Samstag , 3. Dezember 2022
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Nina Pupacic
Nina Pupacic, Vereinswirtin beim TuS Brietlingen, kann sich für die WM in Katar nicht begeistern. (Archivfoto: t&w)

WM in Katar: Viele Fernseher bleiben vorerst aus

Fußball-Euphorie ist auch bei Lüneburger Vereinswirten nicht in Sicht. Das WM-Programm läuft erst einmal auf Sparflamme, wenn überhaupt. Doch einige halten sich ein Hintertürchen offen.

Lüneburg. Zum Fußball gucken mal schnell ins Vereinsheim – so lief das häufig bei den früheren Turnieren. Doch die Glotze bleibt bei der WM in Katar in vielen Fällen aus oder wird höchstens einmal zu den Spielen mit deutscher Beteiligung angeschaltet. „Unser Fußball in der 1. Kreisklasse, der ist ehrlich. Aber nicht diese WM.“ Nina Pupacic, Wirtin beim TuS Brietlingen, spricht vielen aus der Seele.

Interesse lässt seit Jahren schon nach

Daher wird in „Nannis Sportlerheim“ in Brietlingen der Fernseher allenfalls angeschaltet, „wenn die Jungs nach dem Training unbedingt Fußball gucken wollen“, sagt Nina Pupacic: „Ich bewerbe das mit Absicht nicht.“ Schon bei den letzten großen Turnieren, der WM 2018 und der um ein Jahr verlegten EM 2020, hat das Interesse nachgelassen. Nun kommt der Katar-Faktor hinzu. Die Wirtin hat da eine klare Meinung: „Wenn Spieler die Menschenrechtsverstöße dort anprangern und dann trotzdem in Katar antreten, dann ist das doch verlogen.“

Anderenorts sollen wenigstens die Partien mit deutscher Beteiligung gezeigt werden, zum Beispiel beim TuS Erbstorf. „Wir werden die deutschen Spiele übertragen – und das war‘s. Alles andere interessiert uns nicht“, betont Vereinswirt Georg Schumacher. Und: „Alle bei uns sehen diese WM kritisch. Aber wir wollen uns ihr nicht ganz verweigern, wir sind ja ein Fußballverein.“ Da die Auftaktbegegnung der DFB-Elf gegen Japan am Mittwoch um 14 Uhr beginnt, hat er dieses Spiel nicht auf dem Zettel: „Da hat niemand Zeit.“

Der ehrliche Fußball findet an der Basis statt

Der TuS Erbstorf spielt in der gleichen Klasse wie Brietlingen – und Schumacher hat die gleiche Meinung wie seine Kollegin dort: „Der ehrliche Fußball findet bei uns in den Vereinen statt.“ Am Sonntag steigt am Heidkoppelweg das Kanalderby gegen die SV Scharnebeck II, was ist dagegen schon der Kick zwischen Katar und Ecuador?

Etwas mehr in WM-Stimmung ist Bobby Gavrilovic, der das Fairplay auf dem Gelände der SV Eintracht Lüneburg betreibt. Er bereitet alles dafür vor, dass die Leute in seiner Kneipe, aber bei entsprechendem Wetter auch draußen auf der Terrasse gucken können: „Da muss ich keine Reklame machen. Jeder weiß, dass ich das mache – zumindest bei den deutschen Spielen.“

Voerst nur Spielenachmittage und Weihnachtsfeiern

Klar, auch Gavrilovic hat die Kritik an diesem Turnier vernommen und ist alles andere als begeistert über die Wahl dieses Ausrichterlands: „Aber ich hoffe, dass sich das im Laufe des Turniers ein bisschen normalisiert.“

Abwarten, wie sich alles entwickelt, möchte man auch beim TSV Bardowick. Dort ist der 1. Vorsitzende Jürgen Preuß zuständig auch für das Vereinsheim „Langelohs Eck“. In dessen Kalender tauchen zwar Senioren-Spielenachmittage und Weihnachtsfeiern auf, aber noch keine einzige WM-Übertragung.

Preuß liegt ein Angebot der GEMA vor, wonach im Vereinsheim für 120 Euro alle Spiele übertragen werden könnten. Bisher hat er nicht zugeschlagen: „Die WM fasziniert die Leute nicht so sehr. Vorerst bleibt unser Fernseher aus.“ Ausschließen will der TSV-Chef aber nicht, dass „bei einem positiven WM-Verlauf doch etwas passiert“.

Viel hängt vom deutschen Abschneiden ab

Ähnlich will Christoph Soetebeer vorgehen. Er hatte ein kleines Public Viewing im Vierdörferhaus im Bleckeder Ortsteil Garlstorf organisiert, als die deutschen Fußballerinnen im Sommer das EM-Finale gegen England erreicht hatten. „Wenn sich etwas ergeben sollte, veranstalten wir vielleicht wieder ein Event“, sagt Soetebeer.

Er glaubt, dass die Menschen in den schweren Zeiten mit Ukra­ine-Krieg und wirtschaftlichen Sorgen gerade kurz vor Weihnachten für etwas Ablenkung sehr dankbar wären. Ob die WM aber dafür sorgen kann? Er bleibt skeptisch: „Eine Euphorie gibt es bisher nicht.“

Von Andreas Safft

Lüneburgs Gastro eher defensiv

Eher defensiv agieren die Lüneburger Gastronomie-Betriebe hinsichtlich Übertragungen von der Fußball-WM. Das zeigt eine stichprobenartige Befragung der LZ. Offensives Bewerben von Übertragungen, wie bei früheren Großereignissen, findet nicht statt.

Zu sehen sein werden Spiele im Hemingways (Bardowicker Straße). „Bei uns ist immer Fußball-Stimmung. Das gehört dazu. Wir zeigen ja auch Bundesliga und andere Wettbewerbe“, sagt Inhaber Nihat Aliyev. Wie viele Partien dort gezeigt werden, richtet sich nach den Belegungen, Weihnachtsfeiern etc.. Auch das Schallander am Stint will die WM zeigen, nur vereinzelt im ersten Stock gibt es Fußball im Capitol (Bardowicker Straße).

Aus Prinzip keine WM-Spiele zeigt das Mälzer (Heiligengeiststraße). Inhaber Holger Klemz: „Den Mist, den die FIFA da gebaut hat, unterstützen wir nicht. Wir arbeiten an einem Alternativprogramm. Zum Beispiel große historische Spiele zeigen oder einen Film wie ‚Das Wunder von Bern‘.“ WM-freie Zone bleiben auch das Café Central und das „To Huus“ (Schröderstraße). Aus dem Irish Pub Tír na nÓg (Apothekenstraße) heißt es: „Vielleicht boykottieren wir das komplett.“ so

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