Dienstag , 6. Dezember 2022
Anzeige
Seit über 30 Jahren leidet Bernd Butzlaff an Morbus Bechterew. Doch er lässt sich davon nicht unterkriegen. (Foto: t&w)
Seit über 30 Jahren leidet Bernd Butzlaff an Morbus Bechterew. Doch er lässt sich davon nicht unterkriegen. (Foto: t&w)

Betroffener erzählt: So fühlt sich die Krankheit Morbus Bechterew an

Rückenschmerzen seit über 30 Jahren: Bernd Burzlaff leidet wie 450.000 andere Menschen in Deutschland an der Wirbelsäulenerkrankung Morbus Bechterew. Die Krankheit ist nicht heilbar, mit viel Bewegung können die starken Rückenschmerzen aber reduziert werden. 

Lüneburg. Zuerst dachten die Ärzte, es sei Krebs. Bernd Burzlaff war gerade einmal 30, als ihn starke Darmbeschwerden plagten. Die Ärzte konnten damals keine sichere Diagnose stellen und vermuteten Darmkrebs bei dem jungen Polizeibeamten.

Erst eine Blutuntersuchung Jahre später, bei der das Erbmerkmal HLA-B27 nachgewiesen wurde, brachte Gewissheit: Es ist Morbus Bechterew, eine besondere Form von entzündlichem Rheuma, das vor allem die Wirbelsäule befällt.

Was ist Morbus Bechterew?

Bei dieser Autoimmunkrankheit attackieren körpereigene Abwehrzellen gesundes Skelettgewebe – meist zuerst in den Kreuz-Darmbein-Gelenken.

Von dort aus können die Entzündungen auf die ganze Wirbelsäule übergreifen und lösen Knochenwucherungen aus, die die Wirbelsäule versteifen. Das Röntgenbild zeigt dann eine Wirbelsäule vergleichbar mit einem Bambusstab.

Nach dem Aufstehen ist sein Körper durch Morbus Bechterew versteift

So verlief die Erkrankung auch bei Burzlaff. Seit über 40 Jahren leidet er an chronischen Rückenschmerzen, besonders im Steißbein. Vor allem morgens nach dem Aufstehen ist der Körper des 73-Jährigen versteift.

Weil auch sein Brustkorb immer unbeweglicher wird, atmet er nur noch mit dem Bauch. Weite Strecken kann er schon lange nicht mehr schmerzfrei gehen. "Ein Kilometer ist schon zu weit. Wir laufen nur noch kleine Runden durch unser Wohngebiet", sagt seine Frau Antje.

Wegen seiner starken Knieschmerzen falle ihm auch langes Stehen schwer, etwa beim Einkaufen. "Ich schaue mich dann schon immer nach einer Sitzgelegenheit für ihn um."

Wassergymnastik hilft ihm bei Rückenschmerzen

Burzlaff kommt nur mit täglich zwei Schmerztabletten durch den Tag. Chancen auf eine Heilung bestehen bei Morbus Bechterew nicht. Jedoch gibt es Möglichkeiten der Therapie, die den Verlauf positiv beeinflussen und Symptome reduzieren.

Neben einer fleischarmen Ernährung mit viel Gemüse ist es besonders wichtig, in Bewegung zu bleiben: Seit fast 30 Jahren ist Bernd Burzlaff Mitglied der Lüneburger Gruppe der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew. Jeden Montag um 17.45 Uhr trifft sich die Gruppe zur Wassergymnastik beim MTV.

Leiden Sie unter Morbus Bechterew?

Morbus-Bechterew-Betroffene aus Lüneburg und Umgebung sind herzlich eingeladen, am Sportprogramm teilzunehmen.

An jedem zweiten Donnerstag im Monat ab 20 Uhr findet ein Infotreffen im Restaurant Anders, Friedrich-Penseler-Str. 9b in Lüneburg statt. Mehr Informationen gibt es hier.

Auch Qi Gong und Trockengymnastik werden angeboten. Anschließend sitzen die Mitglieder noch bei einer Cola und Knabbereien zum Klönschnack beisammen. "Es tut unwahrscheinlich gut, zu wissen, dass man mit der Krankheit nicht alleine ist", sagt Burzlaff. "Und auch der Sport tut gut. Das gibt einem ein gutes Gefühl – auch mental."

Bernd Burzlaff steht auf einem Trampolin in seine Wohnzimmer.
Sich auf dem Trampolin auszubalancieren, tut Bernd Burzlaff und seinen Gelenken gut. (Foto: t&w)

Depressionen als Begleiterscheinung

Eine Begleiterscheinung von Morbus Bechterew sind Depressionen. Auch Burzlaff ist betroffen. Halt und Sicherheit geben ihm breite Fundamente, wie Burzlaff sie nennt. "Ich bin seit 54 Jahren mit meiner Frau Antje verheiratet. Wir haben zwei Söhne und drei Enkeltöchter. Die schenken mir Zeit, und das ist unheimlich wertvoll."

Besonders dankbar ist Burzlaff auch, dass er seinen Beruf bis zur Rente ausüben konnte. Als Polizeibeamter im Polizeipräsidium Hamburg hat er seine Berufung gefunden.

"Ich habe mich mittlerweile mit meiner Erkrankung abgefunden, genieße das Leben und versuche, wenig an den Bechterew zu denken." Auch in den Gesprächsrunden mit der Selbsthilfegruppe gibt es eine Regel. Sieben Minuten wird über die Krankheit gesprochen, danach geht es um "Gott und die Welt". Burzlaff: "Wir leben mit dem Bechterew, nicht der Bechterew mit uns."

Von Anna Hoffmann

Kommentare

Sie wollen die Kommentare unter diesem Beitrag lesen und kommentieren?
Dann werden Sie LZ+-Abonnent. Informationen zum Digital-Abo der LZ finden Sie hier.