Montag , 5. Dezember 2022
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Ein gesprühter Geist in der Nähe des Bahnhofs.
Ein gesprühter Geist in der Nähe des Bahnhofs. (Foto: t&w)

So teuer sind die Folgekosten der Geister-Graffiti

Dem Schöpfer der rund 500 Lüneburger Geister und dem Echo auf seine Werke widmete die LZ jüngst eine große Geschichte. Viele erfreuen sich an seinen bunten Gestalten, anderen sind die Graffiti ein Dorn im Auge, denn es bleibt Sachbeschädigung. Und die Entfernung derartiger Schmierereien, als die sie die gesprühten Figuren sehen, ist nicht billig.

Lüneburg. Nur fünf Minuten und einen unbeobachteten Moment braucht Nico*, um einen Geist zu sprühen. Die LZ hatte über ihn berichtet. Ob es sich bei der besprühten Fläche um Privateigentum oder ein möglicherweise denkmalgeschütztes Gebäude handelt, spielt für ihn dabei keine große Rolle. Aus Sicht der Stadtverwaltung sieht das ganz anders aus: Für jede fünf Minuten, in denen ein Geist entsteht, müssen deren Mitarbeiter rund zweieinhalb Stunden für die Beseitigung investieren – inklusive Auf- und Abbau der Gerätschaften.

Müssen die bunten Gestalten denn alle weg? "Wie andere Graffiti auf unseren Gebäuden sind die Geister ohne unser Einverständnis entstanden und werden somit entfernt. Da es sich zudem um Sachbeschädigungen handelt, folgt in der Regel auch eine Anzeige", verdeutlicht Maja Lucht, Leiterin der städtischen Gebäudewirtschaft. Dass die Geister entfernt würden, freut allerdings nicht alle. Insbesondere städtische Kitas fänden es schade, dass die lustigen Fratzen wieder verschwänden. "Wir können da aber leider keine Ausnahme machen", sagt Lucht.

Ein Geist kostet die Stadt rund 80 Euro

Die Entfernung der Geister ist nicht nur zeitaufwendig, sondern geht auch ins Geld: Jedes größere Graffito, zu denen auch die Geister zählen, koste die Stadt im Schnitt immerhin 82,75 Euro. Das hänge neben der Größe auch von den verwendeten Farben sowie dem Untergrund ab, auf dem gesprüht würde: "Wenn der Stein darunter zum Beispiel zu einem denkmalgeschützten Haus gehört, ist das ganze aufwendiger", erklärt Maja Lucht. Auch sei es mit reinem Abwaschen nicht getan. "Die Mitarbeiter können das verunreinigte Wasser ja nicht einfach ins Grundwasser leiten."

Für das Jahr 2021 habe die Stadtverwaltung insgesamt 19 größere Graffiti auf ihren Gebäuden gezählt. Davon seien aber längst nicht alle Geister. "Wir haben auch viele Schriftzüge und Kritzeleien entfernen müssen", sagt Lucht. Die meisten der bunten Geister befänden sich tatsächlich auf privatem Eigentum. "Da wir bei der Stadt eigenes Personal haben, kann es bei privaten Reinigungsaufträgen durchaus etwas teurer werden als 80 Euro", erklärt die Bereichsleiterin, die anfügt: Wer ein Graffito von seinem Privateigentum entfernen wolle, müsse dies selbst in Auftrag geben und auch aus eigener Tasche zahlen.

*Name von der Redaktion geändert

Von Moritz Constantin

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