Montag , 5. Dezember 2022
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Traumfänger und Hexenbesen - links Samhain und rechts Halloween. Am 31. Oktober treffen bei Alexandra Urban-Bauch und Rainer Bauch beide Welten aufeinander.
Traumfänger und Hexenbesen - links Samhain und rechts Halloween. Am 31. Oktober treffen bei Alexandra Urban-Bauch und Rainer Bauch beide Welten aufeinander. (Foto: t&w)

Die gute Hexe und der Druide

Die meisten Menschen haben vermutlich noch nie von Samhain gehört, dafür aber von Halloween. Zweiteres ist aber mit großer Wahrscheinlichkeit aus dem keltischen Samhain hervorgegangen. Wie das ursprüngliche Fest gefeiert wurde und wird und wieviel die heutigen Halloweenbräuchen noch damit zu tun haben, davon erzählen Hexe Alexandra Urban-Bauch und ihr Ehemann Rainer Bauch.

Adendorf. An Montag ist Reformationstag – und Halloween – jener Tag, der in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland immer beliebter geworden ist. Er hat seine Wurzeln in der keltischen Kultur, wo er Samhain heißt, sprich: "Schamm-hein". Auch heute gibt es noch Menschen, die das ursprüngliche Fest feiern und damit nicht wohliges Gruseln und Süßigkeiten verbinden, sondern spirituelle Motive. Im Landkreis Lüneburg ist das zum Beispiel das Ehepaar Alexandra Urban-Bauch und Rainer Bauch. Sie betreiben den "Druidenmarkt", einen Online-Handel für "alles, was keltischen Ursprungs ist", Räucherwerk und Heilsteine etwa.

Genau genommen sei das heutige Halloween aus zwei Festen entstanden, einem keltischen und einem christlichen, erläutert Urban-Bauch. Denn als das Christentum sich auf dem europäischen Kontinent und den britischen Inseln ausbreitete, wurde Samhain quasi in die neue Religion eingemeindet und mit dem christlichen Feiertag Allerheiligen zusammengeführt. Von dem hat Halloween wahrscheinlich auch den Namen.

Erfahrungen aus einem früheren Leben

Urban-Bauch bezeichnet sich als "gute Hexe". Bei ihrem Mann ist das etwas komplizierter: "Ich bin natürlich für viele 'der Druide', wegen des Ladens. Ich sehe ja auch ein bisschen so aus." Er selbst nennt sich nicht Druide, auch wenn er in einem früheren Leben schon mal einer gewesen sei, wie der 56-Jährige glaubt, "weil ich weiß, wie langwierig der Ausbildungsweg zum Druiden ist – dreißig Jahre ungefähr. Und darüber existieren heute kaum noch schriftliche Zeugnisse."

Alexandra Urban-Bauch.
Alexandra Urban-Bauch. (Foto: t&w)

Tatsächlich sei es den Kelten bei ihrem Feiertag darum gegangen, ihrer Vorfahren zu gedenken und sie zu ehren, erläutert er. "Da besinnt man sich sozusagen zurück und sucht die Kommunikation zu den Ahnen", ergänzt seine Frau. Einen Hauch des zugehörigen Brauchtums sieht die 54-Jährige auch noch in den Süßes-oder-Saures-Touren: "Wir teilen ja unsere Süßigkeiten mit den Kindern. Und an Samhain teilt man mit den Ahnen. Wenn wir kochen, dann kriegen die Ahnen auch einen Teller hingestellt und dürfen mitessen."

Kontakt zu den Toten aufnehmen

Dass ausgerechnet an diesem Tag im Jahr der Kontakt zu den Toten gesucht wird, habe damit zu tun, dass Samhain auch das keltische Neujahrsfest ist, sagt Bauch. Es markiere Wechsel vom Sommerhalbjahr zum Winterhalbjahr, den beiden Jahreszeiten im keltischen Kalender. "Die Schleier zur Anderswelt sind da weiter offen. Man orakelt, macht Feuer an. Früher hat man zu der Zeit auch die Tiere geschlachtet und das Fleisch haltbar gemacht," weiß Alexandra Urban-Bauch. Das sei ein mehrtägiges Fest gewesen, bei dem gut und reichlich gegessen wurde.

Auch die jungen Süßigkeitensammler schlemmen. Während die aber zuweilen laut in der Gegend herum toben, feiert das "Druidenmarkt"-Pärchen Samhain in ruhiger Einkehr. Das vergangene Jahr wird an diesem Tag reflektiert. Pläne fürs kommende werden geschmiedet und besprochen. Die Ahnen reden dabei mit, sagen sie, – meist in Form von Visionen oder Träumen in den Folgetagen. Oder dadurch, dass einem plötzlich ein fremder Satz im Kopf herumgehe.

Verbunden durch das Feiern

Trotzdem blieben sie an Samhain offen für das dörfliche Umfeld, versichern beide. "Wir machen ja sowieso ein Feuer an, und die Kinder kriegen bei mir immer was Süßes", sagt die gute Hexe. "Ich freue mich immer über die Verkleidungen der Kinder." Sie verknüpfe etwas anderes mit dem 31. Oktober. "Trotzdem feiern wir ja alle. Und das wiederum verbindet dann wieder."

Von Katharina Hartwig

Gesetze gelten auch für Geister

Am Montag, 31. Oktober, ist „Reformationstag“, ein gesetzlicher Feiertag im ganzen Norden. Am selben Tag wird auch Halloween gefeiert. Viele Familien, Kinder und Jugendliche haben bereits Kürbisse mit gruseligen Gesichtern verziert. Die jüngeren freuen sich darauf, gruselig verkleidet und maskiert durch die Straßen zu ziehen und Anwohner mit dem Spruch „Süßes oder Saures“ vor die Wahl zu stellen, ob sie etwas Süßes geben oder Opfer eines Streiches werden wollen.

Doch nicht jeder macht bei Halloween mit. Daher appelliert die Polizei an die Eltern, ihre Kinder darauf hinzuweisen, die Scherze nicht zu übertreiben, denn: „Nicht alles, was Geistern Spaß macht, ist auch erlaubt!“. So haben einige dieser Streiche in Einzelfällen ein juristisches Nachspiel. Bewerfen von Hauswänden mit Eiern, Herausreißen von Pflanzen und Beschmieren von Autos gilt als Sachbeschädigung. Das Herausheben von Gullydeckeln ist ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr. Hexen und Monster unter 14 Jahren können zwar nicht strafrechtlich belangt werden, zivilrechtliche Forderungen können jedoch sehr wohl gegenüber Kindern beziehungsweise deren gesetzlichen Vertretern geltend gemacht werden. lz

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