Sonntag , 4. Dezember 2022
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Auch für die Senioren- und Pflegeeinrichtung Lüner Hof wurden Maßnahmen vorgeschlagen. Temporär konnte im Sommer auch Sprühnebel zum Einsatz kommen, um die Wärmebelastung der Bewohner zu reduzieren. (Foto: phs)
Auch für die Senioren- und Pflegeeinrichtung Lüner Hof wurden Maßnahmen vorgeschlagen. Temporär konnte im Sommer auch Sprühnebel zum Einsatz kommen, um die Wärmebelastung der Bewohner zu reduzieren. (Foto: phs)

Lüneburg: Das können Krankenhäuser, Kitas und Co. im Sommer gegen die Hitze tun

Die immer häufigeren und längeren Hitzeperioden sind vor allem für vulnerable Gruppen gefährlich. Eine neue Klimaanalyse in der Stadt Lüneburg hat untersucht, wo die Last hoch ist und was in Kitas, Heimen und im Klinikum verbessert werden kann.

Lüneburg. Ein Sommertag in Lüneburg, 14 Uhr. Auf dem Marktplatz ist es kaum auszuhalten. 42 Grad zeigt das Thermometer an. Doch entlang der kleinen Baumreihe ist es viel erträglicher: 30 Grad. Die neue Klimaanalyse für Lüneburg beweist nicht nur, welche Bedeutung Bäume für das Mikroklima in der Stadt haben. Aus den Daten lassen sich auch Defizite und das Potenzial für Gegenmaßnahmen ableiten.

Exakte Daten im 5-Meter-Raster

Jana Caase von Geo-Net Umweltconsulting stellte die Analyse im Ausschuss für Bauen und Stadtentwicklung vor. Es ist eine Nachfolgestudie der Klimaanalyse von 2019, die zeigte, wo Kaltluftschneisen sind, wo Überhitzung in Lüneburg droht. Die neue Studie sollte den Fokus auf vulnerable Einrichtungen legen, also auf Krankenhäuser, Senioren- und Pflegeeinrichtungen, Kindergärten und Schulen. Städte, betont Caase, stünden wegen des Klimawandels vor großen Herausforderungen. "In der Stadt gibt es eine erhöhte Versiegelung, weniger Verdunstung, mehr Gebäude und damit zusätzliche Wärmespeicher. Es ist wärmer, trockener und windärmer." Doch wie kann man besagte Einrichtungen künftig besser schützen?

Zur Beantwortung dieser Frage musste eine Analyse der "bioklimatischen Situation im Nahbereich" erstellt werden. Dazu wurde das Raster verfeinert: Statt 25 Meter wurde eine Auflösung von nur 5 Metern gewählt. So konnten die Temperaturen für einzelne Gebäude und deren Umgebung dargestellt werden. Als meteorologischer Rahmen wurde von einer "sommerlichen Hochdrucklage mit geringem Luftaustausch ausgegangen. Für die Nachbelastung wurde als Zeitpunkt der Datenerfassung 4 Uhr gewählt, der Moment des maximalen Temperaturunterschiedes zwischen Stadt und Umland. Für den Tag wurde 14 Uhr gewählt als Zeitpunkt der maximalen Wärmebelastung. Das gesamte Untersuchungsgebiet umfasste eine Fläche von 17 x 14 Kilometern, deckte also auch die Randbereiche der Stadt mit ab.

Caase und ihr Team erstellten mehrere exemplarische Steckbriefe für vulnerable Einrichtungen, darunter die Kita Stadtmitte, das Klinikum und die Senioren- und Pflegeeinrichtung Lüner Hof. In den Steckbriefen sind konkrete Maßnahmen aufgelistet, die zur Verbesserung der klimatischen Situation beitragen.

Kita Stadtmitte

Analyse: Die Wärmebelastung in der Kita auf Freiflächen und im südwestlich ausgerichteten Innenraum ist hoch. Es gibt wenig Rückzugsorte.

Maßnahmenvorschläge: In den Innenräumen kann die Wärmebelastung durch Gebäudeisolierung, Rollläden an den Fenstern sowie Fassaden- und Dachbegrünung gesenkt werden. Markisen sollten zur Verschattung der Fassade ebenso genutzt werden wie hohe Laubbäume. Klimaökologisch günstig sei es auch, weitere Außenanlagen heterogen zu gestalten.

Lüner Hof

Analyse: Im Innenhof und der Umgebung der Einrichtung gibt es eine gerade nachts starke Überwärmung. Tagsüber scheint in einigen Teilen ungehindert die Sonne auf das denkmalgeschützte Gebäude. Die Zimmer der Bewohner sind größtenteils nach Süden ausgerichtet.

Maßnahmenvorschläge: Die Bewohner sollten sich an heißen Tagen in kühlere Räume im nördlichen oder nordwestlichen Teil des Gebäudes zurückziehen können. Um die Wärmebelastung im Innenraum zu verringern, sollten isolierende, innenliegende Rollläden auf der sonnenbeschienenen Seite montiert werden. Im Gebäudeschatten sollte es Sitzplätze geben. Die Fassadenbegrünung sollte erweitert werden. Temporär könnte auch Sprühnebel eingesetzt werden, um die Wärmebelastung für die Bewohner erträglicher zu machen.

Klinikum

Analyse: Im nördlichen Teil des Städtischen Klinikums gibt es teilweise eine starke nächtliche Überwärmung, dafür im Süden kühlere Rasenflächen. Tagsüber sorgen Freiflächen für eine hohe Wärmebelastung.

Maßnahmenvorschläge: Die sonnenexponierten Fassaden sollten verschattet werden mit Markisen, Rollläden, zielgerichteter Anpflanzung von Vegetation und Fassadenbegrünung. Intensive und extensive Dachbegrünung könnte für zusätzliche Isolation sorgen. Im Außenbereich sollte es noch mehr Rückzugsorte geben: Verschattete Bereiche sowie heterogen angelegte Grünflächen. Um nächtliche Überwärmung zu vermindern, sollten Flächen teilentsiegelt werden.

Instumentenkoffer für Verbesserungen

Diese Vorschläge lassen sich auf weitere Einrichtungen übertragen. Generell gilt, dass hoch versiegelte und dicht bebaute Flächen in der Nacht für eine hohe Überwärmung sorgen. Tagsüber ist die Wärmebelastung über unbeschatteten Freiflächen stark ausgeprägt. Mehr Bäume und weniger Versiegelung gelten damit als wichtigste Maßnahmen für ein besseres Mikroklima. Nach der Vorstellung der Studie bekräftigte Stadtbaurätin Heike Gundermann im Umweltausschuss: "Uns steht nun ein Instrumentenkoffer bereit, den wir und andere nutzen können, wenn es darum geht, Verbesserungen zu planen."

Von Werner Kolbe

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