Dienstag , 6. Dezember 2022
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Karstadt Lüneburg
Buero.de will die Lüneburger Filiale der insolventen Kette Galeria Karstadt Kaufhof übernehmen. Ein neuer Name soll dann her. (Foto: phs)

Was der Buero.de-Chef mit Galeria vor hat

Ein neuer Name soll her, ausgewählte regionale Waren könnten in das Sortiment aufgenommen werden und das Einkaufserlebnis soll stationäre und digitale Konzepte vereinen. Das sagt Buero.de-Chef Markus Schön, der 47 Filialen der insolventen Galeria-Kette übernehmen möchte.

Lüneburg. Der Vorstandsvorsitzende des Online-Händlers Buero.de Markus Schön will Teile der insolventen Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) übernehmen. Schön, der auch Chef der Vermögensverwaltungsgesellschaft Schön & Co GmbH ist, hat GKK-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz ein Angebot über 47 der insgesamt 131 Filialen gemacht, vor allem auf mittelgroße Städte habe er ein Auge geworfen.

Und Schön bestätigt der LZ: "Lüneburg ist dabei." Wie er höre, sei sein Angebot wohl auch das einzige, das dem Insolvenzverwalter vorliegt. "Das heißt übrigens nicht, dass ich glaube, die anderen Filialen haben keine Zukunft. Nur ich würde mir die Übernahme aller 131 Filialen nicht zutrauen", so Schön. Außerdem ist auch noch unklar, welche Häuser GKK überhaupt abgegeben wird.

Bereit für tausende Mitarbeiter?

Vor rund sechs Wochen war Schön selbst in Lüneburg vor Ort. "Ich war an allen 47 Standorten. In Lüneburg hatte ich das mit einem Bewerbungsgespräch für eins meiner Unternehmen verbunden." Und er meint, die Stimmung unter den Mitarbeitern sei gut gewesen. Auf sie setzt er auch. "Um in der Fläche erfolgreich zu sein, braucht man Mitarbeiter." Bei Buero.de arbeiten rund 200 Angestellte. Ob es den Chef da nicht überfordere, nun auf einen Schlag für tausende Mitarbeiter verantwortlich zu sein? "Nein, das sind halt unterschiedliche Konzepte."

Eins müsse laut Markus Schön klar sein: "Das Kaufhaus der 70er Jahre wird nicht mehr zurückkommen." Dennoch sieht er eine Zukunft für die Kaufhäuser.

Buero.de will Vollsortiment für Kaufhausfilialen

Ein Ort allein für Büro- und Schulartikel soll aus den Filialen aber nicht werden. Ob man dort dann noch den Bademantel oder die Bratpfanne kaufen kann? "Im Zweifel beides, und zudem noch das Paar neue Schuhe und das Parfüm. Wir wollen ein Vollsortimenter sein", sagt Schön.

Zudem seien Konzepte wie die "digitale Umkleidekabine" und "Shop-in-Shop-Lösungen" angedacht, stationärer und digitaler Handel sollen verknüpft werden. Und: "Ich denke, wir können auch ausgewählte regionale Produkte ins Sortiment aufnehmen."

Galaria sei "Riesen-Magnet" für die Innenstadt

Sollte die Übernahme zustande kommen, würde das auch viele Akteure in der Lüneburger Innenstadt aufatmen lassen. Denn auch wenn das Kaufhaus für Einzelhändler als Konkurrenz angesehen werden kann, lockt es doch viele Kunden in die Innenstadt – und davon profitieren alle Geschäfte.

Auch Cornelius Schnabel, Stellvertretender Vorsitzender des Vereins Lüneburger Citymanagement (LCM) sagt: "In Lüneburg leben wir von der Zentralität und dem Mix. Und Galaria ist da ein Riesen-Magnet. Ich würde es daher begrüßen, wenn das Kaufhaus hier am Standort weiter mit Leben gefüllt und erhalten bleibt."

Ein neuer Name soll her

Noch ist der Deal aber nicht in trockenen Tüchern. Wann es soweit sein wird, kann Markus Schön nicht sagen."Da will ich auch dem Insolvenzverwalter keinen Druck machen." Aber eins stehe fest: Ein neuer Name soll her. "Wir überlegen uns einen guten Namen, er soll auf jeden Fall anders und kürzer sein als Galeria Karstadt Kaufhof."

Weitere Staatshilfen in absehbarer Zeit nicht zurückzahlbar

Welche Filialen es auf die Wunsch-Liste von Buero.de geschafft haben, sei Ergebnis vieler Analysestunden gewesen. "Wir haben uns das sozusagen Top-Down angesehen. Je mehr Auswahlkriterien hinzugekommen sind, desto spezifischer wurde die Liste", sagt Schön.

Galeria Karstadt Kaufhof, Deutschlands letzter großer Warenhauskonzern, hat kürzlich eine Schutzschirm-Insolvenz beantragt – die zweite innerhalb von zweieinhalb Jahren. Anders als 2020 will der Konzern nun auf weitere Staatshilfen verzichten, weil man sie „in absehbarer Zeit“ nicht zurückzahlen könne. Ohne Hilfen müssten viele Filialen mit den insgesamt 17.000 Mitarbeitern geschlossen werden.

Von Laura Treffenfeld

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