Montag , 5. Dezember 2022
Anzeige
Oliver Pott und Kim Meier
Zwei, die sich gemeinsam viel vorgenommen haben: Oliver Pott und Kim Meier. Im Rahmen des Projekts „Zeitungsleser – Weltentdecker“ wollen sie die Lese- und Medienkompetenz von Schülern stärken. (Foto: t&w)

Projekt „Zeitungsleser – Weltentdecker“ will Lust am Lesen wecken

Der alte Schock ist noch unvergessen: 2001 sorgte Deutschlands schlechtes Abschneiden bei der Pisa-Studie für Entsetzen, auch in Lüneburg. Als Reaktion darauf ist das Projekt „Zeitungsleser – Weltentdecker“ entstanden. Jetzt geht die gemeinsame Aktion von Leuphana Universität, Schulen und Landeszeitung in die 13te Runde. Was erwartet die 20 teilnehmenden Schulklassen in den kommenden Wochen?

Lüneburg. Nele Rieckmann hat ein „Zeitungstrauma“. Schuld, sagt sie, sei der Lehrer, der sie kurz vor dem Abitur über mehrere Monate zum Lesen seiner Lieblingszeitung verdonnert habe: Süddeutsche, Politikteil. Ausgerechnet. Ein Graus für Nele Rieckmann, die damals nun weiß Gott andere Interessen hatte als das politische Hickhack in Berlin. Jetzt will die Studentin dem selbst diagnostizierten Trauma den Kampf ansagen – und in fünf Doppelstunden mit Schülerinnen und Schülern aus der Region die Lust am Lesen neu entdecken.

20 Schulklassen aus Lüneburg und Umgebung sind dabei

Die 22-Jährige ist eine von insgesamt fünf Studentinnen, die sich in diesem Jahr am Projekt „Zeitungsleser – Weltentdecker“ beteiligen. Das hat die Lüneburger Landeszeitung mit der Universität und dem Netzwerk Leseförderung im Jahr 2007 ins Leben gerufen, um Schüler für das geschriebene Wort zu begeistern und ihre Lesekompetenz zu verbessern. Fünf Wochen lang werden dafür ab heute 20 Schulklassen der Region die LZ – digital und auf Papier – in ihren Unterrichtsalltag integrieren.

Nele Rieckmann will es besser machen als ihr Deutschlehrer – ohne Zwang, dafür mit vielen bunten Ideen aus der virtuellen „Schatzkiste“, die Projektkoordinatorin Britta Flöring für die gemeinsamen Unterrichtseinheiten vorbereitet hat. Flöring ist selbst Lehrerin einer siebten Hauptschulklasse und stellt fest:

„Viele Schüler wissen noch gar nicht, was eine Zeitung überhaupt ist. In ihrer Vorstellung ist das etwas Graues, Langweiliges ohne Ton.“

Umso größer sei dann die Überraschung, wenn auf einmal die LZ auf dem Tisch liegt, weiß sie auf Erfahrung. Viermal hat Flöring bereits mit Schulklassen an dem Projekt teilgenommen. Dabei wird nicht nur gelesen, sondern auch gespielt, gebastelt und eifrig diskutiert.

Entsetzen nach schlechtem Abschneiden bei Pisa-Studie

Nun also geht das Projekt – nach zwei Jahren coronabedingter Pause – in die 13te Runde. Mit dabei ist auch Oliver Pott von den Berufsbildenden Schulen I. Er will mit seiner Klasse nicht nur die Lese-, sondern auch die Medienkompetenz stärken, „damit meine Schüler erkennen, wo sie sichere Informationen bekommen“. Da ist Kim Meier direkt Feuer und Flamme. Sie studiert Politikwissenschaften und hat bereits Ideen, wie sie Pott bei seinem Vorhaben unterstützen könnte, auch im Sinne der politischen Meinungsbildung. Doch niedrigschwellig sollte der Zugang sein, gibt Pott zu bedenken: „Meine Schüler kommen beim Lesen zum Teil schon ziemlich außer Atem.“

Die Idee zu dem Projekt „Zeitungsleser – Weltentdecker“ hat ihren Ursprung bereits vor mehr als 20 Jahren. Damals sorgte Deutschlands schlechtes Abschneiden bei der Pisa-Studie für Entsetzen, auch bei den ehemaligen Schulleitern Ekhard Ninnemann und Klaus Schröder. „Wir mussten feststellen, dass das deutsche Schulwesen – insbesondere bei der Lesekompetenz – weitaus schlechter dastand als erwartet“, erinnert sich Schröder. „Es war im Grunde eine Katastrophe.“

Lesekompetenz: Die Baustelle ist noch immer groß

Zusammen mit dem Netzwerk Leseförderung, initiiert von der Universität und der LZ, entwickelten er und Ninnemann das Projekt „Zeitungsleser – Weltentdecker“, haben sie bis heute viele tausend Schüler an die Zeitungslektüre herangeführt. Nun übergeben sie das Projekt in die Hände von Britta Flöring und Torsten Moench, Chefredakteur des Delius Klasing Verlags. Denn die Baustelle „Lesekompetenz“ ist noch immer groß, weiß Flöring – aus der Praxis als Lehrkraft, aber auch mit Blick auf die letzten Pisa-Untersuchungen.

Auch die LZ-Redaktion wird regelmäßig Schulluft schnuppern

Eine, die selbst noch bis vor wenigen Jahren die Schulbank gedrückt hat, ist Benita Barbuir. Inzwischen studiert sie „Lehren und Lernen“ in Lüneburg, will sie eins Tages als Lehrerin an einer Grundschule arbeiten. Ihre Teilnahme am Projekt ist für die 21-Jährige daher auch ein kleiner Praxistest. „Wichtig ist es mir, den Unterricht für die Schüler zu machen – aktiv zu sein, einen Zugang durch haptisches Handeln zu finden“, verrät sie. „Ich bin schon sehr gespannt, diese Welt für mich zu entdecken.“

Auch die LZ-Redaktion wird in den kommenden Wochen regelmäßig Schulluft schnuppern und die Arbeit der Projektteilnehmer mit redaktionellen Beiträgen engmaschig begleiten.

Von Anna Petersen

Kommentare

Sie wollen die Kommentare unter diesem Beitrag lesen und kommentieren?
Dann werden Sie LZ+-Abonnent. Informationen zum Digital-Abo der LZ finden Sie hier.