Montag , 5. Dezember 2022
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Lüneburg Coca-Cola
In Lüneburg formierte sich schnell Widerstand gegen die Pumpversuche von Coca-Cola. (Foto: t&w)

Coca-Cola soll Brunnen verkaufen oder zurückbauen

Es war ein erbitterter Kampf gegen den Getränkegiganten. Am Ende verzichtete der Coca-Cola-Konzern auf einen dritten Brunnen in der Region Lüneburg. Damit es keine neuen Begehrlichkeiten gibt, wird der Konzern nun unter Druck gesetzt: Verkaufen an den hiesigen Wasserversorger oder zurückbauen.

Lüneburg. Für Janine Burkhardt ist der Fall klar: Der Coca-Cola-Brunnen in Reppenstedt soll unverzüglich verfüllt und das Areal in seien "Ursprungszustand" versetzt werden. Einen entsprechenden Antrag der Gruppe Linke/Die Partei brachte Burkhardt am Montag ein bei der Sitzung des Umweltausschusses des Kreistages. Man sei gegen eine weitere Kommerzialisierung des kostbaren Grundwassers, sagte die Linken-Politikerin. Daher sollte das Thema Coca-Cola in Reppenstedt beendet werden, denn ein Betondeckel, "der jederzeit wieder zu öffnen ist, lässt die Option einer späteren Nutzung wahrscheinlicher erscheinen". Maik Peyko (SPD) sah es ähnlich. Man sollte keine Begehrlichkeiten wecken.

Viel Widerstand, wenig Absatz

Der Coca-Cola-Konzern hatte in Reppenstedt einen dritten Brunnen geplant, wollte pro Jahr bis zu 350.000 Kubikmeter wertvolles Grundwasser fördern und unter der Marke Vio verkaufen. Der Brunnen wurde gebaut, ein stark umstrittener Pumpversuch gestartet. 70 Tage lang flossen insgesamt fast 100.000 Kubikmeter Wasser in den Bachlauf des "Kranken Hinrich".

Der Pumpversuch endete am 13. April vergangenen Jahres. Der Pumpversuch war vorgeschrieben, die Ergebnisse Bestandteil des Antrages auf eine wasserrechtliche Genehmigung sein. Doch eine Mischung aus wachsendem Widerstand gegen diese Pläne und sinkendem Mineralwasser-Absätzen ließen den Konzern umdenken. Der Riese verzichtete auf einen Antrag, zurück blieb der fertige Brunnen.

Verhandlungen mit Avacon Wasser laufen 

Stefan Bartscht, Leiter des Fachdienstes Umwelt, berichtete nun, dass der Konzern mit dem hiesigen Wasserversorger verhandelt. Avacon Wasser könnte den Brunnen nutzen – zum Beispiel als Notbrunnen. oder zur Entlastung bestehender Netze. "Das wäre aus unserer Sicht eine sinnvolle Nutzung", sagte Bartscht. Über den Stand der Verhandlungen könne er nichts sagen, sie sollten oder könnten schon bald beendet sein.

Ausschussmitglied Stefan Mues (Die Unabhängigen) schlug daraufhin vor, dass man diese Verhandlungen noch abwarten und dann entscheiden sollte: Übernimmt der Wasserversorger den Brunnen, kann er bleiben. Scheitern die Verhandlungen, muss der Konzern den Brunnen zurückbauen. Burkhardt nickte – und änderte den Antrag entsprechend ab. Neun Ausschussmitglieder stimmten zu, die vier CDU-Mitglieder enthielten sich. Coca-Cola muss also den Brunnen an den Wasserversorger verkaufen oder zurückbauen.

Für Avacon Wasser dürfte der Brunnen auch noch aus einem anderen Grund interessant sein. Denn rund um den Brunnen gibt ein umfassendes Netz von mehr als 80 Grundwasser-Messstellen, die der Konzern einrichten lassen musste, um mögliche Auswirkungen einer Grundwasserentnahme zu überprüfen.

Von Werner Kolbe

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