Montag , 5. Dezember 2022
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Die Bundeswehr handelt im Auftrag des Parlaments und verteidigt Menschenrechte auch anderswo - etwa in Mali. Im Jahr 2020 wurden 16 Menschen während der Ausübung ihres Dienstes getötet, vergangenes Jahr waren es 26.
Die Bundeswehr handelt im Auftrag des Parlaments und verteidigt Menschenrechte auch anderswo - etwa in Mali. Im Jahr 2020 wurden 16 Menschen während der Ausübung ihres Dienstes getötet, vergangenes Jahr waren es 26. (Foto: AdobeStock)

Was der Volkstrauertag 2022 bedeutet

Auf einmal ist wieder Krieg auf unserem Kontinent. So haben es viele Menschen Anfang des Jahres wahrgenommen. Der Militärpfarrer Yves Töllner erklärt, was der Volkstrauertag in solchen Zeiten bedeutet und was er uns immer bedeuten sollte.

Lüneburg. Das Thema Krieg ist uns heute viel näher, als das noch vor einem Jahr der Fall war. Alltäglich begegnen wir Geflüchteten aus der von Russland überfallenen Ukraine in unseren Straßen – und ebenso geflohenen russischen Kriegsgegnern und Andersdenkenden. So erlangt auch der Volkstrauertag am Sonntag wieder eine größere Präsenz: "Viele Menschen werden dieses Jahr sicherlich diesen Tag ganz anders erleben und empfinden, mit größerer Betroffenheit", vermutet Militärpfarrer Yves Töllner.

Im Auftrag des deutschen Parlaments

Militärpfarrer Yves Töllner .
Militärpfarrer wie Yves Töllner begleiten als Seelsorger Soldaten sowohl bei Bundeswehreinsätzen als auch in der Heimat.

An dem stillen Feiertag wird alljährlich der Kriegsopfer gedacht, ursprünglich des Ersten, später dann zweier Weltkriege. "Heute ist das Gedenken am Volkstrauertag erweitert auf alle Opfer von Gewaltherrschaft und Terror weltweit und die im Einsatz, also im Auftrag des deutschen Parlaments handelnd, Verstorbenen der Bundeswehr." In Dienstausübung getötet wurden laut Bundeswehrstatistik 2020 16 Menschen, im letzten Jahr 26 und in der ersten Hälfte des aktuellen Jahres drei.

Pastor Töllner aus Munster vertritt derzeit seinen Kollegen Jürgen Stahlhut vom "Evangelischen Militärpfarramt Lüneburg". Dieser begleitet noch bis Mitte Februar den Bundeswehreinsatz in Mali. Damit bedient er zurzeit zwei der vier Standbeine, auf denen die Arbeit eines Militärgeistlichen laut Töllner ruht. Neben der klassischen Arbeit als Pfarrer im Feld wie in der Heimat – also etwa der Ausrichtung von Gottesdiensten und Seelsorge –, gehören dazu bei der Bundeswehr auch noch die Organisation von sogenannten Rüstzeiten, also Freizeitfahrten und das Erteilen von Ethikunterricht.

Ethikunterricht ist Pflicht beim Bund

Letzterer ist für alle Dienstgrade verpflichtend. Und da deutsche Militärgeistliche, anders als die anderer Länder, selbst außerhalb der Befehls-Gehorsams-Kette stehen, dürfe Töllner da auch inhaltlich weitgehend behandeln, was er wolle. "Darauf, uns diese Beinfreiheit zu geben, war man infolge des Zweiten Weltkriegs sehr bedacht."

Frei von Konfessionszwang, Religion oder der Voraussetzung, überhaupt einen Glauben zu haben, sei das offene Ohr eines Militärpfarrers sowieso, erklärt Töllner. Er begrüße es aber sehr, dass die Bundeswehr mittlerweile auch Militär-Rabbiner habe und hoffe darauf, dass es bald auch eigene Geistliche für muslimische Militärangehörige geben werde.

Für Frieden und Menschenwürde

Den Volkstrauertag zu begehen, hält Töllner für wichtig: "Wir müssen die Geschichte kennen, um Verantwortung tragen zu können." Er sieht aber auch die Gefahr, dass solche Gedenktage zu inhaltsleeren Ritualen erstarren, wenn Kriegszeugen nach und nach immer weniger werden. Die Erinnerung an die Gräuel dieser Zeiten müssten wachgehalten werden, damit den Menschen klar bleibt, "dass Friede ein sehr, sehr hohes Gut ist, für das wir einzutreten haben."

Artikel eins des Grundgesetzes sichert uns hier in Deutschland die Würde des Menschen zu. Diese sei sogar die Grundlage der ganzen Verfassung, so Töllner. Das sei alles andere als selbstverständlich und werde auch hierzulande von politischen wie religiösen Extremisten mit ihren Forderungen infragegestellt. "Unsere Parlamentsarmee verteidigt diese unsere Werte ganz wörtlich mit Leib und Leben." Töllner findet, auch wir sollten nach innen (Deutschland) wie nach außen hin (die Welt) für ein würdevolles Menschenbild eintreten – "beim Einkaufen, unterwegs auf der Straße, oder wo immer es nötig wird."

Von Katharina Hartwig

Hintergrund

Gedenken seit 100 Jahren

Kriege töten unzählige Menschen. Um ihnen eine Warnung zu sein, schlug der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge bereits im Jahr 1919 einen Gedenktag vor, um an die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkriegs zu erinnern. Die erste offizielle Gedenkstunde fand im März 1922 im Reichstag statt. Die Nazis vereinnahmten den Tag und benannten ihn in „Heldengedenktag“ um.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Volkstrauertag als erste zentrale Veranstaltung 1950 begangen.

Termine für den Volkstrauertag

Gemeinde Adendorf

  • Adendorf 10 Uhr Gottesdienst in der Emmauskirche, 11.45 Uhr Gedenkfeier mit Kranzniederlegung am Ehrenmal (Friedhof).
  • Erbstorf (mit Stadtteil Ebensberg der Stadt Lüneburg) 14.30 Uhr Gedenkfeier mit Kranzniederlegung auf dem Waldfried-hof.

Samtgemeinde Amelinghausen

  • Amelinghausen 10 Uhr Gottesdienst in der Hippolitkirche, 11 Uhr Gedenkfeier mit Blasorchester (bei trockenem Wetter) am Ehrenmal.
  • Betzendorf 10 Uhr Bittgottesdienst für den Frieden in der St.-Peter-und-Paul-Kirche, anschließend Kranzniederlegung am Denkmal.
  • Raven 10 Uhr Gottesdienst in der St.Martins-Kirche, anschließend Kranzniederlegung.
  • Rehlingen 11.30 Uhr Gedenkfeier mit Blasorchester (bei trockenem Wetter) am Ehrenmal.
  • Soderstorf im Anschluss an die Feierlichkeiten in Raven Kranzniederlegung.

Gemeinde Amt Neuhaus

  • Kaarßen 15 Uhr Kranzniederlegung am Denkmal (St.-Marien-Kirche).
  • Neuhaus 10.30 Uhr Gottesdienst in der Marienkirche, 11.30 Uhr Kranzniederlegung auf dem Friedhof.
  • Stapel 10.30 Uhr Gottesdienst am Denkmal (St.-Marienkirche), anschließend Kranzniederlegung auf dem Friedhof.
  • Sückau 15 Uhr Kranzniederlegung am Denkmal (Kapelle).

Samtgemeinde Bardowick

  • Bardowick 10 Uhr Andacht mit Sinfonischem Blasorchester am Gedenkstein (Dom St. Peter und Paul).
  • Mechtersen 11 Uhr Andacht mit Posaunenchor auf dem Friedhof.
  • Radbruch 10.30 Uhr Andacht mit Posaunenchor auf dem Friedhof.
  • St. Dionys 10 Uhr Gottesdienst in der St. Dionysiuskirche.
  • Vögelsen 10 Uhr Gottesdienst mit Posaunenchor auf dem Friedhof, anschließend Kranzniederlegung.
  • Wittorf 11 Uhr Andacht mit Kranzniederlegung mit Posaunenchor am Ehrenmal.

Stadt Bleckede

  • Alt Garge 12 Uhr Andacht am Ehrendenkmal (Friedhof).
  • Barskamp 10 Uhr Gottesdienst in der St. Vituskirche, 11.15 Uhr Gedenkfeier mit kleinem Chor und Posaunenchor bei den Soldatengräbern und am KZ-Gedenkstein.
  • Bleckede 10 Uhr Gottesdienst in der St. Jacobi-Kirche, anschließend Kranzniederlegung am Ehrenmal (Schlosspark).
  • Garlstorf (gemeinsam mit Radegast) 9.30 Uhr Kranzniederlegung am Ehrenmal, 10 Uhr Gottesdienst in der Martin-Luther-Kirche.
  • Radegast (gemeinsam mit Brackede) 9 Uhr Kranzniederlegung am Ehrenmal.

Samtgemeinde Dahlenburg

  • Dahlenburg 11 Uhr Treffen der Vereine Am Markt, 11.30 Uhr Gedenkfeier mit Kranzniederlegung am Ehrenmal (Alter Friedhof).
  • Nahrendorf 10 Uhr Andacht auf dem Friedhof.

Samtgemeinde Gellersen

  • Dachtmissen 14.30 Uhr Gedenkfeier mit Kranzniederlegung am Ehrenmal.
  • Heiligenthal 13.30 Uhr Gedenkfeier mit Kranzniederlegung am Ehrenmal.
  • Kirchgellersen 10 Uhr Gottesdienst in der St. Laurentius Kirche, 11.15 Uhr Gedenkfeier mit Kranzniederlegung am Ehrenmal.
  • Reppenstedt 10 Uhr Gottesdienst mit Posaunenchor in der Auferstehungskirche, Gedenkfeier um 11 Uhr auf dem alten Friedhof.
  • Südergellersen 13 Uhr Gedenkfeier mit Kranzniederlegung am Ehrenmal.
  • Westergellersen 14 Uhr Gedenkfeier am Ehrenmal.

Samtgemeinde Ilmenau

  • Deutsch Evern 10 Uhr Gottesdienst am Ehrenmal (Friedhof).
  • Embsen (gemeinsam mit Häcklingen, Melbeck, Oerzen u. Rettmer) 10 Uhr Bittgottesdienst für den Frieden mit Posaunenchor in der Katharinenkirche, anschließend Gedenkfeier mit Posaunenchor am Mahnmal (Katharinenkirche).
  • Melbeck 11.30 Uhr Kranzniederlegung am Ehrenmal (Friedhof).
  • Oerzen im Tagesverlauf Kranzniederlegung auf dem Friedhof.

Stadt Lüneburg

  • Ebensberg siehe Gemeinde Adendorf, Erbstorf.
  • Häcklingen 15 Uhr Kranzniederlegung auf dem Friedhof.
  • Lüneburg 10 Uhr Gottesdienste in der Klosterkirche Lüne, Kreuzkirche, Martin-Luther-Kirche, St. Johanniskirche St. Michaelis-Kirche und St. Nicolaikirche, 10.30 Uhr ökumenischer Gottesdienst in der St. Stephanuskirche, 10.30 Uhr Kranzniederlegung mit künstlerischem Rahmenprogramm am Mahnmal (Ehrenfriedhof Tiergarten), 12.15 Uhr Kranzniederlegung mit Musik und Gebet am Mahnmal (Lindenstraße), 15.00 Uhr Gedenkfeier mit Kranzniederlegung mit Orchester auf dem Zentralfriedhof, Teil III.
  • Ochtmissen 11.15 Uhr Kranzniederlegung am Mahnmal.
  • Oedeme 11.30 Uhr Kranzniederlegung auf dem Friedhof.
  • Rettmer 14.15 Uhr Kranzniederlegung auf dem Friedhof.

Samtgemeinde Ostheide

  • Barendorf 10 Uhr Gedenkfeier mit Kranzniederlegung am am Ehrenmal (Matthäus Kirche).
  • Neetze 9.30 Uhr Gottesdienst in der St.-Willibrord-Kirche, 10.15 Uhr Kranzniederlegung mit Posaunenchor am Ehrenmal (St.-Willibrord-Kirche).
  • Reinstorf 10 Uhr Gottesdienst in der St. Vitus-Kirche.
  • Süttorf 10.45 Uhr Kranzniederlegung mit Posaunenchor am Ehrenmal (Feuerwehrhaus).
  • Thomasburg 9.30 Uhr Gottesdienst in der St. Peter und Paul Kirche.

Samtgemeinde Scharnebeck

  • Artlenburg 10 Uhr Gottesdienst in der St.-Nicolai-Kirche, 10.45 Uhr Kranzniederlegung am Ehrenmal (Friedhof).
  • Brietlingen 11.30 Uhr Gedenkfeier mit Kranzniederlegung am Ehrenmal.
  • Echem 9 Uhr Gottesdienst in der Friedhofskapelle, anschließend Kranzniederlegung am Ehrenmal (Friedhof).
  • Hittbergen 13.45 Uhr Andacht auf dem Friedhof.
  • Hohnstorf 11 Uhr Kranzniederlegung am Ehrenmal (Dorfstraße).
  • Lüdersburg 10.30 Uhr Gottesdienst in der St. Peter und Paul-Kirche.
  • Lüdershausen 12.15 Uhr Gedenkfeier mit Kranzniederlegung am Ehrenmal.
  • Rullstorf circa 11 Uhr, Kranzniederlegung am Ehrenmal, Alte Dorfstraße/Ecke Boltersener Straße.
  • Scharnebeck 10 Uhr Gottesdienst in der St.-Marienkirche.

Kommunen aus der Region

  • Bienenbüttel 9.30 Uhr Gottesdienst in der St. Michaelis-Kirche.
  • Marschacht 9.30 Uhr Gedenkfeier am Denkmal (Friedhof).
  • Neu Darchau 10 Uhr Gedenkfeier am Ehrenmal (Friedhof).
  • Oldershausen 11.45 Uhr Gedenkfeier am Denkmal (Hauptstraße).
  • Wichmannsburg 11 Uhr Gottesdienst St.-Georgs-Kirche.
  • Winsen 11.30 Uhr Gedenkfeier mit Kranzniederlegung auf dem Waldfriedhof.

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