Dienstag , 6. Dezember 2022
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So sehen die "fahrenden Litfaßsäulen" der Polizei aus. (Foto: phs)
So sehen die "fahrenden Litfaßsäulen" der Polizei aus. (Foto: phs)

So will die Polizei Senioren vor Betrügern warnen

10.000 Euro durch einen Anruf. Betrüger kontaktieren häufig ältere Menschen per Telefon oder WhatsApp. Die Polizeiinspektion startet nun eine neue Präventionskampagne – und die rollt künftig auf vier Rädern durch Lüneburg.

Lüneburg. "Nicht mit mir": so heißt die neue Kampagne der Polizeiinspektion. Sie warnt vor Betrugsmaschen über das Telefon oder in Messengerdiensten wie WhatsApp. Die Täter geben sich dabei etwa als Familienmitglied, Bankmitarbeiter oder Polizeibeamte aus und versuchen so, ältere Menschen zum Überweisen von Geld zu überreden. Betroffene würden davon derart überrascht, dass sie tatsächlich Beträge von bis zu 10.000 Euro überweisen, erklärt Polizeisprecher Kai Richter.

Viele der Sprüche auf Plattdeutsch

Das besondere an der Kampagne: Sie fährt auf Rädern durch die Stadt. Die KVG hat einen Bus zur Verfügung gestellt, der komplett im Sinne der Prävention bedruckt ist. Viele der Sprüche sind dabei "op platt", also auf Plattdeutsch. "Das ist nun mal auch eine Sprache der älteren Generation", sagt Kai Lührs, Plattdeutschbeauftragter des Landkreises.

Auch der Verein "Lüneplatt" hat 400 Euro für die Aktion gespendet. 3000 Euro kommen von der Sparkasse. Der Bus soll in den kommenden Wochen regulär im Linienbetrieb mitfahren und Aufmerksamkeit auf sich ziehen. So hatten Polizei und KVG es auch bei ihrer Aktion gegen häusliche Gewalt gemacht. "Ein Erfolg", wie Kai Richter bilanziert.

Das Geld ist meistens weg

Dass die Präventionsarbeit so wichtig ist, liegt auch daran, dass die Täter immer professioneller werden. Oftmals werden die Geldbeträge auf ein Drittkonto überwiesen und von dort aus direkt weiterverschickt – meist ins Ausland und per Sofortüberweisung. "Das Geld ist in den allermeisten Fällen dann unwiederbringlich weg", sagt Carsten Sander. Er überwacht bei der Sparkasse potenzielle Fälle von Geldwäsche.

Auch intern habe man Aufklärungsarbeit betrieben: "Die Mitarbeiter sind geschult, aufmerksam zu sein, wenn ungewöhnliche Überweisungen getätigt werden oder etwa Senioren größere Summen abheben wollen", sagt er. Die jeweiligen Vorgänge würden dann geblockt und genau überprüft, so Sander. "Dabei kann es auch schon mal vorkommen, dass ich die Leute am Schalter direkt anspreche, ob sie das Geld für sich abheben", sagt er.

Prävention auch über Messenger

Weil viele der Taten jetzt auch vermehrt über Messengerdienste wie WhatsApp begangen werden, will die Polizei auch hier aufklären. "Wir arbeiten derzeit an einer Strategie, genau dort anzusetzen". Man wolle Warnungen und Tipps künftig ebenfalls auf diese Art verschicken, "quasi wie ein Schneeballsystem", erklärt Richter.

Maria-Lena Schneider und Carsten Sander von der Sparkasse, Kai Richter und Michael Falk von der Polizei und der Plattdeutschbeauftragte Kai Lührs (v.l.n.r.) vor dem Präventionsbus. (Foto: phs)

Ab Dezember gilt zusätzlich eine neue Richtlinie für Telefondienstleister. Ab dann dürfen Anrufe nicht mehr durchgestellt werden, wenn sie ein sogenanntes "Call-ID-Spoofing" nutzen. Das bedeutet, dass die angezeigte Rufnummer manipuliert wird. Der Anbieter müsse dann die Nummer blockieren oder zumindest "Unbekannt" anzeigen, ansonsten drohe ein Bußgeld, führt Richter aus. Häufig werde sogar die 110 angezeigt. "Aber die Notrufnummer ist eine Einbahnstraße", erklärt Richter. Von dieser Nummer aus können keine Anrufe erfolgen.

Menschen sind wachsamer geworden

Trotz allem seien nicht nur die Täter, sondern auch vor allem ältere Leute cleverer geworden. Viele würden nachfragen oder sich bei der Polizei melden. "Das freut uns sehr, denn wenn die Täter merken, dass sie auf wachsame Leute treffen, legen sie meistens auf", sagt Richter.

Trotzdem sei es wichtig, weiter Aufklärung und Prävention zu betreiben. Entweder auf den 500 ausgelegten Flyern und Plakaten, oder eben auf der "fahrenden Litfaßsäule mit vier Rädern" – also dem Präventionsbus, der künftig durch Lüneburg rollt.

Von Moritz Constantin

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