Dienstag , 6. Dezember 2022
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Ein spektakulärer Prozess lief vor dem Landgericht Lüneburg unter Ausschluss der Öffentlichkeit. (Foto: phs)

Keine Vergewaltigung: Jugendlicher nach fünf Jahren freigesprochen

Schwerwiegender Vorwurf, abgeschottete Verhandlung – am Ende ein Freispruch. Das Ende eines Prozesses vor dem Landgericht um eine Vergewaltigung, die vor fünf Jahren begangen worden sein soll.

Lüneburg. Die Tat sollte sich bereits vor fünf Jahren ereignet haben. Ein heute 21-jähriger Mann war von der Staatsanwaltschaft der Vergewaltigung in einem besonders schweren Fall angeklagt. So werden Fälle bezeichnet, in denen ein gefährliches Werkzeug – beispielsweise ein Messer – zur Luststeigerung eingesetzt wird. Die Tat soll im September 2017 in Lüneburg verübt worden sein.

Drei Monate wurde der Fall vor der 5. großen Jugendkammer des Landgerichts verhandelt. Hinter verschlossenen Türen: Wegen des jugendlichen Alters des Angeklagten zum Zeitpunkt der schwerer wiegenden Tat sowie aus Gründen des Opferschutzes verhandelte die Kammer durchgehend nicht öffentlich. Am 24. Oktober erfolgte das Urteil: Vom Vorwurf der Vergewaltigung wurde der junge Mann freigesprochen, teilte Gerichtssprecherin Christina Edinger auf LZ-Anfrage mit.

Verurteilt wegen Nötigung

Verurteilt wurde der Mann allerdings nach Jugendrecht wegen einer als Heranwachsender begangenen Nötigung. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn auch angeklagt, weil er sich im September 2021 einer Bedrohung strafbar gemacht haben sollte.

Allein für die ersten beiden Verhandlungstage hatte die Kammer neun Zeugen geladen.

Weil beim Jugendrecht – anders als beim Erwachsenenrecht – der Erziehungsgedanke im Vordergrund steht, verwies Sprecherin Edinger darauf, dass "zum Schutz des jungen Menschen keine weiteren Angaben aus der nicht öffentlichen Verhandlung erfolgen" könnten.

Von Joachim Zießler

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