Montag , 5. Dezember 2022
Anzeige
Der Aufzug an den Gleisen 2/3 des Lüneburger Bahnhofes ist schon länger defekt. (Foto: t&w)
Der Aufzug an den Gleisen 2/3 des Lüneburger Bahnhofes ist schon länger defekt. (Foto: t&w)

Verwirrung um einen defekten Aufzug am Bahnhof

90 statt 23 Minuten Fahrzeit und 9,16 Euro Aufpreis: Das muss ein Rollstuhlfahrer in Kauf nehmen, wenn er mit der Bahn von Uelzen nach Lüneburg fahren will. Schuld daran ist ein defekter Fahrstuhl an den Gleisen 2 und 3.

Lüneburg. Barrierefrei und Bahnhof – davon ist Lüneburg derzeit weit entfernt. Der Aufzug bei den Gleisen 2 und 3 ist defekt. Für mobilitätseingeschränkte Menschen – vor allem Rollstuhlfahrer, ist Lüneburg damit nur schwer erreichbar. Wer aus Richtung Süden kommt, hat zwei Möglichkeiten Einen Service der Bahn spätestens am Vortag über die Ankunft informieren – oder mit dem Zug weiter nach Winsen, Harburg oder Hamburg fahren, dort umsteigen, und einen Zug nach Lüneburg nehmen, der auf Gelis 1 hält.

"Mit Barrierefreiheit hat das alles nichts zu tun", sagt Daniela Laudan. Die Vorsitzende des Behindertenbeirat für Stadt und Landkreis Lüneburg kritisiert nicht nur den großen Aufwand: "Rollstuhlfahrer müssten für die Strecke Uelzen–Lüneburg statt 23 Minuten eineinhalb Stunden Reisezeit einplanen. Zusätzlich müssen sie noch 9,16 Euro mehr Geld bezahlen. Und sicherheitshalber noch ein bis zwei Telefonate führen, um herauszubekommen, ob sie auch wirklich um- und aussteigen können."

Laudan hat bei der Bahn angerufen, genauer gesagt bei der "3 S – Zentrale Hamburg". Dort hieß es, man könne nicht sagen, wie lange der Aufzug noch außer Betrieb sei. "Welche Art von Problem bei der Behebung der Störung vorliegt, konnte man uns ebenfalls nicht sagen."

Aufzug soll am 26. November wieder in Betrieb sein

Am defekten Aufzug im Lüneburger Bahnhof ist ein Hinweis zu sehen: "Dieser Fahrstuhl ist vorübergehend wegen Instandhaltungsarbeiten außer Betrieb. Wir warten noch auf Ersatzteile des Herstellers." Der Aufzug solle voraussichtlich am 26. November wieder in Betrieb sein.

Instandhaltungsarbeiten? Warten auf Ersatzteile? 26.November? Das klingt bei einer Bahnsprecherin etwas anders. Sie hat gegenüber der LZ betont, dass es an dem Aufzug "leider einen Wasserschaden gegeben hat". Und weiter: "Eine Reparatur wird nun beauftragt. Einen Termin können wir jedoch noch nicht benennen." Doch seit wann ist die Bahn über diesen defekten Aufzug informiert? Antwort der Sprecherin: "Wir bedauern, dass der Aufzug am gestrigen Tag für einige Stunden nicht zur Verfügung stand und bitten, die Unannehmlichkeit zu entschuldigen." Der Behindertenbeirat hat sich aber bereits in der vergangenen Woche mit dem Thema befasst. Und nach Auskunft einer LZ-Leserin ist der Aufzug schon seit etwa vier Wochen defekt.

„Problem Lüneburg“ schon gekannt

Laudan hat am Montag erneut bei der "3 S – Zentrale Hamburg" angerufen und schilderte eine angeblich beabsichtigte Bahnfahrt einer Rollstuhlfahrerin von Uelzen nach Lüneburg kommende Woche, Dienstag, ab 10 Uhr, da sie um 11 Uhr bei einer Sitzung sein müsse. Ein Ausstieg in Lüneburg sei ja aber durch den defekten Fahrstuhl nicht möglich. Welche Möglichkeiten es denn sonst gäbe? "Der freundliche Herr meinte zunächst, dass sie ja durchaus aussteigen könne – eben nur nicht vom Gleis weiterkommen würde. Dann wiederholte er die Aussage, die wir bereits letzte Woche erhielten. Er verwies aber auf die Mobilitäts-Service-Zentrale in Berlin, die „vielleicht helfen könne“. Laudan rief dort an. Ein sehr freundliche Mitarbeiterin habe das „Problem Lüneburg“ schon gekannt. "Sie konnte aber ebenfalls nicht sagen, wie lange die Störung noch dauern wird, und war zunächst ratlos, wie man zu einer Lösung kommen könne. Dann aber schlug sie vor, mit dem Zug von Uelzen bis nach Winsen weiter zu fahren und dort wieder in den Zug nach Lüneburg zu steigen. Eine andere Möglichkeit sehe sie nicht."

Bundesweit 2350 Personenaufzüge und 1000 Fahrtreppen

Die Deutsche Bahn hat rund 2350 Personenaufzüge und 1000 Fahrtreppen an bundesweit 5700 Bahnhöfen. "Mehr als 97 Prozent der Aufzüge und Fahrtreppen laufen störungsfrei", sagt die Bahnsprecherin und betont: "Uns ist bewusst, jeder Aufzug, der nicht funktioniert, ist ein Ärgernis für unsere Reisenden. Deshalb sorgen wir dafür, diese Ausfälle zu reduzieren und Reparaturen möglichst rasch mit möglichst wenig Einschränkungen für unsere Kunden vorzunehmen." Sie weist aber auch darauf hin, dass sich mobilitätseingeschränkte Kunden, insbesondere Rollstuhlfahrer, über ihre Reisemöglichkeiten bei der Mobilitäts-Service-Zentrale unter (030) 65212888 informieren können, ob alle Aufzüge funktionieren. Falls ein Aufzug defekt ist, könnte Rollstuhlfahrern geholfen bei Aus-, Ein- oder Umsteigen geholfen werden. Mit einer Einschränkung: Es darf kein schwere, elektrobetriebener Rollstuhl sein.

Laudan will nicht locker lassen und weiter Druck auf die Bahn ausüben: "Wir als Beirat für Menschen mit Behinderung bemängeln schon lange die fehlende Barrierefreiheit in vielen Bahnhöfen und Zügen der Deutschen Bahn und anderen Gesellschaften wie dem Metronom."

Von Werner Kolbe

Kommentare

Sie wollen die Kommentare unter diesem Beitrag lesen und kommentieren?
Dann werden Sie LZ+-Abonnent. Informationen zum Digital-Abo der LZ finden Sie hier.