Samstag , 3. Dezember 2022
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Jamina Bizi.
Die 19-jährige Jamina Bizi hat die Lüneburger Ortsgruppe von Fridays for Future mitgegründet. (t&w)

Ehrensache: Einsatz fürs Klima bei Fridays for Future Lüneburg

Die meisten Ehrenamtlichen sagen, ihr Lohn sei die Dankbarkeit der Menschen. Das ist bei Jamina Bizi anders. Sie engagiert sich bei Fridays for Future Lüneburg und erfährt im besten Fall Diskussionen, im schlechtesten Fall Beleidigungen. Warum sie trotzdem ihre Freizeit für die Initiative hergibt und was es ihr gebracht hat...

Lüneburg. Jamina Bizi engagiert sich bei Fridays for Future (FFF), seit sie 15 Jahre alt ist. „Ich war teilweise bis drei Uhr nachts wach, auch in der Woche. Morgens habe ich etwas für Friydays gemacht, dann bin ich zur Schule gegangen, danach stand wieder Fridays an.“ Zur Klima-Gruppe ist sie gekommen, nachdem sie eine Demo in Berlin besucht hatte. „Das war einfach ein guter Vibe dort.“ Auf der Rückfahrt hatte sie überlegt, dass Lüneburg auch eine Fridays-Ortsgruppe bräuchte – und hat diese kurzerhand mit anderen zusammen gegründet. Durch diese Arbeit sei die heute 19-Jährige selbstbewusster geworden, ist sie überzeugt. „Dass ich mit der Polizei spreche, auf Bühnen gehe oder mit der Presse rede, das wäre früher nicht möglich gewesen.“ Auch habe die Arbeit ihr dabei geholfen, konzentrierter zu sein, was aufgrund ihres Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms (ADS) nicht immer der Fall war. Mittlerweile hat Jamina Bizi auch für sich verstanden, dass sie ab und an Pausen braucht.

Azubis bei Fridays for Future oft unterrepräsentiert

Die Energie für das ehrenamtliche Engagement komme durch ihre Überzeugung, sich für das Klima einzusetzen. „Meine Eltern haben mir das schon früh mitgegeben.“ Jamina Bizi hat kein Abi gemacht und ist derzeit auf der Suche nach einer Ausbildung. Nicht ganz das gängige Schema derer, die sich bei Fridays for Future engagieren. Auszubildende seien bei der Initiative unterrepräsentiert, sagt sie.

„Einige wollen nur ihre Wut bei mir loswerden. Aber ich bin ja kein Mülleimer,“ Jamina Bizi

Die Aufgaben innerhalb der Ortsgruppe seien oft Vorbereitungen auf die nächste große Demo. „Man muss sich vernetzen, schreibt oder liest E-Mails, ist bei Social Media aktiv, trifft andere Gruppen, malt Banner, meldet Demos an, organisiert Warnwesten, macht die Finanzplanung und so weiter.“ Die Gemeinschaft gefalle ihr dabei besonders. Doch viel Lob aus den eigenen Reihen gebe es nicht. „Jeder bringt sich ja ein.“ Doch das sei okay. „Ich mache das ganze ja auch für mich.“

"Einige wollten auch nur ihre Wut bei mir los werden"

Diskussionen mit Menschen, die nicht ihre Ansichten teilen, begrüßt Jamina Bizi. „Ich sage dann immer, wir können gerne diskutieren, aber sachlich. Niemand muss seine Meinung ändern. Aber wenn jemand nach einem Gespräch seine Meinung hinterfragt, halte ich das für einen Gewinn.“ Was nicht geht, seien Beleidigungen. „Manchmal haben mir Ältere gesagt, ich sei nur jung und naiv, einige wollten auch nur ihre Wut bei mir loswerden. Aber ich bin ja kein Mülleimer. Mittlerweile gehe ich dann einfach. Dafür bin ich nicht da.“

Eine düstere Zukunftsprognose hat Jamini Bizi übrigens nicht für die Erde. Sie sieht, dass sich einiges bereits getan hat, auch politisch. „Wir werden mittlerweile nicht mehr ignoriert.“ Für die Zukunft glaubt sie zwar nicht, dass die Welt sich verbessern wird. „Aber vielleicht schaffen wir es, dass sie sich auch nicht verschlechtert.“

Geehrt vom Landrat zum Tag der Ehrenamtlichen

Am Freitagabend wird Jamina Bizi für ihr Engagement im Vorfeld des Tages der Ehrenamtlichen von Landrat Jens Böther geehrt. Sie ist dabei eine von mehr als 50 Ehrenamtlichen aus dem Landkreis. „Ich freue mich wirklich sehr drüber. Und ich sehe das auch als Ehrung für uns als Fridays for Future an.“

Von Laura Treffenfeld

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