Montag , 5. Dezember 2022
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Kommentar: Mehr Gelassenheit, weniger Geschnatter

Obwohl es in der Sache eigentlich keinen Dissens gibt, werden manche Projekte im Lüneburger Stadtrat endlos zerredet. Zum Beispiel die Diskussionen über den Hosenfeld-Szpilman-Preis und das Salzmuseum.

Manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass Teile dieser Stadt bisweilen von erheblichen Kommunikationsstörungen betroffen sind. Die negativen Schwingungen lösen – und verzeihen Sie mir die saloppe Formulierung – oftmals hektisches Geschnatter aus, wo sachliche, gerne auch kontroverse Debatten angebracht wären. Zeitweise nimmt das Geschnatter so chaotische Züge an, dass am Ende niemand so genau weiß, wer wann was gesagt hat.

Zwei Beispiele aus den vergangenen Wochen sind die Diskussionen über den Hosenfeld-Szpilman-Preis und das Salzmuseum. Zwei Bemerkungen seien vorweggeschickt. Erstens sind die Bedeutung des Preises und des Museums für Lüneburg aus meiner Sicht unbestritten. Zweitens war ich nicht bei jeder Sitzung dabei oder bin bei jedem Gespräch Mäuschen gewesen. Grundlage des Kommentars ist, was ich als gesichert wahrnehme. Allein daraus leite ich meine Schlussfolgerungen ab.

Fest steht: Die Erhöhung des Hosenfeld-Szpilman-Preisgeldes ist vom Stadtrat bislang nicht abgelehnt worden – trotz fehlerhafter Verwaltungsvorlage. Vielmehr findet das Vorhaben unter anderem mit der SPD-Fraktion und Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch (Grüne) parteiübergreifende Befürworter. Doch wird fraktionsübergreifend auch gefragt, ob sich die Bedeutung eines Preises an der Höhe des Preisgeldes bemisst und ob sich die Stadt Mehrausgaben angesichts der Haushaltslage leisten kann? Diese Fragen wollte der Verwaltungsausschuss zuletzt nicht beantworten. Vielmehr sollten sie dort diskutiert werden, wo sie aus Sicht des Gremiums hingehören: in den Kulturausschuss, der in Kürze tagt. Im Dezember könnte der Rat über die Erhöhung entscheiden, bevor der Preis 2023 vergeben wird.

Für das Salzmuseum versuchte die Stadt seit Oktober 2017 Fördermittel für eine Modernisierung einzuwerben. Im Februar 2020 lag der Förderbescheid über 4,5 Millionen Euro vor. In der Folge wurde die Idee einer Architektengemeinschaft untersucht, Teile des Museums wie29Toiletten, Garderobe und Shop in einen Neubau auszulagern, um zusätzlichen Platz für die Ausstellung zu schaffen. Am Ende gab es vier Varianten. Allein: Für drei Varianten besitzt die Stadt nicht die erforderlichen Grundstücke. Der Kauf hätte die Kosten, die Verhandlung darüber und den Zeitansatz in die Höhe getrieben. Doch läuft die Bewilligung der Fördermittel Ende 2023 aus. Die Zeit drängt also.

In beiden Fällen lagen die Fakten auf dem Tisch. Die Frage ist nur: Wie sind sie in welcher Situation mit welchen Absichten weitergegeben worden? Immer wieder ist auf die Bedeutung beider Projekte verwiesen worden. Das Gezerre und Gezeter darum wird dieser Bedeutung garantiert nicht gerecht.

Ich sage dazu nur: Reden hilft. Zudem wirkt maximale Gelassenheit bei maximaler Klarheit in solchen Fällen Wunder.

Ein Kommentar von Malte Lühr

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