Samstag , 3. Dezember 2022
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Metronom Lüneburg
Lüneburgs Bahnhof ist ein großer Pendlerknotenpunkt. Dabei kommen fast doppelt so viele Menschen zur Arbeit in die Stadt als Lüneburger in anderen Orten arbeiten. (Foto: t&w)

Lüneburg knackt dank Pendlern die 90.000er-Marke

Täglich verlassen fast 17.000 Menschen Lüneburg, um in anderen Städten oder Kommunen zu arbeiten. Doch der Zustrom ist deutlich höher: Fast 33.000 Menschen zieht es werktags in die alte Salzstadt. Unterm Strich hat die Stadt an diesen Tagen mehr als 90.000 "Einwohner".

Lüneburg. Eigentlich soll bei spätestens 85.000 Einwohnern Schluss sein. Das sei die natürliche Grenze Lüneburgs, betonte der damalige Oberbürgermeister Ulrich Mädge im Mai 2019. Denn es gebe schlicht keine Flächen mehr, die bebaut werden könnten. Die Realität sieht anders aus: In der Hansestadt halten sich schon jetzt mehr als als 90.000 Menschen auf. Zumindest werktags. Das geht aus der neuen, bundesweiten Pendlerrechnung hervor.

Viele Arbeitsplätze, wenig Wohnraum 

Demnach verlassen werktags 16.977 Menschen die Stadt, um zum Beispiel in Hamburg zu arbeiten. Dem stehen mit 32.822 fast doppelt so viele Menschen gegenüber, die es in die alte Salzstadt zieht. Das ergibt ein Pendlersaldo von 15.845. Lüneburg kommt demnach auf 91.301 "Einwohner" werktags – und bleibt ein echter Magnet. Das hat gewichtige Gründe: Die Stadt bietet viele Arbeitsplätze, aber nur wenig Wohnraum. Also pendeln viele Menschen in die Stadt.

Die Daten stammen aus der Pendlerrechnung der Länder, die erstmalig anlässlich des Welttages der Stadtentwicklung am Dienstag tief regionalisierte Ergebnisse zu den Pendlern für alle Gemeinden Deutschlands bereitstellten. Beteiligt waren alle Statistischen Landesämter. Deren Daten beziehen sich auf den Stichtag 30. Juni 2021. Neuere Zahlen liegen in dieser Form nicht vor.

München Pendlerstadt Nummer 1

Bundesweit gibt es 23,8 Millionen Pendler. In Niedersachsen sind es 2,4 Millionen Menschen, die über die Grenzen ihres Wohnorts zur Arbeit fahren. Weit vorne liegt Hannover mit 215.734 Pendlern. Bundesweit liegt erwartungsgemäß München mit 503.578 Personen an der Spitze. Es folgen Frankfurt am Main (445.254 Personen) und Hamburg (426.921).

In Niedersachsen weisen neben Lüneburg nur 131 weitere der 942 Gemeinden einen Einpendelüberschuss auf, die Zahl der Einpendler war also größer als die Zahl der Auspendler. Doch woher kommen die Pendler? Oder wohin zieht es sie?

Auspendler

Der typische Auspendler ist männlich und geht einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Unter den Auspendlern gibt es 1631 Beamte und 657 Selbstständige. Insgesamt verlassen werktags 16.977 Personen die Stadt, darunter 9543 Männer und 7434 Frauen. Hamburg liegt klar auf Platz eins der Pendlerziele:

  • 1. Hamburg: 5859
  • 2. Winsen/Luhe: 1119
  • 3. Adendorf: 725
  • 4. Bardowick: 579
  • 5. Uelzen: 519

Einpendler

Unter den 32.822 täglichen Einpendlern gibt es fast gleich viele Männer (16.483) und Frauen (16.339). Unter ihnen gibt es 2690 Beamte und 902 Selbstständige. Die meisten Personen fahren aus Adendorf ab, um in Lüneburg zu arbeiten. Aber auch Hamburg ist nicht nur "Arbeitgeber" für Lüneburger, sondern auch umgekehrt.

  • 1. Adendorf: 2343
  • 2. Hamburg: 1757
  • 3. Reppenstedt: 1634
  • 4. Bardowick: 1380
  • 5. Bleckede: 1248

Alle Ergebnisse basieren auf Auswertungen des Wohn- und Arbeitsortes und stellen die potentielle Mobilität der Pendlers dar. Der Weg zum Arbeitsort muss aber nicht zwangsläufig täglich zurückgelegt werden. Denn seit Beginn der Corona-Pandemie ist auch die Zahl der Homeoffice-Arbeitsplätze gestiegen. In die Pendlerrechnung der Statistiker fließen auch Daten von der Bundesagentur für Arbeit, der Personalstandstatistik des öffentlichen Dienstes und dem Mikrozensus mit ein.

Weitere Infos und Zahlen gibt es im im Statistikportal. Unter Pendleratlas stellen die Statistischen Ämter die Ergebnisse der Pendlerrechnung deutschlandweit interaktiv dar.

Von Werner Kolbe

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