Samstag , 3. Dezember 2022
Anzeige
Das hydraulische Schütz muss ausgetauscht und das Betonwerk erneuert werden: Das Gros der Sanierungsarbeiten an der Talsperre soll in zwei Wochen abgeschlossen sein. Kostenpunkt: rund 600.000 Euro. (Foto: phs)
Das hydraulische Schütz muss ausgetauscht und das Betonwerk erneuert werden: Das Gros der Sanierungsarbeiten an der Talsperre soll in zwei Wochen abgeschlossen sein. Kostenpunkt: rund 600.000 Euro. (Foto: phs)

Tote Fische in der Lopau: Wie kam es zu dem Unglück in Amelinghausen?

Es waren die sichtbaren Spuren eines tragischen Unglücks, das sich im Wasser zugetragen haben muss: Knapp zwei Tonnen toter Fisch wurden nach Beginn der Sanierungsarbeiten an der Amelinghausener Talsperre in die Lopau gespült. Nun erhärtet sich ein Verdacht zur Ursache des Vorfalls.

Amelinghausen. Das Rätsel um das Fischsterben in Amelinghausen scheint gelöst zu sein. Wie berichtet, waren im Spätsommer zahlreiche Fische nach Beginn der Sanierungsarbeiten an der Talsperre des Lopausees gestorben. Knapp zwei Tonnen toter Tiere hatten Mitarbeiter der Samtgemeinde Amelinghausen zusammen mit ehrenamtlichen Helfern in einer großangelegten Aktion aus dem Lopausee und dem unteren Verlauf der Lopau gefischt. Es waren die sichtbaren Spuren eines tragischen Unglücks, das sich im Wasser zugetragen haben muss.

Extremer Sog zog Wasser und Fische durch enges Schott

Auf der Suche nach der Ursache haben Mitarbeiter der Amelinghausener Bauverwaltung zusammen mit einem Celler Ingenieurbüro inzwischen einen Versuch gestartet: Mit zwei Eisenstangen – einer stumpfen und einer spitzen – suchten sie unter der Wasseroberfläche am Sperrwerk nach der betonierten Sohle. Die spitze Stange versank laut Christian Kröhnoff vom Bauamt rund zehn Zentimeter tiefer im Wasser, durchdrang dabei einen Widerstand. Damit erhärtet sich ein Verdacht der Verwaltung: Die sogenannten Dammbalken, die in der Talsperre gesetzt wurden, um während der Sanierungsarbeiten den Pegelstand des Sees zu halten, werden nicht auf festem Grund, sondern auf Schlamm gefußt haben, der schließlich durch den Druck des Wassers weggesprengt wurde.

Eine extreme Sogwirkung soll der Theorie nach die Fische mit dem Wasser durch das enge Schott gezogen haben. Eine Vermutung, die Amelinghausens Rathauschef Christoph Palesch bereits kurz nach dem Unglück geäußert hatte – auch, weil sowohl tote als auch lebende Fische mit Verletzungen in der unteren Lopau gefunden wurden. Zudem sollen Helfer im Uferbereich der Lopau Schlammablagerungen gesichtet haben. Die Verwaltung sieht ihre erste Annahme damit bestätigt. Folglich wurden die Balken mittlerweile gelöst und mit mehr Druck am Grund des Sees verkeilt. Damit sei sichergestellt, dass sich der Vorfall nicht wiederholt, versichert Kröhnoff.

Wie geht es nach der Sanierung der Talsperre weiter?

Unterdessen wird die Sanierung der Talsperre fortgesetzt, das Wasser derweil mit Pumpen seitlich um das marode Bauwerk herumgeführt. Unter anderem muss das hydraulische Schütz ausgetauscht und das Betonwerk erneuert werden. Die mit rund 600.000 Euro bezifferte Maßnahme ist nicht nur aus Sicht des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz dringend notwendig. „Wenn wir nicht sanieren, kann die Talsperre so nicht erhalten bleiben“, stellte Palesch Ende letzten Jahres klar. In zwei Wochen soll das Gros der Arbeiten abgeschlossen sein, das Wasser im See dann langsam wieder angestaut werden.

Derweil ist ein Biologe dabei, die Folgen des tragischen Vorfalls für Flora und Fauna zu untersuchen, berichtet Kröhnoff. Zu klären sei unter anderem, ob Renaturierungsmaßnahmen, wie ein Fischnachbesatz, nötig sind. Mit Ergebnissen ist voraussichtlich im Frühjahr zu rechnen.

Von Anna Petersen

Kommentare

Sie wollen die Kommentare unter diesem Beitrag lesen und kommentieren?
Dann werden Sie LZ+-Abonnent. Informationen zum Digital-Abo der LZ finden Sie hier.