Montag , 5. Dezember 2022
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Von der landwirtschaftspolitischen Sprecherin zur grünen Agrarministerin: Miriam Staudte. (Foto: rg)
Von der landwirtschaftspolitischen Sprecherin zur grünen Agrarministerin: Miriam Staudte. (Foto: rg)

Viele Glückwünsche von Landwirten – Miriam Staudte wird neue Landwirtschaftsministerin

Am Dienstag Nachmittag stellte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sein neues Kabinett vor. Mit dabei: Miriam Staudte aus dem Wendland, die im Wahlkreis Elbe kandidierte. Die mehrjährige landwirtschaftspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion wird neue Landwirtschaftsministerin. Gegenüber der LZ skizzierte sie ihren Plan für die nächsten fünf Jahre.

Hannover/Lüneburg. Rot-Grün statt GroKo – aber eines bleibt: Die Region ist weiter am niedersächsischen Kabinettstisch vertreten. Behielten in den vergangenen Jahren Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) und Regionalministerin Birgit Honé (SPD) die hiesigen Interessen im Blick, geht diese Aufgabe nun auf Miriam Staudte über.

Die Grüne aus dem Wahlkreis Elbe ist die designierte neue niedersächsische Agrarministerin. Die 46-Jährige tritt damit die Nachfolge von Barbara Otte-Kinast (CDU) an. Auf ihren neuen Job fühlt sie sich gut vorbereitet, war sie als Vize-Fraktionsvorsitzende doch zugleich die Sprecherin der Grünen-Fraktion für die Landwirtschaftspolitik. Zur Politik kam die Diplompädagogin allerdings über den Kampf der Anti-Atomkraft-Bewegung gegen ein Endlager Gorleben.

Eine Mailbox voll mit Glückwünschen von Bauern

Miriam Staudte zeigte sich gegenüber der LZ "sehr froh" über die absehbaren ministerialen Ehren, sieht sie als Ernte nicht nur des erfolgreichen Wahlkampfes, sondern vor allem ihrer langjährigen Arbeit auf dem Gebiet. Die sorgte dafür, dass schon vor der Pressekonferenz der rot-grünen Koalitionäre am frühen Nachmittag "meine Mailbox voll war mit Glückwünschen von Landwirten".

Angst vor dem Gegenwind der Agrarlobby hat Staudte nicht. "Wir gehen die Veränderungen im Dialog mit den Landwirten an. Deshalb bin ich wirklich sehr zuversichtlich, dass wir das in einer konstruktiven Zusammenarbeit hinbekommen."

Ökolandbau-Initiative angekündigt

Den Bauernverbänden, die zuletzt angesichts drohender Hungersnöte wegen fehlender Getreidelieferungen der Kriegsgegner Russland und Ukraine darauf gedrängt hatten, dem konventionellen vor dem Öko-Anbau Vorrang zu geben, entgegnet sie: "Die Stellschrauben, um den Welthunger zu bekämpfen, sind andere – etwa die Etablierung einer weniger fleischlastigen Ernährung" in den reichen Ländern.

Eine Ökolandbau-Initiative soll nach dem Willen von Rot-Grün für eine Verdreifachung des nachhaltigen Anbaus bis 2030 sorgen. Darin sieht Staudte eine Chance für "mehr Unabhängigkeit der Landwirte, weil der Öko-Anbau nicht so abhängig von Mineraldüngern ist".

Die Lüneburger Kämpfe ums Grundwasser sieht sie als Anreiz, über ein Wasserkonzept einen anderen Umgang mit der lebensnotwendigen Ressource zu etablieren. So sollen Landwirte bei der Klimafolgenanpassung durch den Anbau anderer, hitzeresistenterer Arten unterstützt werden.

Marktposition stärken, Hofnachfolge erleichtern

Im frischen Koalitionsvertrag wird explizit erwähnt, dass "die Situation der Landwirte derzeit nicht einfach ist". Wie will die künftige Ministerin sie verbessern? "Zum einen wollen wir die Marktposition der Erzeuger gegenüber dem Handel stärken. Dann wollen wir Hilfestellung bei der Hofnachfolge leisten, damit gut qualifizierte Landwirte ohne Aussicht auf einen zu erbenden Hof andere Höfe übernehmen können."

Ein neues Gesetz soll verhindern, dass Spekulanten Landwirtschaftsflächen erwerben können. Zudem soll die Direktvermarktung gestärkt werden, damit in der Wertschöpfungskette mehr Anteile beim Erzeuger bleiben.

Mit Staudte als Landwirtschaftsministerin löst Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sein Versprechen ein, sein drittes Kabinett paritätisch aus Männern und Frauen zu besetzen. Am Wochenende müssen Parteitage von SPD und Grünen das Ergebnis absegnen.

Am 8. November soll sich dann der Landtag konstituieren. Falls Stephan Weil – wie anzunehmen ist – in seinem Amt bestätigt wird, stellt er danach sein Kabinett vor. Mit Miriam Staudte, der neuen Landwirtschaftsministerin aus dem Wendland. Eines weiß diese jetzt schon über ihre neue Aufgabe: "Langweilig wird es nicht."

Von Joachim Zießler

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