Dienstag , 6. Dezember 2022
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Jana Gläser, Maria Krüger, Loovie Sippel und Jürgen Perschon (v.l.) präsentieren das Kochbuch, das unter anderem in dem Austauschprojekt entstanden ist. (Foto: kha)

Was Schüler der IGS Lüneburg aus Uganda-Austausch mitnehmen

Es geht nach Uganda – für zehn Schülerinnen und Schüler der Integrativen Gesamtschule Lüneburg, im Herbst 2023. Zu verdanken haben sie das dem VIA e.V., der den Austausch mit Ostafrika ermöglicht und aktuell noch Spenden dafür sammelt. Und schon jetzt haben die Jugendlichen aus dem Besuch ihrer ugandischen Austauschpartner in Deutschland einiges gelernt.

Lüneburg. Der Besuch wirkt bei den Schülerinnen und Schülern der Integrierten Gesamtschule (IGS) Lüneburg nach. Vom 1. bis zum 17. Oktober waren zehn Jugendliche und zwei Begleitpersonen aus Uganda bei ihnen. Im nächsten Jahr erfolgt dann der Rückbesuch der Gastgeber in dem ostafrikanischen Land. Aktuell sammeln die Beteiligten in Lüneburg Spenden für das gemeinsame Projekt mit der ugandischen Partnerorganisation "Phoebe Education Fund for Orphans & Vulnerable Children".

Angeschoben hat den Austausch Jürgen Perschon, der an der IGS unter anderem Geografie und Gesellschaftslehre unterrichtet. Der 55-Jährige ist schon "seit vielen Jahrzehnten in der Entwicklungszusammenarbeit tätig." Ein Zuhause fand das Projekt beim Lüneburger "Verein für internationalen & interkulturellen Austausch" (VIA). 50.000 Euro Fördermittel stammen vom "Deutsch-Afrikanischen Jugendwerk", einem Programm von "Engagement Global" im Auftrag des Bundes. Weitere 12.500 Euro müssen zusätzlich an Spenden zusammenkommen.

Reisedokumente wurden fast zum Problem

Während diese finanzielle Seite des Austauschs erfreulich einfach in die Wege zu leiten gewesen sei, hätten die eigentlichen Reisevorbereitungen umgekehrt mehr Hürden bereitgestellt als erwartet. Man habe das Arbeitsaufkommen unterschätzt, sind sich die projektbegleitenden Lehrkräfte, Perschon und Fachkollegin Jana Gläser, einig. Sie erinnert: "Eine Schwierigkeit war, dass viele von den Ugandern keine Reisedokumente hatten. Wir haben sehr lange gebraucht, bis wir für diese Schüler Pässe bekommen haben." Das letzte Visum sei dann einen Tag vor Abflug gekommen.

Die ugandischen Schüler und ihre Lehrer seien erst einmal regelrecht erschlagen gewesen von all den neuen Eindrücken, erinnern sich die beiden Lehrer sowie die Schülerinnen Loovie Sippel (18) und Maria Krüger (17). Gläser findet, es sei ihr Glück gewesen, dass die Delegation am Tag der Straßenmusik in Lüneburg angelangt sei: "Die Musik hat die Ugander auftauen lassen."

Nachhaltigkeit ist Ziel des Austausch

Während des Aufenthalts gab es ein vielfältiges Programm aus Unterricht, Ausflügen, Workshops und mehr. Man begegnete einander auf Augenhöhe. Doch in manchen Situationen empfanden die hiesigen Schüler das als gar nicht so einfach. Etwa, als sie ihren Gästen wetterfeste Schuhe und Kleidung geben mussten, damit diese im kalten Deutschland wenigstens nicht allzu sehr frieren. "Am überraschendsten fand ich, dass sie unsere Toiletten nicht kannten. Dann musste man die also erklären, wollte ihnen aber auch nicht zu nahe treten", verrät etwa Krüger unter zustimmendem Nicken der anderen.

Verankert ist das Projekt des VIA e.V. an der IGS Lüneburg auch im Unterricht, genauer im Oberstufen-Seminarfach bei Gläser. "Der Kurs heißt 'Good Health and Wellbeing', genau wie unser Projekt-Thema. Als Grundlage haben wir das STG3." STG, das steht für Sustainable Development Goal, zu Deutsch: nachhaltiges Entwicklungsziel. Es entstammt einer Liste mit insgesamt 17 Zielvorstellungen, die sich die Vereinten Nationen selbst gesetzt haben.

Was in 17 Tagen alles erwachsen ist

Lehrerin Gläser ist begeistert von dem, was die Schüler in den Gruppenarbeiten während des Besuchs geschaffen haben: "Da ist ein Kochbuch entstanden, ein Making-Off-Film dazu und zwei große Videos." Die Jugendlichen seien dabei richtig perfektionistisch gewesen: "Die haben viele Anläufe genommen, bis so eine Sequenz fertig aufgenommen war. Und das eben in der Zusammenarbeit, wo es teilweise sprachlich auch schwierig war."

Eine der großen Überraschungen des Austauschs war nämlich, dass das Englisch der Ugander ganz anders klang als das, was man aus Schule und Medien gewohnt war. "Als die angekommen sind, haben wir alle Probleme gehabt, sie zu verstehen." Mit der Zeit wurden die deutschen Austauschpartner aber zu regelrechten Experten und konnten zum Beispiel für ihre Familien dolmetschen.

Vorfreude mischt sich mit ersten Erkenntnissen

Ergebnisse des Austauschprojekts, wie etwa das Kochbuch, sollen dann später auf einer Webseite für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Bis es soweit ist, kann sich, wer mehr über das Projekt wissen oder auch, wer es finanziell unterstützen möchte, unter der E-Mailadresse jana.glaeser@igs-lueneburg.de melden.

Die Gruppe von der IGS fiebert ihrer Reise nach Uganda im nächsten Oktober schon entgegen. Loovie etwa meint: "Es war eine supertolle Erfahrung, diese andere Kultur und die Menschen kennenzulernen – auch wenn es zwischendurch anstrengend war. Ich freue mich schon, alle wiederzusehen." Und Maria ergänzt: "Ich fand es toll, deren Sprachen kennenzulernen. Teilweise spricht ja eine Person da fünf verschiedene."

Ihr und den anderen Schülern sei auch noch einmal richtig klar geworden, wie gut wir es hier in Deutschland hätten "und wie verschwenderisch wir eigentlich leben. Es wird aber nochmal ganz anders werden, wenn wir selbst in Uganda sind."

Von Katharina Hartwig