Dienstag , 6. Dezember 2022
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Erst wollte niemand. Jetzt buhlen drei Anbieter um die Gunst der Hauseigentümer, um in der Stadt Lüneburg ein flächendeckendes Glasfasernetz aufzubauen.
Erst wollte niemand. Jetzt buhlen drei Anbieter um die Gunst der Hauseigentümer, um in der Stadt Lüneburg ein flächendeckendes Glasfasernetz aufzubauen. (Foto: A/dth)

Wer macht das Rennen um den Glasfaserausbau?

Beim Rennen um den stadtweiten Glasfaserausbau in Lüneburg endet jetzt eine Zwischenetappe. Doch Greenfiber will noch keine Zahlen zur Vorvermarktung nennen. Derweil schafft Lünecom weiter Fakten.

Lüneburg. Das Wettrennen um den stadtweiten Glasfaserausbau in Lüneburg steuert auf eine erste mögliche Vorentscheidung zu: Zum 31. Oktober endet vom Netzanbieter „Greenfiber“ die Vermarktungsphase, in der das Unternehmen eine Vorvertragsquote von 30 Prozent erreichen will, um flächendeckend die ersten Stadtteile ans Hochgeschwindigkeitsinternet anbinden zu können. Auf LZ-Nachfrage hält sich Greenfiber aber mit aktuellen Zahlen zurück. Währenddessen verkündet Mitbewerber „Lünecom“, in Ochtmissen bereits den Ausbau vorangetrieben zu haben. Und die Telekom als Dritte im Bunde erneuert auf Nachfrage ihr Versprechen, ab 2023 ebenfalls das Glasfasernetz in Lüneburg auszurollen.

Für Greenfiber endet die Frist am Monatsende

„Vier Tage vor Ende der Frist nennen wir doch öffentlich keine Zahlen“, sagt Greenfiber-Sprecher Hinrich Bernzen am Donnerstag auf LZ-Nachfrage. Das Unternehmen gehe erfahrungsgemäß davon aus, dass sich viele Interessenten für einen kostenfreien Glasfaseranschluss erst kurz vor Fristende meldeten. Bernzen: „Das ist wie bei der Abgabe der Steuererklärung auf den letzten Drücker.“ Allerdings zeigt er sich im LZ-Gespräch nicht mehr ganz so zuversichtlich, wie zu Beginn der Kampagne. Denn die Hauseigentümer haben mittlerweile die Wahl zwischen drei Anbietern, die Glasfaser bis in Haus verlegen wollen. Bernzen: „Ganz offensichtlich haben wir sehr tief schlafende Hunde geweckt.“

Konkurrenzkampf nicht nur in Ochtmissen

Hingegen nimmt beispielsweise die Lünecom für sich in Anspruch, schon länger auch Gewerbebetriebe in Lüneburg direkt mit Glasfaserleitungen mit Gigabit-Geschwindigkeit zu versorgen. Und während zu Beginn Greenfiber beispielsweise in Ochtmissen den Auftakt für Infoveranstaltungen machte, ließ Lünecom zeitgleich im Stadtteil schon die Baumaschinen auffahren (LZ berichtete). Jetzt erklärte Lünecom-Sprecherin Theresa Gessert: „In Ochtmissen sind bereits die ersten 1,5 Kilometer gebaut.“ Lünecom-Geschäftsführer Richard Krause spricht gar von einer "täglich hohen Nachfrage in den Stadtteilen". Der Bau in anderen Stadtteilen werde zeitnah beginnen.

Ausbau könnte auch kleinteiliger erfolgen

Sowohl Lünecom, die mittlerweile eine Tochter der Schweizer Großbank UBS ist, zusammengefasst mit einem anderen regionalen Telekomunternehmen unter dem Dach der „Northern Fiber Holding“, als auch Greenfiber hatten für den Anfang in der Hansestadt ihren Fokus auf die Stadtteile Häcklingen, Oedeme, Rettmer, Weststadt und Ochtmissen gelegt. Derweil macht es Greenfiber aber noch spannend, ob sie die aus wirtschaftlichen Gründen angestrebte Vorvertragsquote von 30 Prozent der Haushalte erreichen werden, um flächendeckend auszubauen. Die finale Auswertung werde laut Sprecher Bernzen erst eine Woche nach Fristende vorliegen.

Jedoch stellt sich offenbar nicht mehr die Frage, ob Greenfiber den Ausbau grundsätzlich startet, sondern in welchem Ausmaß. Bernzen: „Wir werden prüfen, wie wir nachhaltig wirtschaftlich dieses Netz entwickeln.“ Das könnte in den Stadtteilen auch „kleinteiligere Entscheidungen“ bedeuten, sollte etwa die Quote nicht erfüllt werden.

Telekom steckt in den Vorbereitungen für 12.000 Haushalte

Der Konkurrenzdruck steigt weiter: Pünktlich zum Fristende der Greenfiber-Vorvermarktung kündigt Lünecom die Eröffnung einer neuen Geschäftsstelle in der Lüneburger Innenstadt an. Die Kunden haben also weiter die Qual der Wahl: Bei den angebotenen Leistungen und Preisen liegen Lünecom und Greenfiber beispielsweise bei den Verbindungsgeschwindigkeiten 500 Mbit/s und 1000 Mbit/s bis auf zehn Cent Unterschied bei der Monatsgebühr gleich auf. Bei der Telekom wurden für den Bereich zuletzt noch keine Tarife veröffentlicht. Auf LZ-Nachfrage sagt Telekom-Sprecherin Katja Kunicke: "Die Vorbereitungen für die Baustarts für 12.000 Haushalte im ersten Quartal 2023 laufen. Über die nächsten Schritte werden wir zeitnah informieren.“

Von Dennis Thomas

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