Montag , 5. Dezember 2022
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Das Salzmuseum in Lüneburg.
Das Salzmuseum wird in Etappen ausgebaut. (Foto: t&w)

Hosenfeld-Szpilman-Preis und Salzmuseum: Darüber hat der Kulturausschuss debattiert

Es ging streckenweise zäh zu im Kulturausschuss des Lüneburger Rates. Die Stadt soll sich nun doch grundsätzlich an der Finanzierung des Hosenfeld-Szpilman-Preises für Arbeiten über ethisches Widerstandshandeln beteiligen. Das fordert der Kultur- und Partnerschaftsausschuss des Rates. Und so geht es mit dem Salzmuseum weiter:

Lüneburg. Manchmal ist es nur ein halber Satz, manchmal auch nur ein Wort. Sie können langwierige Debatten auslösen. Beim halben Satz ging es um den Hosenfeld-Szpilman-Preis, beim Wort um das Salzmuseum. Es ging streckenweise zäh zu im Kulturausschuss des Lüneburger Rates. Aber in der von Andrea Kabasci (Grüne) mit Ruhe geleiteten Sitzung im Glockenhaus fanden die Parteien denn doch weitgehend zusammen.

Der Hosenfeld-Szpilman-Preis wurde zwischen 2005 und 2017 von der Leuphana für Arbeiten vergeben, die sich mit ethischem Widerstandshandeln im Nationalsozialismus befassen. Benannt ist die Auszeichnung nach dem Wehrmachtsoffizier Wilm Hosenfeld und dem polnisch-jüdischen Pianisten Wladyslaw Szpilman. Hosenfeld rettete im Warschauer Ghetto den halb verhungerten Szpilman und versteckte ihn bis Kriegsende.

Überragende Bedeutung für die Erinnerungskultur

Nun soll der alle zwei Jahre zu vergebende Preis wiederbelebt werde. Streit aber gab es darum, ob die Stadt – wie zunächst geplant – 2000 zum 5000 Euro betragenden Preisgeld beiträgt oder nicht. Die schon erfolgte Zusage über 2000 Euro wurde zwischenzeitlich zurückgenommen. Grundsätzlich gesichert ist der Preis durch das Engagement des Rotary-Clubs.

Um ein Zeichen zu setzen, dass die Stadt hinter dem Preis steht, legte die Verwaltung im Glockenhaus eine Beschlussvorlage vor. Derzufolge soll die Stadt immer dann bis zu 2000 Euro beitragen, wenn „dieser Beitrag durch das Kuratorium nicht anderweitig eingeworben kann.“ Diese Einschränkung stieß bei Hiltrud Lotze (SPD) bitter auf. Der Preis habe für die Erinnerungskultur eine überragende Bedeutung. „Wir sollten als Hansestadt das Kreuz haben, die 2000 Euro fest zuzusagen.“

Lotze fache die Debatte nur an, um sich nach vorn zu spielen, fand Sebastian Balmaceda (Grüne). Gegen die Vorlage der Verwaltung spreche nichts, meinte Christel John (CDU). Lotzes Antrag auf Streichung des einschränkenden Satzes fand zunächst keine Mehrheit.

Neuaufstellung der Ausstellung

Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch (Grüne) empfand die kontroverse Diskussion als „unsäglich“. Nach einem Plädoyer von Heike Düselder als Vorsitzender der Universitätsgesellschaft für ein eindeutiges Votum schwenkte der Ausschuss um: Der umstrittene halbe Satz wurde doch gestrichen – bei vier Einhaltungen. Stimmt der Rat zu, wird die Stadt den Hosenfeld-Szpilman-Preis künftig grundsätzlich fördern.

Beim Salzmuseum geht es um einen zweiten Bauabschnitt nach der bevorstehenden Sanierung, Neuaufstellung der Ausstellung und Neugestaltung des Eingangs. Dafür stehen 5,2 Millionen Euro bereit, knapp 4,5 Millionen Euro sind vom Bund bewilligte Zuschüsse. Das Geld reicht aber nicht aus, um das Salzmuseum städtebaulich und barrierefrei auszugestalten. Dafür soll es ab 2026 einen zweiten Bauabschnitt geben. „Soll“ oder, wie Hiltrud Lotze forderte, „wird“. Hier setzte sich die SPD-Politikerin nicht durch.

Beschlossen wurde nach Vorlage. Dafür sprachen sich unter anderem Kabasci und Balmaceda für die Grünen aus, ebenso Alexander Schwake (CDU) und Kalisch. Somit soll ab 2026 ein zweiter Bauabschnitt „angestrebt werden“, in Höhe von mindestens drei Millionen Euro. Das geschehe nicht ohne Vorbehalte, wie Maja Lucht vom Fachbereich Gebäudewirtschaft darlegte: Städtebaulich könnte zum Beispiel eine Verlegung des Fuß-/Radwegs schwieriger werde, falls sich Eigentumsverhältnisse benötigter Flächen ändern. Vor allem aber muss die Finanzierung möglich sein, was unter anderem von einzuwerbenden Fördermitteln abhängen wird.

Von Hans-Martin Koch

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