Montag , 5. Dezember 2022
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Ein Mann sitzt mit runtergelassener Hose auf dem Klo.
Entspannt in der Innenstadt aufs Klo? Die "Nette Toilette" macht es vielleicht bald möglich. (Foto: AdobeStock)

Aufs Klo im Restaurant? Das sagen Lüneburger zur “Netten Toilette”

Nichts bestellen und auf die Toilette gehen? Das Konzept "Nette Toilette" könnte es möglich machen. Gastronomen öffnen dabei ihr Klo für Nicht-Gäste und bekommen Geld von der Stadt. Die Reaktionen auf die Idee sind gespalten.

Lüneburg. Weil es in Lüneburg so wenige öffentliche Toiletten gibt, will die SPD im Sozialausschuss das Konzept der "Netten Toilette" auf die Tagesordnung bringen. Das Konzept ist simpel: Gastronomen stellen ihre Toilette auch den nicht-zahlenden Kunden zur Verfügung und bekommen dafür von der Stadt einen gewissen Obolus.

Damit für Besucher und Touristen ersichtlich ist, wer sich an der Aktion beteiligt, könnte eine Art Aufkleber oder Plakette an die Tür der Gastronomen angebracht werden. "Das wäre dann auch eine Form der Werbung", findet Antje Henze, die den Antrag für die SPD-Stadtratsfraktion verfasst hat.

In Aalen machte die Nette Toilette die öffentlichen Varianten überflüssig 

In anderen Städten gibt es die "Nette Toilette" bereits, etwa in Osterode im Harz. "Und wir haben ja kein Geld und vor allem auch keinen Platz in der Innenstadt für weitere öffentliche Toiletten", sagt Antje Henze. Auch Anwohner oder Geschäfte könnten bei der Netten Toilette mitmachen, sagt sie, bezweifelt jedoch, dass sich viele Anwohner dafür finden lassen.

Auf der Homepage der Netten Toilette wird am Beispiel der Stadt Aalen die dortige Situation nach Einführung des Konzepts geschildert: Rund 60 bis 100 Euro im Monat Zuschuss gebe es je nach Lage und WC-Ausstattung für Reinigung und Instandhaltung.

Die Unterhaltskosten einer öffentlichen Toilette würden den Zuschüssen für 30 gastronomiebetriebene Toiletten entsprechen. Nach einer Anlaufzeit hätten alle städtischen Toiletten geschlossen werden können.

Servicekraft: "Wir sind diejenigen, die das weg machen müssen"

Wie hoch der Zuschuss in Lüneburg sein würde, ist noch nicht klar. "Das muss verhandelt werden. Es geht dabei neben den Kosten für Wasser, Seife und Toilettenpapier auch um die Reinigung", sagt Henze.

Genau diesen Punkt halten auch einige Gastronomen für essenziell. „Manche Leute hinterlassen die Toilette nicht gerade sauber. Und wir sind diejenigen, die das weg machen müssen“, sagt eine Servicekraft aus der Oberen Schrangenstraße.

Dann zu wenige Toiletten für die eigenen Gäste übrig?

Alessandra De Flaviis aus der gleichnamigen Trattoria am Stint hat ebenfalls Bedenken bei dem Konzept. „Wir haben ja Auflagen die uns sagen, dass wir eine gewisse Anzahl von Toilettenplätzen in Relation zu den Sitzplätzen haben müssen. Wenn jetzt jeder von draußen zu uns kommt, würde das ja die Toilettenplätze für die eigenen Gäste reduzieren. Wer will das im Blick behalten? Zudem ist die Reinigung auf die Anzahl der Gäste ausgelegt.“

Die Gastronomin kann sich eher keinen „Freifahrtschein“ an der Tür vorstellen. „Wir haben aber immer mal Leute, die nett fragen, ob sie auf die Toilette gehen können, und das ist dann auch in Ordnung.“

Gastronom: Nette Toilette wäre eine win-win-Situation

Anders sieht Oliver Osterwald aus dem Café Central in der Schröderstraße die Sache. „Das ist halt eine Notdurft, jeder muss mal. Und bei uns sind eh alle dazu angehalten, auch Leute von draußen auf die Toilette zu lassen.“

Er halte das Konzept für eine gute Idee. Denn zu der jetzt schon gängigen Praxis etwas Ausgleichsgeld von der Stadt zu bekommen, „ist doch eine win-win-Situation.“ Aus der "eNTe" am Stint kommt ebenfalls Zustimmung: Die Nette Toilette sei eine geniale Idee, wenn denn genügend Gastronomen und Kneipen mitmachen würden.

Passantin: "Ich würde das nutzen"

Auch die befragten Passanten halten die "Nette Toilette" für eine gute Idee. "Ich würde das nutzen", sagt Sabine Rabeler aus Lüneburg. "Vor allem jetzt bei den Weihnachtsmärkten." Da stimmt auch Amelie aus Lüneburg zu. "Vor allem abends beim Weggehen fehlen Toiletten."

Auch Barbara Matzke aus der Region Hannover sagt: "Auf jeden Fall würde ich das nutzen. Vor allem sind öffentlichen Toiletten ja oft etwas ekelig, da vertraue ich den Wirten eher." Man suche sich in den Innenstädten eh immer einen Wolf.

"Und so ist man auch nicht gezwungen, irgendwo einen Kaffee zu trinken, um mal auf die Toilette zu können." Sie hat auch direkt einen Slogan für das Konzept parat: "Kommen Sie rein, hier können Sie drauf."

Von Laura Treffenfeld

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