Montag , 5. Dezember 2022
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Das Tempolimit soll bleiben, fordern Jan Stöber (v.l.), Peter Stöber, Karin Lodders und Petra Gade.
Derzeit gilt wegen der Sperrung der Elba-Kreuzung Tempo 30 in der Ortsdurchfahrt Bardowick. Das Tempolimit soll bleiben, fordern Jan Stöber (v.l.), Peter Stöber, Karin Lodders und Petra Gade. (Foto: t&w)

Ortsdurchfahrt Bardowick: Anwohner fordern Verkehrsberuhigung

Die Bardowicker Ortsdurchfahrt im Altdorf ist stark frequentiert – vor allem von Lkw als Zufahrt zur Mülldeponie. Anwohner fordern die Verkehrsberuhigung im Bereich Große Brückenstraße und Große Straße.

Bardowick. Jan Stöber hatte sich mehr erwartet. Er und seine Nachbarn setzten große Hoffnung in die Sanierung der Großen Brückenstraße in Bardowick. Die vielbefahrene Kreisstraße hatte der kreiseigene Betrieb für Straßenbau und -unterhaltung (SBU) Anfang des Jahres erneuern lassen. Mit mäßigem Erfolg, wie Anwohner meinen.

Gläser in den Schränken klirren

„In unseren Häusern vibrierte es so sehr, dass Gläser in den Schränken klirrten, wenn Lkw vorbeifuhren“, berichtet Jan Stöber über die Zeit vor der Sanierung. Draußen sei es nicht viel besser gewesen: „Es polterte laut, wenn die schweren Fahrzeuge vorbeikamen.“

Das sind viele, denn die Bardowicker Ortsdurchfahrt zwischen dem Kreisel an der Landwehr und der Klappbrücke über die Ilmenau ist stark frequentiert – vor allem als Zufahrt zur Mülldeponie zwischen Bardowick und Adendorf.

Es scheppert kräftig

„Nach der Sanierung hat sich die Lage zwar etwas verbessert. Trotzdem sind die Erschütterungen und der Lärm geblieben“, erzählt Stöber. Grund ist aus seiner Sicht, dass die erneuerte Fahrbahn uneben sei. Zudem würden die Gullydeckel nicht mit der Asphaltdecke abschließen. Leere Lkw, leere Anhänger und Müllwagen hüpfen regelrecht über die Absätze. Folge: Es scheppert kräftig. Darüber hinaus verfügten die neuen verschraubten Schachtdeckel über keine Dämpfung, kritisiert er. Es drohe, dass die Deckel wackeln. „Früher oder später löst sich die Verschraubung, weil viele Fahrzeuge darüber hinweg fahren. Dann haben wir eine weitere Lärmquelle.“

„Die Mängel sind uns bekannt“

Jens Michael Seegers, Leiter des Betrieb Straßenbau- und unterhaltung, sagt auf LZ-Anfrage, dass die Straße ordnungsgemäß saniert worden sei. „Die Mängel sind uns bekannt“, erklärt er. Obwohl es zu einem Insolvenzverfahren der ausführenden Firma gekommen sei, konnte diese die Asphaltdecke noch sachgemäß aufbringen.

„Jetzt sind wie in jedem Bauverfahren letzte Anpassungen vorzunehmen, unter anderem werden die Schachtdeckel angepasst. Es ist aufgrund der offenen Maßnahmen noch keine Abnahme erfolgt“, sagt Seegers.

Offen sei zurzeit, wann die letzten Anpassungen anstehen. „Da sich das beauftragte Unternehmen im Insolvenzverfahren befindet, klären wir zurzeit das weitere Vorgehen.“

Verkehrsberuhigung schon vor fast 16 Jahren gefordert

Momentan ist es wegen der Sperrung der Elba-Kreuzung in Adendorf ein wenig ruhiger als sonst in der Ortsdurchfahrt. Die zuständige Verkehrsbehörde hat für die Bereiche Große Brückenstraße und Große Straße Tempo 30 und ein Halteverbot angeordnet. „Das bewährt sich. Der Verkehr rollt etwas ruhiger“, sagt Karin Lodders. Sie wohnt an der Großen Straße, ebenso wie Petra Gade. „Die Schilder können gerne stehen bleiben“, meint sie. Die Forderung nach Tempo 30 für die Ortsdurchfahrt ist alt. Schon vor fast 16 Jahren forderten dies Anwohner der Großen Brückenstraße.

Schon morgens um vier Uhr fahren die ersten Lkw durch, berichtet Petra Gade. Karin Lodders hat am vorigen Mittwoch gezählt: „Zwischen 5 und 6 Uhr waren es neun Lkw, zwischen 6 und 7 Uhr bereits 42.“

Kein Tempolimit

Die Frage, ob Tempolimit und Halteverbot bleiben, beantwortet Sven Bretthauer, Fachdienstleiter Straßenverkehr beim Landkreis, mit Nein. „Nach der Straßenverkehrsordnung gilt innerorts grundsätzlich eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h. Soweit hiervon eine abweichende Regelung getroffen werden soll, muss ein besonderer Grund oder aber eine andere gesetzliche Grundlage gegeben sein, die dieses zulässt“, begründet er. Ausnahmen seien die Abschnitte, an denen das Seniorenwohnheim und der Kindergarten liegen. Zudem gebe es kein auffälliges Unfallgeschehen, das ein Tempolimit erforderlich mache.

Keine Querungshilfen

Ein Halteverbot hält er nicht für sinnvoll. „Dieses könnte dazu führen, dass tendenziell schneller gefahren wird. Parkende Fahrzeuge fungieren verkehrsberuhigend.“

Anwohner schlagen zudem Querungshilfen wie am Schwarzen Weg vor, um die Durchfahrt zu entschärfen. „Diese sind nicht geplant“, sagt Bretthauer. Falls jedoch ein anderer Träger wie eine Gemeinde die Finanzierung sichere, könnten solche Maßnahmen ohne besonderen Bedarf und in Absprache mit den zuständigen Fachbehörden und der Polizei dennoch realisiert werden.

Von Stefan Bohlmann

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