Montag , 5. Dezember 2022
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Kommentar: Wer bekommt nach der Landtagswahl welchen Posten?

Nach Wochen des eifrigen Spekulierens folgen nun die Wochen der Klarheit. Endlich gibt es Antworten auf die Fragen: Wer bekommt nach der Landtagswahl welchen Posten? Und wer muss seinen Sessel räumen? Einige Spekulationen erweisen sich jedoch schon jetzt als Hirngespinste.

Eifrig ist in den Wochen vor und nach der Landtagswahl spekuliert worden, wer welche Posten bekommt oder welchen Sessel räumen muss. Über verschiedene Kanäle sind viele mehr oder minder plausible Überlegungen unters Volk gebracht worden. Nun folgen die Wochen der Klarheit, werden Spekulationen entweder zu Tatsachen oder Hirngespinsten.

Grüne aus Lüneburg bereit für Verantwortung in Hannover

Fest steht bereits, dass die Grüne Miriam Staudte aus dem Wahlkreis Elbe designierte Landwirtschaftsministerin ist. Am Montag sortiert sich dann die Grünen-Fraktion in Hannover, wählt unter anderem ihre Sprecher an der Spitze und für unterschiedliche Fachgebiete. Mit im Rennen sind der Amelinghausener Detlev Schulz-Hendel und der Lüneburger Pascal Mennen. Werden sie für verantwortungsvolle Posten auserkoren, stünde die Region Lüneburg in Hannover so stark wie nie zuvor da.

Christdemokratin als rot-grüne Botschafterin? Unwahrscheinlich

Gedanken um ihren Job muss sich dagegen Monika Scherf machen, wenn sich am Dienstag der neue Landtag mit rot-grüner Mehrheit konstituiert. Als eine von vier Landesbeauftragten vertritt sie in Lüneburg die Landesregierung. 2018 als Parteilose von der CDU in dieses Amt gehoben, besitzt sie inzwischen auch ein entsprechendes Parteibuch. Fast alle Akteure in der Region stellen ihr zwar ein gutes Zeugnis aus, doch wäre es sehr ungewöhnlich, wenn eine Christdemokratin als Botschafterin der rot-grünen Landesregierung im Amt bliebe.

Mit 58 Jahren zu jung für den Ruhestand, muss sich Scherf bei ihren Qualifikationen wohl keine Gedanken über einen neuen Job machen. Zu einfach machen es sich jedoch einige Beobachter, wenn sie den Landkreis Lüneburg als neuen Arbeitgeber vermuten. Als ehemalige Kreisrätin kennt sich Scherf in der Lüneburger Kreisverwaltung zwar bestens aus. Auch sucht der Kreis derzeit einen neuen Ersten Kreisrat. Doch ihre Themen sind Bauen, Klima und Umwelt – und die sind nicht beim Ersten Kreisrat angesiedelt. Zudem wäre der Kreisratsposten für die ambitionierte Scherf ein Rückschritt. Eine Bewerbung ist deshalb mehr als unwahrscheinlich.

Rückkehr von Sozialdemokratin ins Lüneburger Rathaus wenig wahrscheinlich

Auf die Füße fallen wird sicherlich auch Andrea Schröder-Ehlers. 15 Jahre lang saß die Lüneburgerin für die SPD im Landtag, verpasste den direkten Wiedereinzug nur um wenige Stimmen. In den kommenden Monaten wird sie sich neu orientieren müssen. Für viele Beobachter ist es ausgemachte Sache, dass die Genossen schon für die ihren sorgen werden und ein nettes Pöstchen für Schröder-Ehlers finden. Fraglich ist jedoch, ob sich Politik dies in der heutigen Zeit noch leisten kann, die Sozialdemokratin selbst es sich leisten will. Dafür ist ihr Netzwerk einfach zu gut. Theoretisch könnte sie an ihre alte Wirkungsstätte im Lüneburger Rathaus zurückkehren. Doch erstens gibt es ihre Stelle gar nicht mehr, und zweitens müsste die SPD-Fraktionschefin im Stadtrat ihr Mandat zurückgeben, um dann unter der grünen Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch zu arbeiten. Prädikat: unwahrscheinlich.

Oberbürgermeisterin fällt bei zu erwartender Kritik nicht um

Auch Kalisch sehen viele schon die Koffer für Hannover packen – vor allem ihre Kritiker. Doch da dürfte eher der Wunsch als die Wirklichkeit Vater des Gedankens sein. Wer kandidiert schon mit einem 5- bis 10-Jahres-Programm, um nach 12 Monaten die Segel zu streichen? Und hat irgendeiner der Kandidaten, der oder die den Dauer-Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD) beerben wollte, geglaubt, dass es einfach würde? Wohl kaum. Wer für dieses Amt antritt, gibt Partei, Bürgern und nicht zuletzt sich selbst ein Versprechen – und fällt nicht bei ohnehin zu erwartender Kritik um. Zum Glück herrscht in einigen Wochen Klarheit. Dann wird wieder über andere Dinge spekuliert werden.

Ein Kommentar von Malte Lühr

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