Samstag , 3. Dezember 2022
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Mangnus Werner beim Schornsteinfegen. Die Arbeit ist mehr als "nur" den Kamin kehren. (Foto: t&w)

Heizungs-Check: Schornsteinfeger kehren nicht nur Kamine

Beraten, messen, kehren: Der Beruf des Schornsteinfegers ist vielfältig. Seit Kurzem kontrollieren die Experten zusätzlich die Gasheizungen auf Energie-Einsparpotenzial.

Lüneburg. Selbst beim Spazieren wandert sein Blick unaufhaltsam nach oben. Abschätzig, interessiert, manchmal bewundernd, schaut er den Leuten auf ihre Schornsteine. "Das könnte man als Berufskrankheit bezeichnen", sagt Mangnus Werner lachend.

Seit 1992 arbeitet Werner als Schornsteinfeger im Landkreis Lüneburg, kümmert sich um verrußte Kaminrohre, kontrolliert Abgaswege sowie Emissionswerte und berät zu Heizungsanlagen. Seit dem 1. Oktober gehört es zu seinen Aufgaben, den Menschen beim Energiesparen zu helfen.

Mangnus Werner mit einer sogenannte Haspel, die zur Reinigung der Schornsteine verwendet wird. (Foto: t&w)

Harten Ruß rausschlagen

"Alles, was Ruß macht, da kehren wir." Ganz simpel, erklärt Werner. Mit seiner Haspel, einem langen Schlauch mit hartem Kunststoffbesen an einem Ende, säubert er je nach Heiz- und Nutzverhalten mindestens einmal jährlich die Kaminrohre seiner Kunden.

"Dabei achte ich natürlich auch gleich auf augenscheinliche Schäden am Rohr, oder ob beispielsweise Glanzruß aufgetreten ist." Denn der hartnäckige Glanzruß brennt so heiß, dass er mit Wasser nicht gelöscht werden darf; durch das kalte Löschwasser könnte sonst der Schornstein explodieren.

"Entdecke ich Glanzruß, muss ich einen neuen Termin machen und den harten Ruß ausschlagen", erklärt Werner, der damit rechnet, in Zukunft öfter solche Termine machen zu müssen, denn Glanzruß entsteht unter anderem durch das Verbrennen von feuchtem Holz. "Da Holz gerade ein knappes Gut ist, kann es natürlich passieren, dass manche ihre noch nicht ganz durchgetrockneten Reserven verbrennen", warnt der Experte.

Bei vielen Gasheizungen gibt es Einsparpotenzial

Auch Dagmar Krügels Holz liegt trocken und fein säuberlich gestapelt an einem schwer einsehbaren Ort. Zu oft hat sie schon gehört, dass derzeit kostbare Holzvorräte gestohlen werden. "Unser Holz-Lieferant hat uns schon im Mai angerufen und gesagt, dass die Nachfrage durch die Decke schießt. Wir haben sofort reserviert und im September unsere Lieferung bekommen."

Ihren Kamin habe die Familie meist ab 17 Uhr laufen, die Heizung erst seit Kurzem auf eine niedrige Temperatur eingestellt. Dennoch gibt es bei der Gasheizung Einsparpotenzial, stellt Schornsteinfeger Werner zügig fest.

"Erst frieren, dann nachjustieren" – Mangnus Werner

Denn seit dem 1. Oktober übernehmen Schornsteinfeger zusätzlich die Kontrolle der Gasheizungen, die mit der Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung über mittelfristig wirksame Maßnahmen (EnSimiMaV) gesetzlich festgeschrieben wurde.

In einem Zeitraum von zwei Jahren sollen Eigentümer und Vermieter ab zehn Parteien demnach einen Heizungs-Check vornehmen.

"Durch das richtige Einstellen der Heizungen können Kunden erheblich einsparen", erklärt Werner, deshalb halte er die Maßnahme für durchaus sinnvoll. Im Fokus stehen dabei der hydraulische Abgleich, das Verringern der Vorlauftemperatur und die individuelle Anpassung der Werkseinstellungen.

Sein Motto: "Erst frieren, dann nachjustieren". Also lieber die Temperaturen der Werkseinstellung deutlich senken, um sich dann an die ideale Temperatur im eigenen Haushalt anzupassen.

Neue Energieverordnung ab Oktober 2022

Seit dem Inkrafttreten der Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung über mittelfristig wirksame Maßnahmen (EnSimiMaV) am 1. Oktober sind Eigentümer von Gasheizungen gesetzlich zu einem Heizungs-Check verpflichtet.

Die Maßnahme soll zwei Jahre gelten. Der Grund: Viele Heizungen laufen noch auf Werkseinstellung und verbrauchen unnötig viel Energie. Teilweise heizen sie ohne Nachtabsenkung oder haben eine zu hohe Vorlauftemperatur.

Zudem besteht die Pflicht eines hydraulischen Abgleichs – auch in öffentlichen Gebäuden ab 1000 Quadratmetern. Dabei wird kontrolliert, ob alle Heizkörper gleichermaßen mit warmem Wasser versorgt werden.

Für Vermieter gilt: Bis zum 30. September 2023 muss der hydraulische Abgleich in Wohngebäuden mit mindestens zehn Wohneinheiten umgesetzt werden, bis zum 15. September 2024 gilt das auch für Gebäude mit mindestens sechs Wohneinheiten. Den Check können Schornsteinfeger, handwerkliches Fachpersonal oder Energieberater durchführen.

40 bis 60 Prozent Luftfeuchtigkeit sind gut

Die Dienstleistung rangiert preislich zwischen 70 und 120 Euro und nimmt etwa eine Stunde in Anspruch. Zwar besteht eine gesetzliche Verpflichtung zu der Maßnahme, der Vollzug selbst sei aber nicht geregelt.

"Allerdings führt meist eine Beschäftigung mit dem Thema tatsächlich dazu, dass Einsparpotenzial erkannt wird", betont der Fachmann und rät außerdem: "Ein Thermometer mit eingebautem Hygrometer hilft, die Bedingungen im Raum besser einzuschätzen." Solange die Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent beträgt, sei alles im grünen Bereich.

Neben der Kontrolle ist Werner momentan vermehrt in beratender Funktion tätig: "Aufgrund der steigenden Energiekosten haben viele Menschen Interesse, sich neue Kaminöfen oder Pelletheizungen einzubauen. Dazu kommen die alten Öfen, die die zulässigen Emissionswerte übersteigen und eigentlich aus dem Verkehr gezogen und ersetzt werden müssten."

Der Bedarf nach neuen Öfen sei demnach enorm. Trotzdem warnt er ausdrücklich vor unseriösen Internetangeboten mit billigen Öfen, die nicht ausreichend zertifiziert sind. "Ein Anruf beim Schornsteinfeger vor dem Kauf kann da viele unnötige Kosten verhindern."

Von Clara Dembinski

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