Dienstag , 6. Dezember 2022
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Mika Heilmann und seine Mutter mit Makke Schneider.
Mika Heilmann und seine Mutter mit Makke Schneider. (Foto: be)

Für Rote-Rosen-Fan Mika geht ein Traum in Erfüllung

Ein wenig Lampenfieber hatte er schon vor seinem ersten Auftritt. Mika Heilmann ist 20 Jahre alt und lebt mit dem Joubert-Syndrom. Bald ist er als hilfreicher Zeuge bei den Rosen zu sehen.

Lüneburg. Mika Heilmann ragt aus der Kernzielgruppe heraus. Mit 20 Jahren ist er deutlich jünger als die meisten anderen Stammzuschauer. Seit zwei Jahren schaut der junge Mann aus Ostwestfalen-Lippe die Lüneburger Serie – und ist inzwischen derart begeistert, dass er selbst die Geburtstage vieler Darsteller auswendig weiß. Entsprechend aufgeregt war er, als er nun an deren Seite in der Telenovela mitwirken durfte. Zusammen mit seiner Mutter Silvia und gemeinsam mit einigen seiner Lieblinge hat er an zwei Tagen ein halbes Dutzend Szenen in den Studios im Industriegebiet Hafen gedreht.

Angeborene Fehlbildung des Hirnstamms

Für Mika Heilmann ist es nicht der erste Besuch in Lüneburg. Mit seinem Vater war er schon einmal für ein Wochenende in der Hansestadt, natürlich im Rosen-Hotel, der Männertrip war Belohnung für seinen Schulabschluss. Die Stadt gefalle ihm, es gebe auch gute Restaurants, hat er festgestellt. Diesmal ist – bis auf die große Schwester – die komplette Familie mit dabei, auch sein Bruder Lucas, der ebenso wie er das Joubert-Syndrom hat. Dabei handelt es sich um eine angeborene Fehlbildung des Hirnstamms auf Grundlage einer Genmutation. Im Fall von Mika heißt das: Für die Fortbewegung braucht er einen Rollstuhl, bei der Kommunikation hilft ein technisches Gerät, ein sogenannter Talker.

Dass er andere Voraussetzungen für den Alltag mitbringt als die meisten seiner Mitmenschen, hat seinen Humor nicht getrübt. Auf die Frage, wer denn vor den Szenen nervöser war, er oder seine Mutter, lässt Mika keinen Zweifel: „Meine Mutter.“

An ehrgeizigen Zielen mangelt es Mika nicht

Doch ganz so cool, wie er nach den ersten Szenen im Polizeirevier und in Werners Gemüseladen wirken möchte, war er verständlicherweise nicht, deshalb habe die Kommunikation mit dem Talker dann auch etwas gehakt, verrät die Mutter. Das Lampenfieber hatte ihn erfasst, als er mit Makke Schneider, einem seiner Lieblinge in der Serie, drehen sollte. Doch jeder, der mal groß rauskommen möchte, muss ja mal klein anfangen. Und an ehrgeizigen Zielen mangelt es Mika, der inzwischen in einer Lebenshilfe-Werkstatt arbeitet, nicht. Er möchte unbedingt mal aufs rote Sofa des NDR und ein eigenes Buch schreiben.

Die Rosen immerhin sind nun abgehakt auf der To-do-Liste, nachdem er und seine Familie über eine Urlaubsbekanntschaft aus Fuerteventura eine E-Mail-Adresse eines Produktionsverantwortlichen bekommen und sich einfach mal auf gut Glück für eine Komparsenrolle beworben hatten. Mit Erfolg. In seiner Rolle hilft Mika Heilmann der Polizei durch eine gute Täterbeschreibung, einen Verdächtigen zu fassen. Um welches Verbrechen es sich dabei handelt, soll an dieser Stelle aber noch nicht verraten. Erst Anfang kommenden Jahres werden die Szenen in der ARD zu sehen sein.

Von Alexander Hempelmann

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