Samstag , 3. Dezember 2022
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Lothar Quaisser (62) spielt seit seiner Kindheit Schach. Er will seine Leidenschaft weitergeben.
Lothar Quaisser (62) spielt seit seiner Kindheit Schach. Er will seine Leidenschaft weitergeben. (Foto: t&w)

200 Billionen Möglichkeiten in vier Zügen

Als seine Tochter in die Grundschule kam, gab es niemanden für die Schach-AG. Also sprang er ein. Heute leitet Lothar Quaisser nicht nur Schach-Gruppen an mehreren Schulen, sondern organisiert auch einen Austausch mit dem polnischen Partnerkreis Wagrowiec. Einige seiner Schützlinge gehören mittlerweile zur nationalen Spitze.

Lüneburg. "Ich bin Lehrer, kein Trainer." Das betont Lothar Quaisser immer wieder. Es geht um Schach, die Leidenschaft des 62-Jährigen. Seit 1977 wird Schach international als Sport anerkannt. Nicht umsonst, wie Quaisser sagt: "Schach ist eine Grundlage für Bildung, ein echtes Gehirntraining". Allein für die ersten vier Zügen einer Partie gäbe es über 200 Billionen Möglichkeiten, erklärt er. Der Oedemer hat ein sogenanntes Schulschachpatent, das es ihm erlaubt, Schach an Schulen zu unterrichten.

Er selbst kam auch als Kind ans Brett. Mit vier Jahren habe er damals regelmäßig zugeschaut, wie sein Vater gegen Freude spielte, erzählt er. Jahre später spielte Quaisser selbst in seiner Freizeit gegen Nachbarn. Dabei schauten dann seine damals noch kleinen Töchter Anna und Paula zu. Als Letztere dann auf die Grundschule am Hasenburger Berg ging, sollte es dort eine Schach-AG geben. Was dafür noch fehlte, war eine Lehrkraft. Quaisser übernahm kurzfristig. "Ich kann eben nicht nein sagen", scherzt er.

Schüler gehören mittlerweile zur nationalen Spitze

Seit rund zehn Jahren leitet Quaisser neben den Grundschulgruppen Schach-AGs am Gymnasium Oedeme und an der Wilhelm-Raabe-Schule. Als er feststellte, dass seine Schützlinge großes Talent haben, organisierte er Turnierteilnahmen. 2011 fuhr er mit zwei Teams des Gymnasiums Oedeme zum Bezirksfinale nach Stade. "Von 14 Teams haben wir dort den dritten und den achten Platz gemacht", erzählt er. Zehn Jahre später gehören einige seiner Schüler zur nationalen Spitze: Jeremy Hommer gewann 2021 die deutsche U-16-Meisterschaft. Ein Jahr zuvor hatte Emilia Bildat bereits den zweiten Platz der U-14-Meisterschaft geholt.

Schachaustausch mit polnischer Partnerstadt

Seit einigen Jahren begleitet Quaisser für den Partnerschaftsverein des Landkreises auch einen Schachaustausch mit dem polnischen Partnerkreis Wagrowiec. Initiatorin Christa Krüger und der Erste Kreistrat Jürgen Krumböhmer hätten ihn damals gefragt. "Ich konnte natürlich wieder nicht nein sagen", erzählt Quaisser. Seit 2011 besuchen sich nun Schachgruppen aus Lüneburg und Wagrowiec wechselseitig. Eigentlich sollte die polnische Delegation 2020 in die Hansestadt kommen – doch dann kam Corona. "In diesem Jahr holen wir es endlich nach", freut sich Quaisser.

Für Mitte November hat er einiges an Programm geplant. "Es geht natürlich vor allem um Schach, aber wir schauen uns auch die Stadt an und unternehmen auch einiges abseits vom Brett", sagt er. Trotzdem: Nach zehn Stunden Autofahrt erwartet die Jugendlichen aus Wagrowiec erstmal ein intensives Blitzschachturnier. Am 12. November will Quaisser dann ein großes öffentliches Schülerturnier veranstalten. "Hierzu sind alle Schülerinnen und Schüler aus Stadt und Landkreis herzlich eingeladen", betont er. Stolz fügt er an: "Die Gruppen aus Polen und Deutschland sind richtig gut. Die besiegen mich regelmäßig." Um auf dieses Niveau zu kommen, will Lothar Quaisser jungen Interessierten auch weiterhin das notwendige Handwerkszeug beibringen. Er ist schließlich Lehrer, kein Trainer.

Von Moritz Constantin

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