Dienstag , 6. Dezember 2022
Anzeige
Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch (l.) mit den Sprecherinnen und Sprechern der fünf Arbeitsgruppen der Stadtkonferenz.
Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch (l.) mit den Sprecherinnen und Sprechern der fünf Arbeitsgruppen der Stadtkonferenz. (Foto: Hansestadt Lüneburg)

Warten auf Ergebnisse der Lüneburger Stadtkonferenz

Rund zwei Monate ist es her, dass sich rund 80 führende Köpfe der Stadt im Zentralgebäude der Uni eingeschlossen und über Lösungen für die anstehenden Herausforderungen gebrütet haben. Mehr als 200 Ideen und Ansätze haben sie zusammengetragen, im November sollen erste konkrete Ergebnisse vorliegen. Von ihnen hängt viel ab.

Lüneburg. Ende August hat Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch Lüneburgs führende Köpfe zu einer Stadtkonferenz zusammengetrommelt. Einen Tag lang schlossen sich rund 80 Frauen und Männer im Zentralgebäude der Universität ein, entwickelten Ideen und Konzeptansätze, wie die Stadtgesellschaft vor dem Hintergrund hoher Inflation, horrender Energiepreise und steigender Flüchtlingszahlen die Herausforderungen des kommenden Winters meistern kann. Ein Ergebnis war am Ende des Tages der Slogan #LüneburgStehtZusammen, doch über das Wie ist bislang wenig bekannt.

"Der Austausch Ende August war zunächst einmal enorm wichtig, weil die Akteure jetzt besser miteinander vernetzt sind und wissen, wer was kann", sagt Carl-Ernst Müller, Leiter der Stabsstelle Nachhaltige Stadtentwicklung im Lüneburger Rathaus. Zusammengetragen hätten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer rund 250 Impulse, die in einer sogenannten digitalen Mindmap zusammengefasst worden und im Internet unter stadtkonferenz.hansestadt-lueneburg.de abrufbar sind. "Diese Impulse werden fortlaufend nachverfolgt."

Internetseite soll im November online gehen

Das am stärksten thematisierte Ergebnis der Stadtkonferenz ist laut Müller der Aufbau einer praxisorientierten Kommunikation in Sachen Energie. Konkret: "Auf einer zentralen Internetseite sollen unter dem Hashtag ,Lüneburg steht zusammen' aktuelle Informationen zur Versorgungslage, zu Beratungsangeboten und Ansprechpartnern zentral gesammelt werden", erklärt der Stabstellenleiter. Die Internetseite solle im November online gehen.

Ein weiteres Ergebnis der Stadtkonferenz: Geld aus der Förderung sozialer Projekte der Stiftung Hospital zum Großen Heiligen Geist für das laufende Jahre konnten umgewidmet werden. "Diese Mittel können nun für Unterstützungsmaßnahmen und Sozialberatung verwenden werden, um Preis- und Energiekostensteigerungen als Folge des Ukraine-Kriegs abzufedern", sagt Müller.

Verwaltung stößt bei der Bearbeitung an Grenzen

Doch stößt die Stadtverwaltung dem Stabsstellenleiter zufolge bei der Ableitung konkreter Maßnahmen aus der Stadtkonferenz immer wieder auch an ihre Grenzen. "Zum einen an personelle, da diese Aufgaben zu den bereits vorhandenen dazukommen, ohne dass neue Stellen geschaffen wurden", erklärt Müller, "zum anderen an inhaltliche, weil viele Gedanken und Ideen der Teilnehmer eher allgemeiner Natur waren." Für das Verständnis der Gesamtlage seien sie zwar wichtig gewesen, einzelne Maßnahmen ließen sich daraus jedoch nicht ableiten.

Zwei Monate nach der Stadtkonferenz klingen diese Aussagen für manchen dürftig. Grundsätzlich lassen sich bei der Bewertung des Formats zwei Lager ausmachen: Das eine ist mit den Ergebnissen schon jetzt zufrieden, weil von dem Treffen der erhoffte Impuls ausgegangen sei. Von Anfang an sei zudem klar gewesen, dass die Stadtverwaltung allein die anstehenden Herausforderungen nicht werde meistern können. Dies sei schließlich ein Grund für die Einberufung der Konferenz gewesen. Ansätze, die das andere Lager wohl teilt, aber dennoch mehr erwartet hätte – unter anderem ein Konzept, das das weitere Vorgehen strukturiert, Abläufe regelt und transparent macht. Möglicherweise wäre die Stadtverwaltung in diesem Fall beim Bearbeiten der einzelnen Impulse nicht an personelle Grenzen gestoßen.

Kommunikation mit Verbesserungsbedarf

Auch Kalisch bezeichnete die Stadtkonferenz als „ersten Aufschlag ohne Denkverbote“ und sprach Anfang September in einem Interview mit der LZ davon, „dass die Arbeitsgruppen weiter tagen und die Ergebnisse immer wieder zusammengeführt werden“. Wie die künftige Zusammenarbeit jedoch konkret aussehen sollte, war vielen Teilnehmern direkt im Anschluss an das Treffen offenbar nicht klar. Dabei hatten sie zuvor das Themenfeld Kommunikation als eines der zentralen herausgearbeitet. In diesem Punkt wird die Stadt in den kommenden Monaten wohl nachschärfen müssen. Zumal der Teilnehmerkreis im August begrenzt war, Mitglieder anderer Initiativen und Organisationen ihre Bereitschaft zur Mitarbeit bereits signalisiert haben. Wie sie eingebunden werden sollen oder können, ist bislang unklar.

Unter dem Strich ist das Format, mit dem Akteure aus allen Bereichen der Gesellschaft gemeinsam Lösungen entwickeln, jedoch auf positive Resonanz gestoßen. Auch, weil die Stadt Lüneburg als erste in Niedersachsen etwas Neues gewagt hat. Dem Niedersächsischen Städtetag (NST) war die Stadtkonferenz in seinem aktuellen Magazin einen mehr als drei Seiten langen Bericht wert. Einer der Konferenz-Referenten war NST-Hauptgeschäftsführer Dr. Jan Arning. Er attestierte Lüneburg mit dem Format gar eine Vorreiterrolle im Land.

Von Malte Lühr

Kommentare

Sie wollen die Kommentare unter diesem Beitrag lesen und kommentieren?
Dann werden Sie LZ+-Abonnent. Informationen zum Digital-Abo der LZ finden Sie hier.