Montag , 5. Dezember 2022
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Auch in Lüneburg werden seit dem Ende der Testpflicht für Kleinkinder weniger Corona-Neuinfektionen gemeldet.
Auch in Lüneburg werden seit dem Ende der Testpflicht für Kleinkinder weniger Corona-Neuinfektionen gemeldet. Die Behörden gehen auch hier von einer hohen Dunkelziffer aus. (Foto: AdobeStock)

Kurze Corona-Pause in Kitas?

Zuletzt sanken die Corona-Zahlen auch bei den Jüngsten auf ein sehr niedriges Niveau. Das hängt nicht nur mit den Herbstferien zusammen, und die Infektionen dürften demnächst wieder zunehmen.

Lüneburg. In den letzten Tagen der Herbstferien sind die gemeldeten Corona-Neuinfektionen in Stadt und Landkreis Lüneburg deutlich zurückgegangen. Insbesondere bei den Jüngsten lag der Inzidenz-Wert mit 58,1 auf einem fast selten gewordenen niedrigen Niveau. Aber: „Die Dunkelziffer bei den Infizierten dürfte in jedem Altersbereich deutlich höher liegen als angegeben“, sagt auf LZ-Nachfrage Dr. Marion Wunderlich, Ärztliche Leiterin des Gesundheitsamtes Lüneburg. Die Lage dürfte sich nach den Ferien wieder zuspitzen. Denn laut Berichten des Robert-Koch-Instituts nimmt der Anteil neuer Corona-Varianten in Deutschland gerade zu. Demnach verbreite sich zusehends auch BQ 1.1.

Wunderlich: „Die niedrige Quote bei Kindern von 0 bis vier Jahren und auch bei fünf bis 14 Jahren resultiert vermutlich aus den Ferien in Niedersachsen.“ Auch wenn die Kitas geöffnet sind – häufig bleiben die kleinen Geschwisterkinder in den Schulferien auch zuhause. Damit gibt es auch weniger Ansteckungen in den Familien. Eine Woche vor Ferienstart hatte die Inzidenz im Kreis Lüneburg bei den 0- bis Vierjährigen noch bei 93 gelegen, bei den 35- bis 59 Jährigen bei mehr als 900 und die Gesamtinzidenz bei 665. Zuletzt sank die Gesamtinzidenz auf unter 500. Das macht sich auch bei den derzeit geringeren krankheitsbedingten Personalausfällen bemerkbar, heißt es bei Kita-Trägern. Das führt trotzdem zu Problemen.

Stadt rechnet mit steigenden Zahlen

Laut Fachbereich Bildung und Familie der Stadt Lüneburg seien in den kommunalen Kitas und Krippen aktuell 49 Erzieherinnen und Erzieher erkrankt – von zirka 315. Stadtsprecherin Suzanne Moenck sagt: „Von fünf wissen wir, dass Corona der Auslöser der Krankmeldung ist beziehungsweise war – oder zumindest ein positiver Schnelltest.“ Aktuell bedeutet das, dass gegebenenfalls Gruppen und Betreuungszeiten reduziert, Gruppen zusammengelegt oder geschlossen werden müssen, zählt Moenck auf. Der immer größere Fachkräftemangel verschärfe das Problem.

Die Stadtverwaltung rechne aber damit, dass es aufgrund der gelockerten Richtlinien – keine Masken oder Testpflicht im öffentlichen Raum – bald wieder zu einem Anstieg der Corona-Fälle auch in den Kitas kommen wird. Zuletzt wurde bei 1540 betreuten Kindern in den städtischen Einrichtungen bei mindestens 24 ein Corona-Verdacht gemeldet. Moenck: „Die Dunkelziffer ist aber gar nicht abschätzbar, da es keine Testpflicht gibt und Eltern bei Krankmeldung nicht angeben müssen, warum das Kind krank ist.“

Testangebote werden immer weniger genutzt

Erst bei einem offiziellen Test erhält auch das Gesundheitsamt davon Kenntnis, auch wenn Covid-19 zu den meldepflichtigen Erkrankungen zählt. Auch Gesundheitsamts-Leiterin Wunderlich sagt: „Es könnte sein, dass viele Kinder mit positivem Schnelltest nicht per PCR-Test getestet werden. Sie benötigen keinen Nachweis der Erkrankung, da verzichten vielleicht Eltern oder Ärzte auf einen offiziellen Nachweis.“

Für eine Lageeinschätzung fragte die LZ auch beim „Evangelisch-Lutherischen Kindertagesstättenverband Lüneburg“ nach, unter dessen Dach in 14 Kitas, Krippen und Horten in Stadt und Landkreis Lüneburg mehr als 1000 Kinder betreut werden. Friederike Orth, Pädagogische Geschäftsführerin des Verbands, sagt: „Vorletzte Woche hatten wir beim Personal sechs gemeldete Corona-Fälle, vergangene Woche waren es drei von insgesamt 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.“ Bei den Kindern habe sie Kenntnis von drei Corona-Fällen. Dabei machten sich auch nach ihrer Einschätzung die Herbstferien bemerkbar.

„Eine Vorhersage, wie es jetzt nach den Ferien weitergeht, ist schwierig.“ Auch weil neue Corona-Varianten im Anmarsch sind. Die Mitarbeitenden würden sich aber auch weiterhin zwei Mal die Woche auf Corona testen. Hingegen nehme sie wahr, dass die Eltern das freiwillige Testangebot für ihre Kinder immer weniger nutzen. „Aus einer Kita wurde mir berichtet, dass von 80 angebotenen kostenlosen Tests nur sechs abgenommen werden.“ Gleichzeitig habe Orth ebenfalls den Eindruck, „dass uns längst nicht mehr alle Corona-Fälle bei ihren Kindern mitteilen.“

Immer wieder Diskussionen mit Eltern

Eines sei laut Orth aber klar: „Vergangenes Jahr waren wir wegen Corona sehr restriktiv, haben versucht, Gruppen nicht zu mischen und haben Gruppen auch schon mal vorsorglich geschlossen.“ Das sei aber gesellschaftlich nicht mehr gewünscht und werde auch von den zuständigen Behörden so nicht mehr mitgetragen, heißt es. „Unser Ziel wird es jetzt primär sein, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Das heißt, auch wenn wir Corona-Fälle haben, werden wir voraussichtlich sogar Gruppen zusammenlegen müssen, um mit unserem Personal auszukommen.“

Und selbstverständlich dürften Mitarbeitende schon bei einem Corona-Verdacht nicht arbeiten. Gleichwohl dürfte das Kita-Personal auch weiterhin Diskussionen mit Eltern führen, dass Kinder mit bestimmten Symptomen nicht betreut werden. Orth: „Manche Eltern haben einen ungeheuren Druck zu arbeiten und sind auf die Kinderbetreuung angewiesen. Aber auch diesen Eltern ist nicht gedient, wenn sich unsere Mitarbeiterinnen anstecken und wir schließen müssen.“

Von Dennis Thomas

Neue Kinderimpfstoffe

Landkreis Lüneburg wartet auf Verfügbarkeit

Kürzlich hatte die Europäische Arzneimittelbehörde EMA erstmals grünes Licht gegeben für die Zulassung für Corona-Impfstoffe für Kinder unter fünf Jahren. Doch derzeit seien die Impfstoffe noch nicht bestellbar, sagt auf LZ-Nachfrage Kreissprecherin Marion Junker. „Sobald der Impfstoff verfügbar und bestellbar ist, werden Kinderärzte und auch die mobilen Impfteams den Impfstoff bestellen. Zurzeit können wir jedoch keine definitiven Aussagen machen, wie dieser Prozess weiter verläuft.“ Grundsätzlich bestellt nach der EMA-Zulassung das Bundesgesundheitsministerium den Impfstoff, der wird dann über den Großhandel und die Apotheken in der Fläche ausgeliefert. Junker weiter: „Ein Stiko-Empfehlung, an der sich auch viele Eltern orientieren, liegt zurzeit nicht vor.“

Grundsätzlich empfehle der Landkreis allen Eltern, die ihre unter fünfjährigen Kinder impfen lassen möchten, sich von Kinderärztin oder Kinderarzt beraten zu lassen. Eine Alternative könnten die mobilen Impfteams des Landkreises bieten. Junker: „Soweit es zurzeit absehbar ist, werden wir vermutlich auch Kleinkinder in speziellen Kinderimpfstunden impfen.“ Wer indes nicht solange warten möchte, für den bietet das bundesweite Eltern-und-Ärzte-Netzwerk u12schutz.de die Möglichkeit, Kontakte für sogenannte Off-Label-Impfungen zu knüpfen.

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