Samstag , 3. Dezember 2022
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Ein mann hält ein Registrierungs-Kit der DKMS in der Hand.
Wer sich für die DKMS registrieren will, hat häufig viele Fragen. Bei einer Aktion am Gymnasium Oedeme wurden diese nun beantwortet. (Foto: Valéry Kloubert für DKMS)

Was man über Stammzellenspende und Registrierung bei der DKMS wissen muss

Wer damit liebäugelt, sich für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren zu lassen, hat oft noch viele Fragen. Die DKMS liefert Antworten, auch am Gymnasium Oedeme fand nun eine Aktion statt, auf der Schüler aufgeklärt wurden. Die wichtigsten Fragen und Antworten sind hier zusammengefasst, erläutert von Henri Leinfelder, Referent der DKMS.

Wer kommt als Spender in Frage?

Grundsätzlich kann sich jeder gesunde Mensch im Alter zwischen 17 und 55 Jahren als potenzieller Stammzellspender registrieren. "Man darf zwar erst mit 18 spenden aber kann sich schon vorher registrieren", erklärt Cosma Rost, Schülerin des Gymnasiums Oedeme, die die Registrierungsaktion an der Schule organisiert hat. Mit dem 18. Geburtstag wird die Person dann in der Spenderdatei freigeschaltet.

Wie kann ich mich registrieren lassen?

Über das Online-Formular kann das Registrierungsset nach Hause bestellt werden. Mit den beigefügten Wattestäbchen nimmt man jeweils einen Abstrich der Wangenschleimhaut und schickt die Stäbchen samt unterschriebener Einwilligungserklärung an das Labor zurück. Danach werden die relevanten Gewebemerkmale im Labor ausgewertet und das Ergebnis in der weltweiten Kartei freigeschaltet zur Verfügung gestellt.

Was ist Blutkrebs?

"Bei Blutkrebs werden massenhaft Blutkörperchen produziert, die mutiert sind", erklärt Leinfelder. Diese entarteten, bösartigen Zellen verdrängen die roten Blutkörperchen, die weißen Blutkörperchen und die Blutplättchen, sodass das Blut seine lebensnotwendigen Aufgaben nicht mehr übernehmen kann.

Was sind Stammzellen?

"Stammzellen sind die Mutterzellen aller Blutkörperchen", sagt Leinfelder. "Sie haben das Potenzial, sich in alle drei Blutkörperchen weiterzuentwickeln." In der Regel findet man Stammzellen im Knochenmark, in hoher Konzentration vor allem im Beckenkamm und in geringer Konzentration auch im Blut.

Was passiert, wenn ich als Spender in Frage komme?

"Ich wurde über alle möglichen Kanäle informiert", erzählt Leinfelder: Mail, Anruf, SMS und Brief. "Das hat den Hintergrund, dass viele Menschen schon jahrelang in der Kartei sind. Da kann es natürlich sein, dass sich die Telefonnummer oder Adresse in der Zwischenzeit geändert haben." Keine Sorge müsse man haben, dass im Falle eines Treffers alles Schlag auf Schlag ginge. "Niemand wird mitten in der Nacht angerufen und muss schon am nächsten Tag Stammzellen spenden", betont er. Tatsächlich sei ausreichend Zeit für Voruntersuchungen, Aufklärung und Fragen.

Welche Entnahmeverfahren gibt es?

Es gibt zwei Methoden, um Stammzellen zu entnehmen: Die Knochenmark-Entnahme und die periphere Entnahme. Letztere kommt bei etwa 90 Prozent der Spenden zum Einsatz. Dabei werden die Stammzellen aus dem Blut gewonnen, in dem das Blut in einer Zentrifuge durch Schleudern in seine Bestandteile aufgeteilt wird. "Die Stammzellen werden entnommen und der Rest des Blutes wird wieder dem Körper des Spenders hinzugefügt", erklärt Leinfelder.

Dieser Prozess dauert etwa drei bis fünf Stunden, der Arzt legt dazu jeweils einen Zugang in beide Armvenen. Damit die Konzentration der Stammzellen im Blut ausreichend hoch ist, bekommen Spender fünf Tage vorher ein Medikament mit dem Stoff G-CSF. "Das kurbelt die Stammzellenproduktion an, sodass es einen Überschuss gibt. Dieser wird dann im Blut gespeichert."

Die Knochenmarkentnahme kommt bei etwa zehn Prozent der Stammzellspenden zum Einsatz. "Ganz wichtig ist dabei, dass es sich nicht um Rückenmark handelt", betont Leinfelder. Dabei wird dem Spende unter Vollnarkose und bei einem minimal invasivem Eingriff circa ein Liter Knochenmark-Blut-Gemisch aus dem Beckenkamm entnommen.

Welche Nebenwirkungen gibt es bei einer Stammzellenspende?

Das Medikament mit dem Stoff G-CSF kann zu grippeähnlichen Symptomen führen. "Ich hatte Gliederschmerzen und war müder als sonst", erzählt Leinfelder, "aber das war auszuhalten." Selten treten Übelkeit und Erbrechen auf.

Bei der Knochenmarkentnahme kann für einige Tage ein lokaler Wundschmerz auftreten, ähnlich dem bei einer Prellung. Das gesundheitliche Risiko der Knochenmarkentnahme ist laut DKMS gering. Es beschränkt sich im Wesentlichen auf das allgemeine Risiko, das mit jeder Operation unter Vollnarkose einhergeht.

Wer trägt die Kosten, wenn ich Stammzellen spende?

"Sämtliche Kosten, etwa für Anfahrt, Versorgung oder Übernachtung, werden von der DKMS übernommen", betont Leinfelder. "Ein schöner Nebeneffekt an einer Stammzellenspende ist, dass man vorher eine umfangreiche Voruntersuchung bekommt. Für die müsste man normalerweise viel Geld bezahlen."

Kann ich den Empfänger meiner Spende kennenlernen?

"Einen Tag nach der Spende kann man, wenn man möchte, grobe Informationen über den Empfänger erhalten", verdeutlicht Leinfelder. "Bei mir waren das die Angaben, dass die Patientin weiblich, mindestens 30 Jahre alt ist und aus Deutschland kommt." Das sei ungewöhnlich, da dreiviertel der Spenden ins Ausland gehen würden. "Frühestens drei Monate nach der Spende erfährt man, ob die Spende erfolgreich war." Bei ihm habe das fünf Monate gedauert, dann allerdings kam die "emotionalste Mail, die ich in meinem Leben je bekommen habe": Der Patientin gehe es "den Umständen entsprechend gut".

Anschließend gibt es die Möglichkeit, anonym Kontakt aufzunehmen, Leinfelder tat das mit einem Brief, der über mehrere Ecken an die Empfängerin weitergeleitet wurde. "Ein persönlicher Kontakt ist jedoch erst nach zwei Jahren möglich", sagt der Spender und erklärte: "Damit soll vermieden werden, dass der Empfänger eine zweite Spende braucht, der Spender dies aber ablehnt, da er den Empfänger unsympathisch findet oder z.B. seine politischen Ansichten nicht teilt." Wenn nach Ablauf dieser Frist beide Seiten einverstanden sind, kann ein Treffen stattfinden.

Weitere Informationen gibt es unter www.dkms.de

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