Montag , 5. Dezember 2022
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Ansgar Dettmer (l.) und Hartmut Burmester vom Artlenburger Deichverband
Ansgar Dettmer (l.) und Hartmut Burmester vom Artlenburger Deichverband sind froh, dass das Land den Deichbau durch die Novelle des Naturschutzgesetzes erleichtert. (Foto: t&w)

Land erleichtert den Deichbau an der Elbe

Deiche haben einen ganz besonderen Stellenwert, weil die Klimakrise und deren Folgen Menschen an Flüssen und Küsten vor neue und bislang nicht gekannte Herausforderungen stellen – auch an der Elbe im Landkreis Lüneburg. Das Land erleichtert mit einer Gesetzesänderung jetzt den Deichbau.

Hohnstorf/Elbe. Jede Menge Bauarbeiten stehen dem Artlenburger Deichverband (ADV) an seinen Elbdeichen in den kommenden Jahren ins Haus. Die Bauwerke sind an einigen Stellen zu niedrig. Das muss durch Deicherhöhungen ausgeglichen werden.

Zudem reicht die Bemessungsgrenze für Sturmflut künftig bis zu den Sperrtoren des Elbe-Seitenkanals in Artlenburg. Bislang gilt der Bemessungswasserstand, der den höchsten Hochwasserstand aufgrund von Sturmflut in der Nordsee und an der Elbemündung beschreibt, bis Rönne in der Samtgemeinde Elbmarsch.

Deiche werden höher, breiter und stabiler

Diese Veränderung hat Folgen im Gebiet des Deichverbandes. „Die Deiche zwischen Laßrönne und Artlenburg erhalten andere Maße: Sie werden höher, breiter und stabiler“, berichtet Deichhauptmann Hartmut Burmester. Diese Küstendeiche seien robuster als die bisherigen Hochwasserschutzdeiche an der Elbe, weil sie darauf ausgelegt sind, Sturmfluten standzuhalten, erläutert Ansgar Dettmer, Geschäftsführer des Artlenburger Deichverbandes.

Eine Änderung des Naturschutzgesetzes in Niedersachsen erleichtert dem Deichverband und den ausführenden Baufirmen die bevorstehe Arbeit. Der Landtag hat vor kurzem beschlossen, das artenreiche Grünland auf Deichen und im Deichvorland außer Schutz zu nehmen.

Kritik kommt von Nabu und BUND

Diese Änderung sei vor allem mit Blick auf den wichtigen Hochwasser- und Küstenschutz notwendig, argumentiert der bisherige Umweltminister Olaf Lies (SPD). Künftig werde so die Deicherneuerung erleichtert.

„Unsere Deiche haben einen ganz besonderen Stellenwert, denn der Klimawandel und seine Folgen haben uns vor ganz neue, bislang nicht gekannte Herausforderungen gestell.“ - der bisherige Umweltminister Olaf Lies (SPD)

Kritik an der Novelle des Naturschutzgesetzes kommt von Nabu (Naturschutzbund) und BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland). Holger Buschmann, Landesvorsitzender des Nabu Niedersachsen, kritisiert: „Künftig wird das artenreiche Grünland auf und an den Deichen in Niedersachsen aus dem Biotopschutz entlassen.“ Damit konterkarierten die Regierungsfraktionen von SPD und CDU die Ziele des Niedersächsischen Weges, in denen unter anderem das artenreiche Deichgrünland Ende 2020 als geschützter Biotop gesichert worden sei, meint er.

Schutz in Biosphärenreservat Elbtalaue gewährleistet

Da gerade das artenreiche Grünland der Deiche mit dem ganzjährigen Blütenangebot als äußerst wichtige Verbindungsachse für den Biotopverbund von immanenter Wichtigkeit sei, handele es sich aus Sicht des Nabu um eine erhebliche Gesetzesänderung, die mit den Partnern des Niedersächsischen Weges hätte diskutiert werden müssen, kritisiert Buschmann.

Es seien deutlich weniger als drei Prozent der Grünfläche betroffen, meint Lies. Außerdem sei gerade für artenreiches Grünland auf Deichflächen in besonders schützenswerten Bereichen – im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, im Biosphärenreservat Elbtalaue und in FFH-Gebieten – ohnehin ein weitergehender Schutz gewährleistet, verdeutlicht er.

Lagerplätze für Material sind zu weit entfernt

In der Praxis bedeutet die Herausnahme von einigen Flächen aus dem Naturschutz, dass sich die Deichbauer freier auf den Baustellen des Artlenburger Deichverbandes bewegen könnten, sagt Dettmer. Bislang seien die Baufelder recht eng gehalten, um einen großen Bogen um geschützte Flächen zu machen.

„Oft befinden sich deshalb die Lagerplätze für Material einige 100 Meter entfernt. So muss jede Palette einzeln mit dem Radlader über diese Distanz zur Baustelle transportiert werden. Das kostet viel Zeit und Geld“, erklärt Ansgar Dettmer.

Mehr Geld verbleibt beim Deichbau

Hartmut Burmester hofft, dass nun weniger Ersatz- und Ausgleichszahlungen für den Naturschutz fällig werden und so mehr Geld für den Deichbau verbleibe. „Der Deichverband hat in den vergangenen Jahren unter dem Strich rund 300.000 Euro für Ersatz- und Ausgleichsmaßnahmen beim Deichbau zahlen müssen.“ Das entspreche rund zehn Prozent der Baukosten für 900 Meter Elbdeich. Die Zahlungen würden aus Fördertöpfen von Bund und Land entnommen, die eigentlich für die Deckung der Baukosten an den Deichen eingeplant seien.

Von Stefan Bohlmann

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