Dienstag , 6. Dezember 2022
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Zwei alte Portraits von Wladyslaw Szpilman und Wilm Hosenfeld.
Der polnische Musiker Wladyslaw Szpilman (l.) wurde während des Warschauer Aufstands von dem deutschen Offizier Wilm Hosenfeld gerettet. (Fotos: privat)

Anonymer Spender finanziert Hosenfeld-Szpilman-Preis

Was ist Lüneburg die Erinnerungskultur wert? Eine Frage, die jüngst im Rat kontrovers diskutiert wurde. Zunächst fanden sich im Haushalt der Stadt nicht die 2000 Euro, ihr Anteil am Preisgeld des Hosenfeld-Szpilman-Preises. Das sorgte für Enttäuschung und Streit. Nun springt ein anonymer Spender ein.

Lüneburg. Die Wiederbelebung des der Völkerverständigung dienenden Hosenfeld-Szpilman-Preises wird nicht am Geld scheitern. Der Lüneburger Rotary Club hat nun die Zusage gegeben, beim Preis im kommenden Jahr Kosten in Höhe von bis zu 10.000 Euro zu übernehmen.

Die gleiche Summe werde für die Preisvergabe in den beiden weiteren Jahren in Aussicht gestellt. Das teilte Prof. Ferdinand Müller-Rommel, Präsident der Rotarier der LZ mit. Parallel dazu hatte die Lüneburger SPD einen Vorstoß gestartet, bei der anstehenden Diskussion im Kulturausschuss die Erhöhung des Preisgeldes um 2000 Euro aus dem städtischen Etat durchzusetzen.

Irritation in der Universitätsgesellschaft

Mitglieder der Universitätsgesellschaft hatten sich am Donnerstagabend enttäuscht gezeigt, nachdem sie erfahren hatten, dass die Stadt nicht – wie ursprünglich zugesagt – die vom Rotary Club gestifteten 3000 Euro auf 5000 Euro aufstocken werde.

Andrea Schröder-Ehlers sagte am Sonntag, wie "überrascht" die SPD-Fraktion gewesen sei, dass Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch die Beschlusslage des Verwaltungsausschusses, über die mögliche Aufstockung des Preisgeldes endgültig im Kulturausschuss zu entscheiden, "nicht in den Rat getragen" habe.

Ein Änderungsantrag der SPD brachte das Thema dann auf die Tagesordnung des Fachausschusses. Fraktionschefin Schröder-Ehlers betonte das Votum der Sozialdemokraten für eine Erhöhung des Preisgeldes: "In den letzten Jahren haben wir uns in Lüneburg in Fragen der Erinnerungskultur einen hohen Standard erarbeitet. Mit einer kleinlichen Entscheidung über 2000 Euro sollten wir dies nicht verspielen."

"Wichtig, ein Zeichen zu setzen"

Eine Gefahr, die nach der Mitteilung des Rotary Clubs gebannt scheint. Müller-Rommel: "Der Rotary Club tritt traditionell für die Völkerverständigung und für humanitäre Hilfe ein. Gerade in Zeiten des Ukrainekrieges halten wir es für umso wichtiger, ein Zeichen der Friedensorientierung zu setzen.“

Die Universitätsgesellschaft wird gebeten, die anfallenden Kosten mit dem RC Lüneburg abzurechnen. "Angesichts der Summe könnten nun auch wieder die Familien Hosenfeld und Szpilman eingeladen sowie ein angemessenes Rahmenprogramm organisiert werden."

Von Joachim Zießler

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