Samstag , 3. Dezember 2022
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Bei einer Infoveranstaltung der Gemeinde Dahlem zum Repowering der Windkraftanlagen in Köstorf kamen rund 200 interessierte Bürger - die viel Kritik äußerten. (Symbolbild: phs)

Windkraft: Kritik an Repowering-Plänen in Köstorf

Viel Wind um die Windkraft: In Dahlenburg fand nun eine Info-Veranstaltung der Gemeinde Dahlem statt, bei der der Windpark Dahlenburg die Pläne für das Repowering in Köstorf vorstellte. Doch die gefallen nicht jedem Bürger.

Dahlenburg. Die Energiewende setzt auf den Ausbau von Windkraft und Solar – so weit so gut: Doch das kann zu Konflikten führen– vor allem in Regionen und Kommunen, die jetzt schon übermäßig stark belastet sind mit Windkraftanlagen. Dazu zählt auch die Gemeinde Dahlem und hier insbesondere die Ortschaft Köstorf.

"Repowering"-Pläne stoßen auf Kritik

Fünf "Riesenspargel" stehen hier auf einer sogenanntem Windvorrangfläche. Nach rund 20 Jahren Laufzeit sind diese Windräder nun in die Jahre gekommen und die Betreiber – die wpd Windmanager GmbH &Co. KG und der Energieversorger Dahlenburg-Bleckede AG – planen die fünf alten Anlagen durch sechs neue, deutlich größere und leistungsstärkere Windräder zu ersetzen. Repowern nennen Fachleute das.

Doch gegen diese Pläne regt sich Widerstand. Am Dienstag Abend hatte die Gemeinde Dahlem daher zu einer sehr gut besuchten Infoveranstaltung mit mehr als 200 Besuchern geladen. Um es vorweg zu nehmen: An diesem Abend überwogen die Stimmen derer, die dem Projekt kritisch gegenüber stehen.

247 Meter hoch sollen Windkraft-Anlagen sein

247 Meter hoch sollen die neuen Anlagen sein, die damit die alten deutlich übertrumpfen. Deshalb unternahm Carsten Meyer, Geschäftsführer des Windparks Dahlenburg, auch gar nicht erst den Versuch, die neuen "Windquirle" kleinzureden. "Die Windkraft wird man in Deutschland nicht verstecken können", sagte er. Dennoch, so glaubt er, werden sie als weniger störend empfunden als die alten Anlagen.

Meyer listete auf: Geringere Immissionen und kein störendes nächtliches Blinken mehr durch eine "bedarfsgerechte Befeuerung". Vor allem aber: Meyer sicherte den betroffenen Kommunen und Bürgern "diverse finanzielle Vorteile" zu, sobald der Neubau der Anlagen realisiert ist. Der Windpark-Geschäftsführer sprach von 130.000 bis 150.000 Euro an Gewerbesteuer-Einnahmen in den ersten Jahren für die Kommunen, die sich im Laufe der Zeit auf bis zu 400.000 Euro erhöhen.

BI "Windkraft mit Vernunft" will geringere Höhe

Zahlen und Summen, die die Mitglieder der Bürgerinitiative "Windkraft mit Vernunft" trotzdem wenig beeindruckten: "Wir sind keine Verhinderer", betonte deren Sprecher Andreas Grölz. Man sei auch nicht gegen Windkraft, allerdings bereite ihm die Höhe der neuen Anlagen Kummer. Seine Forderungen: Eine Höhenbegrenzung der Anlagen in Köstorf auf maximal 180 Meter und statt der geplanten sechs Anlagen nur vier.

Genauso wichtig ist den Mitgliedern der Bürgerinitiative ein Lastenausgleich für die betroffenen Bürger im Umfeld der "Windquirle".

Bereits 27 Windräder in der Samtgemeinde Dahlenburg

"Ja zur grünen Energie, Nein zur (Gewinn)-Maximierung", brachte Grölz es am Ende seines Vortrages auf den Punkt. Und so wie er sahen das wohl auch die meisten Zuhörer, die sich in der anschließenden Diskussion zu Wort meldeten: "Immer weiter, immer größer, immer mehr Strom..., nur, wofür?", fragte ein Mann aus Harmstorf.

Schon jetzt drehen sich 27 Windkraftanlagen auf dem Gebiet der Samtgemeinde Dahlenburg, dazu kommen zwei Biogasanlagen, die ebenfalls Strom produzieren, und demnächst komme noch eine mehrere Hektar große Solaranlage dazu. Das Fazit des Harmstorfers: Die sechs neuen Anlagen auf der Windvorrangfläche in Köstorf sind "definitiv zu groß und zu viel".

Dahlenburg könne Beitrag zur Lösung des Energieproblems leisten

Ingo Götz aus Eichdorf sieht das anders: "Wir haben deutschlandweit ein Energieproblem", gab das Mitglied der Grünen im Lüneburger Kreistag zu bedenken – Dahlenburg könne also nun einen kleinen Beitrag dazu leisten, dieses Problem zu lösen. Doch dieses Argument zündete an diesem Abend gar nicht: "Wir erzeugen in der Samtgemeinde schon jetzt grünen Strom für rund 130.000 Menschen", hielt ihm ein Redner erbost entgegen – "also bitte, kein Moral-Appell!"

Wie es nun weitergeht mit der Windkraft in Dahlem? Als nächstes ist erst einmal der Gemeinderat gefragt, der den Bebauungsplan für die Windvorrangfläche an den noch aktuellen regionalen Raumordnungsplan anpassen muss. Die Pro- und Contra-Argumente haben die Ratsmitglieder an diesem Abend gehört.

Info-Veranstaltung zum Thema Windkraft in Süttorf

Die Altanlagen des Windparks Süttorf sind in die Jahre gekommen. Der Windpark soll in den kommenden Jahren gegen neue leistungsfähigere Windenergieanlagen ausgetauscht werden. Der Windparkplaner wpd aus Bremen hat hierzu mit den Planungen begonnen.

Die Gemeinde Neetze und die wpd laden zur Information über den aktuellen Planungsstand am Mittwoch, 9. November, um 19 Uhr in die Neetzer Turnhalle ein.

Von Klaus Reschke

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