Montag , 5. Dezember 2022
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Ruben (v.l.), Mia und Janne haben die Generalprobe hinter sich gebracht. Johanna schiebt noch eine Probe am Vertikaltuch hinterher. (Foto: lat)
Ruben (v.l.), Mia und Janne haben die Generalprobe hinter sich gebracht. Johanna schiebt noch eine Probe am Vertikaltuch hinterher. (Foto: lat)

Artistin mit 13 Jahren: Was den Circus Tabasco besonders macht

Die 13-jährige Schülerin Janne tritt beim "Circus Tabasco" als Tuch-Akrobatin auf. Sie ist eine von rund 50 jungen Mitwirkenden des Zirkusses, der vor 30 Jahren aus einer Schul-AG entstanden ist. Am Wochenende ist Showtime. Wann sie nervös wird, was sich hinter den Kulissen verbirgt – und warum das Üben seit Corona schwerer fällt, erfahren Sie hier.

Lüneburg. Der letzte Durchlauf vor der großen Show ist geschafft, die jungen Artistinnen und Artisten atmen kurz durch und setzen sich in der Aula zusammen. Noch ein Mal schlafen, dann treten sie als "Circus Tabasco" vor hunderten Zuschauern in der Rudolf Steiner Schule auf. An einigen Stellen hat es bei der Generalprobe noch geruckelt. "Ihr habt bei den Übergängen gemerkt, wo es noch hakt, und die Technik hat sich sicher auch notiert, was an welchen Stellen noch zu tun ist", sagt Zirkusdirektor und Computerlehrer Alfred Schachl in die Runde.

Warum keine Trinkflaschen herumliegen dürfen

Keinen Schmuck beim Auftritt tragen, die Körperspannung halten – bis zum Abgang von der Bühne – und keine Trinkflaschen herumliegen lassen, so die letzten Anweisungen. "Wir hatten hier an der Schule schon mal den Fall, dass vor einem Musical Wasser aus einer Flasche in eine Bodensteckdose gelaufen ist und wir keinen Strom mehr hatten. Da musste das Publikum draußen warten – das wollen wir ungern wiederholen", erinnert sich Schachl.

Zirkusdirektor und Computerlehrer an der Rudolf Steiner Schule, Alfred Schachl. (Foto: lat)
Zirkusdirektor und Computerlehrer an der Rudolf Steiner Schule, Alfred Schachl. (Foto: lat)

Er leitet seit ziemlich genau 30 Jahren die Zirkus AG an der Schule – mittlerweile ist sie zum Verein geworden. Und die Auftritte haben Dank der Unterstützung professioneller Trainerinnen und ausgebildeter Artisten eine außergewöhnlich hohe Qualität erreicht. In diesem Herbst wirken gut 50 Schülerinnen und Schüler an der Zirkus-Show mit, auch von anderen Schulen im Landkreis sind Teilnehmer dabei. Seit dem Sommer proben sie ihre Trapez-, Einrad-, Trampolin- oder Zaubernummern. Unter ihnen sind auch Janne, Mia und Robert.

Der Vorhang wird per Hand auf- und zugezogen

Die drei zeigen ausnahmsweise auch einmal die Orte hinter den Kulissen. In einem Raum hinter der Bühne werden etwa die Trampoline gelagert, die von dort aus auf die Bühne geschoben werden können. Auch Umkleiden gibt es. Denn zu einer Zirkus-Aufführung gehören auch Kostüme und die passende Schminke. "Und hier hinter dem Vorhang stehen während der Show zwei Schüler, die den Vorhang per Hand auf und zu ziehen", erklärt Janne. Das sei noch Handarbeit. Auch "oben" über der Bühne werden Schüler sein, die sich um die Technik kümmern.

Die 13-Jährige ist bereits das Dritte Jahr beim Circus Tabasco dabei. "Das erste Mal war ich richtig aufgeregt. Jetzt bin ich bei der Generalprobe erst zehn Minuten vor meiner Nummer nervös geworden. Aber morgen, vorm Auftritt, laufen hier sicher alle herum wie Flummis". Janne tritt bei der Show unter anderem mit dem Vertikaltuch auf, das von der Decke hängt. Die Nummer hat sie mit geplant.

Ruben zeigt die Treppe hinter den Kulissen.
Ruben zeigt die Treppe hinter den Kulissen, von der aus Artisten auf die Bühne kommen können. Der Vorhang wird dabei per Hand auf- und zugezogen. Der Plan an der Wand hilft beim Timing. (Foto: lat)

Mia kommt vom Gymnasium in Scharnebeck, sie steht am Wochenende erstmals als Artistin auf der Bühne – sie wird bei der Trampolin-Nummer zu sehen sein. "Ich bin schon sehr aufgeregt. Es werden auch viele meiner Freunde im Publikum sein", sagt sie. Auch Ruben wird bei der Trampolin-Akrobatik zu sehen sein. Die Zirkus-AG sei zwar manchmal anstrengend gewesen. "Vor allem, als ich am gleichen Tag auch noch Basketball hatte." Aber: "Ich will beim Zirkus auf jeden Fall weiter machen."

Seit Corona fällt das Üben schwerer

Weiter gemacht haben einige ehemalige Zirkus-AG-Teilnehmer bis hin zur Profession. "Wir haben zwei Ehemalige hier, die die Schüler jetzt trainieren, die ihr Fach studiert haben und gelernte Artistinnen sind", erzählt Alfred Schachl. Er betont: "An ihren Nummern arbeiten die Schüler aber selbst." Zu üben, sich zu verbessern und am Ende erfolgreich zu sein, sei eine Kompetenz, die die Schüler auch im Leben gut gebrauchen können. Doch seit Pandemiebeginn sieht Schachl, dass weniger Schüler langfristiges Interesse am Zirkus zeigen. "Ich glaube, während Corona haben sich viele noch mehr mit Social Media beschäftigt. Und dort bekommt man oft schnell eine Rückmeldung auf sein Tun. Doch Bewegungen zu üben dauert Monate. Hier sehe ich, dass mehr Schüler schneller abspringen als sonst. Und diese Rückmeldung bekomme ich auch von Musiklehrern."

Direktor tritt bei jeder Show selbst mit auf

Schachl hofft, dass sich dies wieder ändern wird. "Denn die, die mitmachen, sind Feuer und Flamme und es ist beglückend zu sehen, wie auch der eigene Anspruch der Teilnehmer steigt, ohne dass wir da etwas dazu tun." In jeder der 45 Shows seit Zirkusstart – in vielen Jahren gab es zwei Auftritte – hat der Zirkusdirektor auch selbst mitgemacht. "Ich will ja von niemandem etwas verlangen, das ich nicht selbst bereit bin zu geben." Doch man könne sich vorstellen, dass die Organisation viel Energie koste. Ob er weitere 30 Jahre mitmachen wird? "Na, in knapp sechs Jahren gehe ich in den Ruhestand. Bis dahin mache ich sicherlich noch weiter. Doch was danach kommt... Abwarten."

Die 45. Varieté-Show des Circus Tabasco findet am Freitag den 11. und am Samstag den 12. November statt. Tickets gibt es leider keine mehr.

Von Laura Treffenfeld

Generalprobe in der Rudolf Steiner Schule.
Generalprobe in der Rudolf Steiner Schule. (Foto: lat)

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