Montag , 5. Dezember 2022
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Museumsleiterin Dr. Alexandra Hentschel.
Museumsleiterin Dr. Alexandra Hentschel skizzierte die Probleme des Salzmuseums. (Foto: be)

Streit um Umbau des Salzmuseums ist beendet

Die große Lösung soll kommen, aber später. Deshalb soll das Salzmuseum in zwei Schritten umgebaut werden. Wie das im Einzelnen vonstatten gehen soll, haben Stadt und Förderkreis Industriedenkmal nun vorgestellt.

Lüneburg. Frieden ist eingekehrt zwischen dem Salzmuseum und der Stadt, zumindest vorläufig. Auslöser des Streits waren Pläne für einen Ausbau des in die Jahre gekommenen Museums. Die Idee, mit Verlegen des Rad-/Fußwegs am Eselstall sowie einem gläsernen Turm für Eingang und Funktionsräume ist zwar nicht vom Tisch. Sie soll nun Kern eines zweiten Bauabschnitts werden. Dem aber muss der Rat noch zustimmen. So wurde es jetzt von der Stadt im Glockenhaus dargestellt. Im ersten Teil erfolgen sollen Sanierung, neues Konzept und eine kleine Erweiterung am Standort des Waggons.

„Das Salzmuseum befindet sich im Edeka"

Der Förderkreis Industriedenkmal Saline hatte zu einer – gut besuchten – offenen Mitgliederversammlung geladen. Es habe nach Irritationen in jüngster Zeit eine positive Entwicklung stattgefunden, sagte Jens-Peter Fiedler, Vorsitzender des Förderkreises Industriedenkmal Saline Lüneburg. Museumsleiterin Dr. Alexandra Hentschel skizzierte die Probleme des Salzmuseums: marodes Gebäude, veraltete Technik, 22 Jahre alte, abgenutzte Ausstellung, keine Barrierefreiheit, keine Garderobe, Radweg quer durchs Museumsgelände, kein Foyer, veraltete Toiletten, Enge im Kassen- und Shop-Bereich, fehlende Lager, fehlende Arbeitsplätze…

Dazu kommt eine mangelhafte Sichtbarkeit. „Das Salzmuseum befindet sich im Edeka“, sei ein häufiger Hinweis für suchende Museumsgäste. Supermarkt und Museum befinden sich im gleichen Gebäude. Edeka hat einen Vertrag bis 2030 mit Option zur Verlängerung. Immer wieder war spekuliert worden, dass der Markt aufs Postgelände zieht – wenn die den Platz möglicherweise verlassen sollte.

Seit 2016 werden Sanierung und neue Konzepte diskutiert

Seit 2016 werden Sanierung und neue Konzeption diskutiert. Eingeworben wurden für die Pläne samt erweiterter Ausstellungsfläche 4,5 Millionen Euro vom Bund, dazu kommen 600.000 Euro an Eigenmitteln. Maja Lucht, Fachbereichsleiterin Gebäudewirtschaft bei der Stadt, stellte vier untersuchte Varianten vor, darunter die vom Förderkreis favorisierte große Lösung mit dem gläsernen Turm. Drei der vier Pläne müssten scheitern, machte Lucht deutlich. Zu den Gründen gehören schwierige Eigentumsverhältnisse, nötige Leitungsverlegungen, die Ausweisung des Geländes als archäologisches Grabungsschutzgebiets, auszugleichende Stellplatzverluste und mehr.

Die Zeit drängt, der Förderbescheid läuft Ende 2023 aus. Als mach- und finanzierbar gilt Variante vier. Dem Plan zufolge soll neben Sanierung und neuer Ausstellung an Stelle des Waggons, der jetzt als Eingang dient, ein parallel zum Museum laufender Bereich gebaut werden. Unterkommen sollen dort Kasse, Shop, Toiletten und Garderoben.

Bis 2023 soll eine belastbare Kostenrechnung vorliegen

Das Museum erhielte dadurch etwas mehr Spielraum für eine neu gestaltete Ausstellung. Der jetzige Kassenbereich fiele weg, ebenso die Verwaltungsräume, die in den Eselstall umziehen sollen. Das entspräche wohl gut hundert Quadratmetern, so Museumsleiterin Hentschel.

Stadtbaurätin Heike Gundermann skizzierte den Zeitplan. Bis 2023 soll eine „belastbare Kostenrechnung“ vorliegen – „wir werden priorisieren müssen, was geht.“ Bis 2026 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Gundermann sprach von einer „Erweiterung im Bestand“ und einem fälligen „Zukunftsbeschluss als Entwicklungsperspektive“. Eine nötige Verlängerung des vom Bund vorgegebenen Förderungszeitraums sieht sie nicht als Problem.

Rat der Hansestadt tagt am 8. Dezember

Zuerst müsse der Anbau erfolgen, forderte Ulrich Mädge, in dessen Zeit als Oberbürgermeister die Planungen begannen. Mädge sitzt jetzt im Vorstand des Förderkreises Industriedenkmal Saline. Skeptisch, ob es finanziell für den Anbau reicht, äußerte sich Monika Scherff, Vorsitzende der CDU-Stadtratsfraktion und Landesbeauftrage für regionale Landesentwicklung im Raum Lüneburg. Hinter die Planungen stellte sich Andrea Schröder-Ehlers, Fraktionsvorsitzende der SPD im Stadtrat.

Jens-Peter Fiedler pochte darauf, dass sich der Rat zum Salzmuseum bekennen und ein Votum für einen zweiten Bauabschnitt abgeben müsse. Denn für viele Forderungen, die in einem Positionspapier des Förderkreises aufgelistet sind, fehlen Lösungen. Das gilt etwa für die „Verknüpfung der Einzelgebäude zu einem einheitlichen Ensemble für ein besseres Gesamtverständnis der Anlage". Das schließt eine Verlegung des Fuß-/Radwegs ein, der die Anlage zerschneide. Es heißt in dem Papier auch: „Ein Anbau als Ersatz des Eisenbahnwaggons reicht nicht aus, um den zusätzlichen Flächenbedarf zu decken.“

Was wann geschieht, das müsse die Politik entscheiden, sagte die Stadtbaurätin. Mädge, in dessen Ägide das Projekt startete, forderte einen schnellen Beschluss des Rates. Die Stadt werde Geld in die Hand nehmen, ab 2026 drei Millionen Euro nachschießen müssen, schätzte Mädge. Der Rat der Hansestadt tagt am 8. Dezember, vielleicht auch zum Thema.

Von Hans-Martin Koch

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