Samstag , 3. Dezember 2022
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Im Juli war die Freude bei der evangelischen Kirchenjugend über ihr Haus der Jugend groß.
Im Juli war die Freude bei der evangelischen Kirchenjugend über ihr Haus der Jugend groß. Ältere Melbecker äußern sich eher verbittert. (Foto: A/t&w)

Generationenkonflikt um das Haus der Jugend in Melbeck

Was, wenn ein Haus der Jugend wirklich nur Jugendlichen offen steht? Dann kann es Ärger mit der älteren Generation geben – wie derzeit in Melbeck. Tischfussball statt Häkelkreis – ein besonderer Generationenkonflikt.

Melbeck. Im "Haus der Jugend" fühlen sich die Älteren ausgesperrt. In Melbeck schwelt seit Monaten ein besonderer Generationenkonflikt. Die evangelische Kirchenjugend freut sich, im Haus am Osterberg endlich einen festen Standort zu haben. In der Melbecker Sektion des Sozialverbandes (SoVD) wird dagegen Kritik formuliert: "Das ist sehr enttäuschend", sagt eine Melbeckerin, die namentlich nicht genannt werden will, "zumal wir Älteren beim Bau des Hauses viel geleistet haben."

Standort nur für die Kirchenjugend

Noch im Juli war die Stimmung in Melbeck eher feierlich gewesen. Die Kirchenkreisjugend mixte bei der Einweihung des Hauses alkoholfreie Cocktails. "Endlich müssen wir nicht mehr tingeln", war der Tenor . Das Haus bot genug Platz für Mitarbeiter, Material, Konzerte und Mädelsabende. Möglich wurde das "Haus der Jugend" nur, weil die Katharinengemeinde Embsen über zu viele Räumlichkeiten verfügte. Der Kirchenkreis griff zu, investierte eine sechsstellige Summe, wie Superintendent Christian Cordes berichtete.

"Ein Haus, das allen offensteht" titelte die LZ am 18. August 1992, als das neu gebaute Haus als Gemeindezentrum eingeweiht wurde. Dieter Konrad, Chef des Melbecker SoVD, ist sauer, dass das Motto nicht mehr gilt. "Wir können die Räume gar nicht mehr nutzen, obwohl wir immer Miete gezahlt haben." Und obwohl die Mitglieder des SoVD "beziehungsweise deren inzwischen verstorbene Männer" das Haus vor 30 Jahren mitgebaut haben.

Melbecker leisteten vor 30 Jahren 6000 Arbeitsstunden

6000 Arbeitsstunden im Wert von 300.000 Mark hatten die Mitglieder eines Förderkreises damals in den Bau investiert, listete die LZ auf. Zudem steuerten sie zu den 1,2 Millionen Mark Baukosten 30.000 Mark an Spenden bei.

"Wir haben damals in dem Haus gestrickt", erinnert sich die ältere Melbeckerin, "um die Sachen anschließend zugunsten von Brot für die Welt zu verkaufen. Das dürfen wir jetzt dort nicht mehr, müssen dafür nach Embsen."

Das werde zunächst auch so bleiben, sagt Superintendent Cordes auf LZ-Anfrage. "Zum einen ist der Zugang wegen der Coronalage seit Monaten begrenzt. Zum anderen "soll sich das Leben der Jugendlichen in dem Haus erstmal entwickeln können." Und er gibt zu bedenken: "Wäre das Haus nicht an den Kirchenkreis gegangen, sondern verkauft worden, stünde es dem SoVD jetzt auch nicht zur Verfügung."

Kritik an gestrichener Andacht

Die Empörung im SoVD kochte besonders hoch, nachdem bekannt wurde, dass es in Melbeck keine Andacht zum Volkstrauertag geben würde. Konrad: "Die Älteren haben das Gefühl, dass sich die Kirche verabschiedet. Sie fragen: 'Warum sollen wir noch in der Kirche bleiben, wenn man uns alles wegnimmt?'"

Die Entscheidung, den Volkstrauertag nur in Embsen mit einer Andacht zu begehen, habe nichts mit dem "Haus der Jugend" zu tun, betont Superintendent Cordes. Diese hätten die Pfarrerinnen und Ortsbürgermeister aus der Gemeinde Embsen gemeinsam gefällt. "Hauptgrund war die nachlassende Beteiligung an den Andachten in den vergangenen Jahren."

Werden die Alten aus dem Haus der Jugend herausgedrängt?, fragte die LZ. "Keineswegs", sagt Cordes, "aber sie können auch nicht davon ausgehen, dass ihnen das Gebäude gehört, weil sie damals daran mitgebaut haben. Und außerdem: Der SoVD könnte sich doch auch in Räumlichkeiten der Samtgemeinde treffen."

Von Joachim Zießler

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