Dienstag , 6. Dezember 2022
Anzeige
Ein Grünkohlfeld in Bardowick.
Ein Grünkohlfeld in Bardowick. (Foto: Michael Behns)

Warum der Grünkohl eigentlich gar keinen Frost mehr braucht

Es ist ein weit verbreiteter alter Leitsatz: Der Grünkohl kann erst geerntet werden, wenn das Thermometer Minusgrade anzeigt. Kühle Temperaturen sind tatsächlich förderlich für den Geschmack. So richtig frieren muss er aber nicht mehr.

Lüneburg. Ein trockener Sommer, ein milder Frühherbst – und jetzt auf einmal Frost. Der Mythos, dass Grünkohl erst bei Minusgraden geernet werden könne, hält sich hartnäckig. Malte Wilkens (34) steht allerdings schon seit Wochen mit dem Blattgemüse des Familienbetriebes auf den Lüneburger Märkten. Er räumt mit der Legende auf: "Mittlerweile gibt es etliche neue Sorten, die den Frost gar nicht mehr unbedingt brauchen." Dennoch begünstige ausreichende Kälte natürlich den Geschmack des Kohls, sagt er. Bei niedrigen Temperaturen wird nämlich die Stärke in den Blättern zu Zucker umgewandelt – die Bitterstoffe weichen und der Grünkohl schmeckt besser.

Nachfrage auch in diesem Jahr hoch

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen bescheinigt dem Grünkohl auch in diesem Jahr gute Qualität und ordentliche Ernteerträge. Dabei habe es zunächst keine guten Startbedingungen für die Saison gegeben: "Die Pflanzen mussten zusätzlich bewässert werden." Die "Oldenburger Palme", wie der Grünkohl oft humorvoll genannt wird, habe aber weniger hohe Ansprüche an den Boden als andere Kohlsorten, so die LWK.

Malte Wilkens verkauft Grünkohl
Malte Wilkens verkauft den Grünkohl des Familienbetriebs auf dem Markt am Kreideberg. (Foto: be

Dem stimmt auch Malte Wilkens zu: "Der Grünkohl ist gut gewachsen und auch die Nachfrage ist jetzt zur Saison sehr gut", bilanziert der Landwirt. Das fange die finanziellen Schwierigkeiten auf, die durch gestiegene Düngerpreise und höhere Mindestlöhne verursacht worden seien. Trotzdem müsse er der Preis für die Kunden in diesem Jahr etwas höher ansetzen, räumt er ein. Rund siebzig Prozent des Absatzes für Grühlkohl erwartet die LWK für Dezember.

Grünkohl ist eine echte Vitaminbombe

Jetzt zur Saison schmeckt der würzige Kohl nicht nur vielen Menschen, er ist darüber hinaus auch äußerst gesund. "In den Blättern stecken jede Menge Vitamine", weiß Malte Wilkens. Das Besondere: "Im Gegensatz zu anderem Gemüse kann der Grünkohl die Nährstoffe speichern. Selbst bei längerer Lagerung gehen sie nicht verloren", sagt der Landwirt. Laut LWK gehört das Gewächs auch zu den eiweißreichsten Gemüsearten, liefert zudem viele wichtige Mineralstoffe. Zwei bis drei Tage lang lasse sich Grünkohl problemlos im Gemüsefach lagern, so die LWK. Für längere Zeiträume empfiehlt sie Verbrauchern aber, zusätzliche Portionen einzufrieren.

Es gibt viele verschiedene Arten, Grünkohl zuzubereiten. Für Malte Wilkens ist das beste Rezept immer noch ein echter Klassiker: Er mag seinen Grünkohl mit Bregenwurst, gebratenen Pellkartoffeln und etwas Kassler. "Diese Variante habe ich von meiner Oma übernommen", erzählt er. Wichtig ist ihm dabei noch ein Extra: "Eine kleine Pfanne mit süßem Zuckersirup. Der kommt dann über die Kartoffeln", schwärmt Wilkens, der für sein Rezept den Grünkohl vom eigenen Acker verwendet.

Früher wurde mehr vom Schwein verwendet

So wie es verschiedene Grünkohlsorten gibt, gibt es auch allerlei Arten, ihn zuzubereiten. Neben der klassischen Variante mit Fleisch bieten in Lüneburg auch einige Gastronomen gebratenen Räuchertofu an. Auch als Salat gibt es das Grün aktuell etwa an der Tschorn-Salatbar in der Sandpassage. Ebenso kann man aus dem Gemüse schmackhafte Suppen oder Eintöpfe machen. Selbst eine Grünkohl-Lasagne ist nicht nur eine gesunde Alternative zum italienischen Nudelgericht, sondern auch saisonal und damit nachhaltig.

Ein älteres Rezept hingegen setze auf eine restlose Verwendung vom Schwein, erzählt Sabine Block, Vorsitzende des Kreisverbands der Landfrauen. Damals wurden zusätzlich zum Bauchspeck beispielsweise auch die Füße der Tiere mit in den Kohl eingekocht. "Man wollte nichts von dem Fleisch wegschmeißen. Das macht aktuell ja auch wieder Schule", sagt Block.

Ganz egal, in welcher Variante er zubereitet wird: Der Grünkohl selbst kommt nicht aus der Mode und wird auch in Zukunft schmecken – selbst, wenn es immer weniger Frost geben sollte.

Von Moritz Constantin

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von pageflow.io zu laden. Mit dem Klick auf "Inhalte anzeigen" stimmen Sie zu, dass wir diese Inhalte von pageflow.io anzeigen dürfen! Es gelten die Dateschutzbestimmungen von pageflow.io.

Inhalte anzeigen

PHA+PGlmcmFtZSBsb2FkaW5nPSJsYXp5IiBzcmM9Imh0dHBzOi8vY3JlYXRvci5ob3N0ZWQtcGFnZWZsb3cuY29tL3RlYXNlcnMvZ3J1bmtvaGwtZWluZS1ub3JkZGV1dHNjaGUtbGllYmUiIHdpZHRoPSI0MjAiIGhlaWdodD0iMzE1IiBmcmFtZWJvcmRlcj0iMCIgYWxsb3dmdWxsc2NyZWVuPSJhbGxvd2Z1bGxzY3JlZW4iPjwvaWZyYW1lPjwvcD4=

 

Kommentare

Sie wollen die Kommentare unter diesem Beitrag lesen und kommentieren?
Dann werden Sie LZ+-Abonnent. Informationen zum Digital-Abo der LZ finden Sie hier.