Dienstag , 6. Dezember 2022
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Behält die Bonnestraße ihren Namen
Behält die Bonnestraße ihren Namen oder heißt sie womöglich künftig Bonner Straße? (Foto: A/be)

Bonnestraße: Ende des Streits bis zum Jahresende

Er bewunderte Adolf Hitler. Über die Bonnestraße und ihren umstrittenen Namensgeber wird seit mehr als zwei Jahren in Adendorf eifrig diskutiert. Soll die Straße einen neuen Namen bekommen und – wenn ja – welchen? Nun äußerten sich abermals die Anwohner bei einer Info-Veranstaltung. Und die politischen Gremien beschäftigen sich ebenfalls erneut mit der Angelegenheit.

Adendorf. Ein konkretes Ergebnis, wie die Bonnestraße im Zentrum von Adendorf künftig heißen soll, ergab die Bürgerinformationsveranstaltung am Mittwochabend in der Grundschule am Weinbergsweg nicht. Wie erwartet. Aber immerhin Signale, dass das seit mehr als zwei Jahren in der Gemeinde schwelende Thema bis zum Jahresende vom Tisch kommt.

Unzählige Male schon wurde im Gemeinderat, im zuständigen Ausschuss und in den Fraktionen über die Bonnestraße diskutiert, eine Veranstaltung für die Anwohner war lange angekündigt. Die fand nun statt, geleitet von Volker Heintzmann, stellvertretender Präsident des Landgerichts Lüneburg und ausgebildeter Mediator, der kurzfristig eingesprungen war.

Namensgeber ein Bewunderer Adolf Hitlers

Stein des Anstoßes in der Bonnestraße ist dessen Namensgeber, der Arzt Dr. Georg Bonne, der von 1923 bis 1930 in Adendorf lebte. Bonne machte sich dort für die Schaffung von erschwinglichem Wohnraum verdient, er hatte aber auch eine dunkle Seite, unterstützte mit seinen Schriften die völkischen und antisemitischen Ideen des Nationalsozialismus, befürwortete die NS-Bewegung, war ein Bewunderer Adolf Hitlers und ab 1933 Mitglied der NSDAP.

Eine seit zwei Jahren "emotional sehr aufgeladene" Diskussion" sah Heintzmann, die "Ängste und Sorgen" der Betroffenen könne er nachvollziehen. Deren Argumente kamen am Mittwoch noch einmal auf den Tisch. Zwar lehne man Georg Bonne als Namensgeber ihrer Straße ab, fürchte aber Ärger, Mühen und Kosten im Falle einer Umbenennung ihrer Straße, hieß es etwa von einer Anwohnerin.

Ehemalige Bundeshauptstadt als Namensgeberin?

Im Dezember 2020 hatte der Gemeinderat mehrheitlich beschlossen, die Bonnestraße umzubenennen, abgelehnt wurde in der selben Sitzung der Antrag der Gruppe CDU/FDP, die Straße "umzuwidmen", künftig nach dem israelischen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Alfred Abraham Bonne zu benennen.

Eine Idee, die zunächst auch Zustimmung bei den Anwohnern der Straße fand, später ergab eine Umfrage mit einer 75-Prozent-Mehrzeit als deren Wunsch die Bezeichnung "Bonner Straße", benannt nach der ehemaligen Bundeshauptstadt. Von Beginn in der Diskussion ist auch die Bezeichnung "Anne-Frank-Straße", die von der SPD ins Spiel gebracht wurde und die auch für die Grünen vorstellbar ist. Für die Bezeichnung "Bonner Straße" plädiert die Fraktion die Unabhängigen–ABAE.

Diskussion auch in der Ratssitzung am 10. November

Rund 25 Anwohner nahmen an der Informationsveranstaltung teil, dazu ein rundes Dutzend Ratsmitglieder. Die dürften vor allem mitgenommen haben, dass die Anwohner mit ihrer Geduld am Ende sind. Auf eine Einigung, etwa bis zur übernächsten Ratssitzung am Donnerstag, 8. Dezember, hofft auf Anfrage Ratsmitglied Rolf-Werner Wagner, aus der mit zwölf von 27 Stimmen stärksten Fraktion der SPD.

In den Gremien der Gemeinde geht die Diskussion um die Bonnestraße aber schon am Donnerstag, 10. November, 19 Uhr, im Rathaus weiter: auf der Tagesordnung der Ratssitzung stehen dann die Anträge der Gruppe CDU/FDP, den Beschluss vom Dezember 2020, die Bonnestraße umzubenennen, aufzuheben und die Straße künftig Alfred Abraham Bonne zu widmen.

Von Ingo Petersen

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