Montag , 5. Dezember 2022
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Claudia Kalisch bei einer Anwohnerversammlung über die geplante Notunterkunft.
Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch, Mitarbeiter der Stadt und ASB-Geschäftsführer Harald Kreft (3.v.r.) informierten zur Notunterkunft im Hanseviertel. (Foto: t&w)

Lüneburg eröffnet weitere Notunterkunft für Geflüchtete

Die Hansestadt Lüneburg richtet eine weitere Notunterkunft in einer Sporthalle ein, diesmal in der Schlieffen-Halle im Hanseviertel. Wie viele Personen dort untergebracht werden sollen und warum der Sozialdezernent  jetzt schon die Aufgabe hat, "die Turnhallen schnell wieder leer zu bekommen", erklärte Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch bei einer Anwohnerversammlung.

Lüneburg. Notunterkünfte, in denen Flüchtlinge untergebracht werden, sollen nur eine Übergangslösung sein. Das betonte Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch am Montagabend bei einer Anwohnerversammlung in den Schlieffen-Hallen im Hanseviertel. Dort soll am 23. November eine Notunterkunft eröffnet werden.

Bis zu 300 Menschen können dort untergebracht werden, in Wohneinheiten für bis zu acht Personen. Rund 80 Bürger waren zu der Versammlung gekommen, bei der die Verwaltungschefin, Mitarbeiter sowie ASB-Geschäftsführer Harald Kreft zu der Einrichtung informierten. Mitglieder der Gruppe "Hanseviertel-Leben" kündigten ihr ehrenamtliches Engagement an.

Geflüchtete brauchen Dach über dem Kopf

Die Ströme Geflüchteter nehmen zu, Großstädte wie Berlin kommen schon an ihre Grenzen. Auch Lüneburg müsse sich aufgrund der Ankündigung des Landes und des Landkreises darauf einstellen, mehr Flüchtlinge aus der Ukraine und anderen Ländern aufzunehmen, sagte Kalisch. Bis Ende März 2023 seien zirka 880 zusätzliche Personen in der Hansestadt unterzubringen, durchschnittlich 41 pro Woche. Doch das sei reine Prognose, denn die Lage sei sehr dynamisch.

"Ich stehe dazu, Menschen aufzunehmen. Wir müssen den Menschen ein Dach über den Kopf geben. Die Halle soll nur eine vorübergehende Notunterkunft sein." Für die Menschen, die auf engstem Raum hier leben müssten, sei das eine Belastung. Es sei aber auch eine Herausforderung für die Stadtgesellschaft, denn Vereine könnten dort nicht mehr trainieren. Kalisch dankte allen, die mit Verständnis auf die schwierige Lage reagieren.

38 Wohneinheiten in Notunterkunft durch Plastikplanen abgeteilt

Die 38 Wohneinheiten, in denen Familien untergebracht werden, sind durch blickdichte Plastikplanen abgeteilt. Ausgestattet sind sie spartanisch mit Doppelstockbetten, einem Tisch mit Stühlen sowie schmalen Schränken. Es wird eine Waschküche, einen Ruheraum, Wickel- und Stillraum geben. Zu den vorhandenen Sanitäreinrichtungen sollen sechs Sanitärcontainer vor dem Eingangsbereich aufgestellt werden. Im Catering-Bereich können bis zu 900 Mahlzeiten pro Tag ausgegeben werden.

Blick in eine der 38 Wohneinheiten in den Schlieffen-Hallen, die bis zur Eröffnung am 23. November noch wohnlicher gestaltet werden sollen. (Foto: t&w)

Lüneburgs Sozialdezernent Florian Forster habe die Aufgabe, "die Turnhallen schnell wieder leer zu bekommen", sagte Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch. Aber versprechen könne sie nichts. Neben den Hallen im Hanseviertel gibt es bereits zwei Notunterkünfte: eine in der Turnhalle Im Grimm und eine am Wilschenbrucher Weg.

Kapazitäten zur Unterbringung fast erschöpft

Sozialdezernent Florian Forster stellte aktuelle Zahlen vor. Derzeit sind 578 Geflüchtete in Lüneburg untergebracht, die Hälfe davon kommen aus der Ukraine. Zirka 400 aus der Ukraine geflohene Menschen sind privat untergekommen. In Gemeinschaftsunterkünften stehen insgesamt 583 Plätze zur Verfügung, fast alle sind belegt und auch die bisherigen Kapazitäten der Notunterkünfte (180) sind so gut wie ausgeschöpft.

Kalisch und Forster machten auch deutlich, dass alle Möglichkeiten der Unterbringung ausgelotet wurden und werden. Dazu gehört unter anderem die Überprüfung freier Immobilien, Aufstockungsmöglichkeiten in bestehenden Unterkünften, die Überprüfung von weiteren Standorten für Unterkünfte sowie das Anmieten von Hotels und die Wohnraumoffensive, die sich an private Vermieter wendet.

Ehrenamtliche um Unterstützung gebeten

Die Notunterkunft in den Schlieffen-Hallen wird der ASB betreiben – wie auch Im Grimm und am Wilschenbrucher Weg. Wie auch in den allen anderen Flüchtlingsunterkünften werden Sozialarbeiter der Stadt die Menschen in allen Belangen beraten und für Integration außerhalb der Einrichtung sorgen. Außerdem wird es einen Wachdienst geben.

Ute Simkes, Bereichsleiterin Integration, äußerte den Wunsch: "Es wäre schön, wenn wir auch hier Unterstützung von Ehrenamtlichen bekämen. Das ist ein großer Schatz." Der Schatz ist sozusagen gehoben. Eine Frau, die der Gruppe "Hanseviertel-Leben" angehört, stellte die Frage an die Anwesenden: "Wer mag uns ehrenamtlich unterstützen?" Zehn Hände schnellten spontan hoch.

Bei der anschließenden Fragerunde ging es unter anderem darum, was an Sachspenden eventuell noch gebraucht wird. Dazu sollen Listen ausgehängt werden.

Gruppe "Hanseviertel-Leben" sucht Mitstreiter

Die Gruppe "Hanseviertel-Leben" hatte sich im Rahmen des Stadtteilfestes gegründet. Die Ehrenamtlichen treffen sich am Montag, 21. November, um 20 Uhr im Wohnprojekt "Bunte Hanse", Lübecker Straße 46. Wer Kontakt aufnehmen möchte, kann sich auch an den Quartiersmanager des Hanseviertels, Max Werner, wenden. Er ist zu erreichen unter (04131) 3093344.

Von Antje Schäfer

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