Samstag , 3. Dezember 2022
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Flächendeckend ist der Biber an der Elbe wieder heimisch. Vor allem an Nebengewässern ist dies mit Problemen verbunden. (Foto: Karl)
Flächendeckend ist der Biber an der Elbe wieder heimisch. Vor allem an Nebengewässern ist dies mit Problemen verbunden. (Foto: Karl)

Landkreise wollen gemeinsames Bibermanagement an der Elbe

Der Nager ist im Biosphärenreservat fest etabliert. Aber seine Dammbauten können besonders an Nebenflüssen erhebliche Folgen für Wasserwirtschaft, Landwirtschaft, Hochwasserschutz haben. Deshalb wird nun an einem Bibermanagement gearbeitet.

Lüchow/Lüneburg. Mehr als 100 Jahre lang galt der Biber an der Elbe als ausgestorben. Erst seit den 1990er-Jahren haben sich die Tiere in der Elbtalaue langsam wieder angesiedelt. Inzwischen ist der fleißige Nager im Biosphärenreservat fest etabliert und insbesondere an der Elbe flächendeckend vertreten. An den Nebengewässern jenseits der Deiche kann dies jedoch auch Probleme mit sich bringen. Deshalb hatten die Landkreise Lüneburg und Lüchow-Dannenberg jetzt gemeinsam mit der Biosphärenreservatsverwaltung zu einem „Runden Tisch Bibermanagement“ eingeladen.

Während der Biber als „Landschaftsgestalter“ im Elbvorland in der Regel keine Probleme verursacht, können insbesondere seine Dammbauten an Nebenflüssen erhebliche Folgen für Wasserwirtschaft, Landwirtschaft, Hochwasserschutz und mitunter auch den Siedlungsraum haben. So ist es stellenweise bereits zu Überflutungen landwirtschaftlich genutzter Flächen und zum Anstieg des Grundwassers in besiedelten Bereichen gekommen – unter anderem im Raum Bleckede (LZ berichtete).

Der Biber ist eine streng geschützte Art

„Der Biber ist jedoch eine europarechtlich streng geschützte Art“, erklärt Dorothee Rößler von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Lüchow-Dannenberg. „Für Eingriffe in seine Bauten und Lebensräume bestehen hohe rechtliche Hürden.“ Zeitlich aufwendige Genehmigungsverfahren sowie eine oftmals erschwerte Bewirtschaftung der betroffenen Gewässer führten bei vielen Beteiligten jedoch zu Sorgen, Aufwand und Unverständnis, so Rößler.

„Ziel des Runden Tisches ist es, in einem gemeinsamen Prozess ein Bibermanagement auf den Weg zu bringen, das es ermöglicht, entstehende Konflikte möglichst zeitnah und effektiv sowie im Einklang mit Natur- und Artenschutzbestimmungen zu lösen“, sagt Lüchow-Dannenbergs Landrätin Dagmar Schulz. Auch Erfahrungen anderer Bundesländer sollen einfließen. „In Brandenburg gilt der Biber schon als ‚Freund der Landwirtschaft‘, da seine Bauten im Dürremanagement zu wertvoller Wasserrückhaltung führen.“

Um dieses Ziel zu erreichen, ist es für Lüneburgs Landrat Jens Böther unerlässlich, alle Beteiligten einzubeziehen. „Nur so sind die bestehenden Zielkonflikte zu lösen.“

Landesweites Konzept für das Bibermanagement

Deshalb sitzen neben Schulz und Böther auch Vertreter von Unterhaltungsverbänden, des Bauernverbandes Nordostniedersachsen, Naturschutzverbänden, Naturschutz- und Wasserbehörden, Forstämtern und Umweltministerium am runden Tisch. Damit größere Probleme mit Biberbauten gar nicht erst entstehen, plädieren insbesondere Akteure aus Landwirtschaft, Unterhaltungsverbänden und Kommunen dafür, vorsorglich tätig zu werden.

Die nächsten Schritte: Das Umweltministerium kündigte ein landesweites Konzept für das Bibermanagement an. Die Kreise Lüchow-Dannenberg und Lüneburg wollen mithilfe eines Fachbüros Anfang 2023 einen praxisbezogenen Bibermanagementplan auflegen. Wie mit sogenannten Problembibern umgegangen werden soll, wollen die direkt betroffenen Institutionen während der Wintermonate abstimmen. lz

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