen können.

Lüneburg. Mehr Natur im urbanen Raum schaffen – dieses Ziel hat sich der Verein "23grad" gesetzt. Dahinter verbirgt sich ein wissenschaftliches Netzwerk für Umwelt und Nachhaltigkeit. Der Verein hat in der Straße Auf der Höhe nun eine hölzerne Absperrung aufgestellt. Dahinter wühlten am Sonnabend rund 20 Anwohner und Initiatoren bei bestem Wetter in der noch frischen Erde.

Hier entsteht nach einem japanischen Konzept Lüneburgs erster "Tiny Forest" – ein eng bepflanztes Areal mitten in der Stadt. Die Fläche dafür hat die Lüneburger Wohnungsbau GmbH bereitgestellt. Die Universität begleitet das Projekt wissenschaftlich.

713 Setzlinge auf 140 Quadratmetern

Auf rund 140 Quadratmetern an der Ecke Ringstraße vergruben die Helfer insgesamt 713 Setzlinge, also etwa fünf pro Quadratmeter. Verwendung finden ausschließlich heimische Pflanzenarten wie verschiedene Stauden oder Wildgehölze. Die Kosten für das Projekt liegen bei 15.000 Euro, die der Verein trägt.

"Vor sechs Wochen hatten wir einen Tag, um den Boden vorzubereiten, heute haben wir die Pflanzaktion", sagt Mitinitiatorin Maria Karnagel. Viel mehr als diese zwei Tage brauche es auch nicht, denn "danach kann der kleine Wald ganz allein für sich sorgen", führt sie aus.

Vulkangestein im Boden kurbelt das Wachstums an

Durch den Klimawandel werden extreme Wetter auch die hiesige Region häufiger treffen. Daher habe man den kleinen Hain so angelegt, dass er auch gegen Dürreperioden und Starkregen gewappnet sei, sagt Karnagel.

Das Wichtigste sei der Boden. Damit der so fruchtbar wie möglich ist, haben Karnagel und ihre Mitstreiter die Erde gelockert und mit mineralreichem Vulkangestein gespickt – und damit eine Art Wachstumsturbo gezündet. "Mit diesem Vorgehen überspringen wir mehrere Sukzessionsstufen. Der Wald wächst also schneller", erklärt Karnagel.

Zwei Meter Wachstum in drei Jahren erwartet

Außerdem wurde auf die frische Erde eine Deckschicht aus Rindenmulch aufgetragen. Die soll den Boden vor Wind und Verdunstung schützen und auch Würmern und anderen Tieren eine geschützte Umgebung bieten. "In zwei Händen voller Erde leben mehr Tiere als es Menschen auf der Welt gibt", sagt Karnagel.

Der kleine Wald soll schon innerhalb der nächsten drei Jahre um rund zwei Meter wachsen. "Irgendwann wird er mal um die 50 Meter hoch sein, aber das erleben wir dann alle nicht mehr", scherzt die Umweltreferentin.

Weitere Tiny Forests wären wünschenswert

In der Mitte der Fläche hat der Verein ein Loch aus Lehm gegraben. Wenn es genug regnet, soll daraus ein Teich werden. Dort sollen sich Kröten wohlfühlen oder Vögel trinken und baden können. Dass die kleinen Wäldchen gut für das Klima von Städten sind, ist längst bewiesen. Ein einziger Tiny Forest im Stadtteil Mittelfeld reicht da aber noch nicht aus.

"Natürlich wünschen wir uns noch mehr Exemplare. Zum Beispiel am Kreideberg wäre so ein Projekt toll. Nachmachen ist ausdrücklich erwünscht", sagt Karina Hellmann vom Verein "23grad". Karnagel ergänzt: "Man darf ja nicht vergessen, dass solche Aktionen auch eine soziale Funktion haben: Leute bleiben stehen, unterhalten sich, lernen etwas, helfen mit."

Auch Anwohner halfen bei der Pflanzaktion

Dass sie damit Recht hat, zeigte der Pflanztag am Sonnabend: Neben den Vereinsmitgliedern packten auch Anwohner und Interessierte mit an. Felix und Rebecca Soffert aus dem Roten Feld sind mit ihren beiden kleinen Söhnen dabei.

In ein paar Jahren werden die Kinder dann an der Ringstraße vorbeifahren und das Resultat ihrer eigenen Arbeit bestaunen können, sind sie sich sicher.

Von Moritz Constantin

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