Dienstag , 6. Dezember 2022
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Ein ICE der Deutschen Bahn fährt auf Schienen durch Waldgebiet.
Die Lüneburger wünschen sich beim umstrittenen Bahnprojekt „Alpha-E“ eher eine Neubautrasse parallel zur A7, und die Harburger favorisieren den Ausbau der Bestandsstrecke durch Lüneburg. Nun hat Harburg den Dialog mit der Bahn abgebrochen. (Foto: A/t&w)

Bahntrasse sorgt für Ärger: Landkreis Harburg bricht Gespräche ab

Der Streit um die neue Bahntrasse geht immer weiter: Die Lüneburger wünschen sich eine Neubautrasse entlang der A7, die Harburger einen Ausbau der Bestandstrecke durch Lüneburg. Unzufrieden sind beide Landkreise momentan - vor allem mit dem Verhalten der Deutschen Bahn.

Lüneburg/Winsen. Fest steht: Niemand will eine neugeplante, zweigleisige Bahntrasse direkt vor der eigenen Haustür haben. Weder der Landkreis Lüneburg mit seinen Kommunen noch der Landkreis Harburg.

Die Lüneburger wünschen sich beim umstrittenen Bahnprojekt „Alpha-E“ eher eine Neubautrasse parallel zur A7, und die Harburger favorisieren den Ausbau der Bestandsstrecke durch Lüneburg. Was aber beide Seiten derzeit eint, ist der Eindruck, dass sich die Bahn – entgegen aller Beteuerungen – anscheinend auf eine Variante eingeschossen hat.

Das machten die sogenannten Werkstattgespräche zwischen Bahn, Kreisen und Kommunen deutlich. Die Harburger brachen den Dialog sogar vorzeitig ab.

Kritik wegen mangelnder Transparenz

Die Harburger hatten ihr Gespräch mit der Bahn am Montagnachmittag. In einer Pressemitteilung des Kreises wird Harburgs Landrat Rainer Rempe mit den Worten zitiert: „Wir hatten den Eindruck, dass die Bahn nur über Details und nicht über Grundsätzliches reden will.“ Dabei trifft vor allem die Planung entlang der A7 auf Widerstand von Salzhausen bis Winsen/Luhe und Seevetal.

Für Irritation sorgte zudem der Zeitplan von Bahn und Bund. Demnach habe das Bundesverkehrsministerium als Auftraggeber der Planung bis zur Entscheidung des Bundestages über eine Streckenvariante keine Öffentlichkeitsbeteiligung mehr vorgesehen. Stattdessen sei nur noch eine Infoveranstaltung im ersten Quartal 2023 geplant, heißt es. „Das ist völlig unzureichend“, sagte Landrat Rempe.

Gespräch über Bahntrasse nach vier Stunden vorzeitig abgebrochen

Zudem kritisierte Rempe, dass den Kommunen immer noch nicht alle zu bewertenden Unterlagen für die Trassenvarianten vorgelegt worden seien. Rempe: „Ohne diese Informationen können wir aber nicht über Trassenplanungen reden.“

Das Gespräch wurde seitens der Harburger nach vier Stunden vorzeitig abgebrochen, heißt es. Die Kommunen wollen sich nun ans Verkehrsministerium wenden und unter anderem mehr Transparenz und eine echte Öffentlichkeitsbeteiligung einfordern.

Lüneburger Kommunen zufrieden mit Gesprächen

Aus Sicht der Lüneburger Kreiskommunen habe das Werkstattgespräch mit Vertretern der Bahn eine Woche zuvor hingegen eher mehr Gewissheit gebracht. Denn der Dialog habe den Eindruck verstärkt, dass der untersuchte Streckenausbau zwischen Hamburg und Hannover mit Ortsumfahrungen der Stadt Lüneburg nicht umsetzbar sei.

Bei dieser Variante würde eine Neubautrasse bei Radbruch von der Hauptstrecke abzweigen, bei Reppenstedt und Melbeck verlaufen und bei Suderburg im Kreis Uelzen zurück auf die Bestandsstrecke führen.

Bahntrasse mitten durchs Neubaugebiet

Wie berichtet, würde die Ortsumfahrungsvariante auch das neue Reppenstedter Wohnbaugebiet „Schnellenberger Weg“ durchkreuzen. Das hatte Gellersens Samtgemeindebürgermeister Steffen Gärtner in einer gemeinsamen Erklärung mit dem Landkreis Lüneburg kritisiert und gefordert: „Der Bundestag muss diesem unsäglichen und realitätsfremden Planungsprozedere endlich den Stecker ziehen.“

Auch Arndt Conrad, Erster Samtgemeinderat der Samtgemeinde Bardowick, gab zu Protokoll: „Die vorgestellten Planungen der Deutschen Bahn sind erkennbar nicht realisierbar.“ Auch aus Sicht von Lüneburgs Landrat Jens Böther sei erneut deutlich geworden, dass stattdessen ein Neubau entlang der A7 wirtschaftlicher und auch für die Zukunft tragfähiger sei, hieß es. Das aber treibt den Vertretern im Kreis Harburg weiter die Sorgenfalten auf die Stirn.

Politische Unterstützung für Reaktivierung der Bahnstrecke

Politische Unterstützung für die Reaktivierung der alten Bahnstrecke zwischen Lüneburg und Soltau kommt jetzt aus Berlin: In einer gemeinsamen Pressemitteilung sprechen sich die beiden SPD-Bundestagsabgeordneten Jakob Blankenburg (Lüneburg) und Lars Klingbeil (Heidekreis) für die Wiederbelebung der Heidestrecke aus und wollen sich dafür einsetzen.

Beide Abgeordnete sehen günstige Rahmenbedingungen im Koalitionsvertrag der rot-grünen Landesregierung sowie in den vom Bundestag verabschiedeten neuen Bewertungskriterien für die Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken. Klingbeil wirbt dafür, die Chance zu nutzen: „Eine Reaktivierung der stillgelegten Strecke sorgt nicht nur für eine verbesserte Mobilität im ländlichen Raum, sondern ermöglicht auch, dass noch mehr Menschen aus der Stadt in unsere Region kommen.“

Eine Reaktivierung der Heidestrecke sei auch vor dem Hintergrund der Einführung des 49-Euro-Tickets wichtig. Und Blankenburg sagt: „Für mich als Verfechter eines starken Bus und Bahnangebotes ergäben sich für Güter, Tourismus und für Pendler ganz neue, nachhaltige Möglichkeiten.“ lz

Von Dennis Thomas

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