Dienstag , 6. Dezember 2022
Anzeige
Die Tourist-Info der Marketing GmbH ist aktuell im Rathaus untergebracht. Die Geschäftsführerin der Gesellschaft möchte ihr Team gern zusammenziehen und hat dafür auch das ehemalige Lünebuch-Gebäude im Blick. (Foto: A/be)
Die Tourist-Info der Marketing GmbH ist aktuell im Rathaus untergebracht. Die Geschäftsführerin der Gesellschaft möchte ihr Team gern zusammenziehen und hat dafür auch das ehemalige Lünebuch-Gebäude im Blick. (Foto: A/be)

Lüneburg Marketing GmbH soll mehr Geld bekommen

Tiefrot ist der Etatentwurf 2023 der Stadt Lüneburg. Was kann man sich noch leisten? Diese Frage beschäftigte den Wirtschaftsausschuss, wo es um den Zuschuss für die Lüneburg Marketing GmbH ging. Die Gesellschaft möchte mehr Geld, blickt gleichzeitig aber auf eine exklusive Immobilie. Wie passt das zusammen?

Lüneburg. Die Lüneburg Marketing GmbH (LMG) leiste gute Arbeit, attestierte Alexander Schwake (CDU) der Gesellschaft im Wirtschaftsausschuss. Dort ging es um den Wirtschaftplan 2023 der Gesellschaft. Das an sich trocken anmutende Thema erfährt deshalb größere Aufmerksamkeit, weil es dabei auch um eine Erhöhung des Zuschusses der Stadt auf 530.000 Euro im Jahr geht. Da zeigte sich Schwake, Vorsitzender des Finanzausschusses, anfänglich skeptisch. Denn im Etatentwurf der Stadt fürs kommende Jahr klafft ein nie dagewesenes Loch von 40 Millionen Euro.

Freiwillige Leistungen wie der Zuschuss fürs Marketing gilt es angesichts der Finanznot abzuwägen. Doch Marketing-Chefin Melanie-Gitte Lansmann konnte die Mitglieder des Ausschusses am Ende überzeugen, dass mehr Geld notwendig sei. Die 530.000 Euro werden also in den Etatentwurf der Stadt eingearbeitet. Ob das Geld tatsächlich fließt, steht aber erst mit dem Etatbeschluss fest. Der steht in der Ratssitzung am 22. Dezember an.

Debatte um künftig 530.000 Euro Zuschuss

Laut Zuschuss-Vereinbarung hatte die Marketing GmbH in der Zeit von 2010 bis 2021 erst 330.000 und schließlich 430.000 Euro aus der Stadtkasse bekommen. Der Wunsch der Gesellschaft, dass in den kommenden fünf Jahren jährlich 530.000 Euro fließen sollen, quittierte Schwake mit der Frage, ob es nicht weiter bei der ursprünglich vertraglich geregelten Summe bleiben könnte. Philipp Meyn (SPD) attackierte, Schwake solle solche grundlegenden Sachen erst einmal mit seiner Fraktion absprechen: "Die Marketing GmbH sollte nicht rasiert werden." Mehr Geld aus der Stadtkasse – für die SPD schien das kein Problem zu sein.

Erheblich sachlicher ging Lansmann ans Werk. Sie zeigte auf, dass der Tourismus angekurbelt werden konnte, die Zahl der Stadtführungen explodiert sei, "und wir haben neue Ideen für Veranstaltungen eingebracht". Mit Lüneburg habe man ein "tolles Produkt, dass uns aus den Händen gerissen wird". Davon profitierten Handel und Gastronomie. Geht es denen gut, profitiert die Stadt wiederum von Gewerbesteuereinnahmen. Es gebe aber noch viel tun, begründete Lansmann die Forderung nach einem höheren Zuschuss. Sie verwies auch darauf, dass 2021 bereits 630.000 Euro geflossen seien – ein Extra-Zuschuss in Coronazeiten.

Marketing GmbH hat exklusive Immobilie im Visier

Schwake hakte nach, ob und wo gespart werden könne. Lansmann hielt dagegen: "Wir schmeißen kein Geld raus." Mit spitzem Bleistift sei alles überprüft worden. Möglicher Kritik an hohen Mietkosten, die ein Umzug der Marketing GmbH in das ehemalige Lünebuch-Gebäude in bester und damit auch teurer Lage am Marktplatz mitbringen könnte (LZ berichtete), hielt sie entgegen: Dort solle nicht nur das komplette Team konzentriert werden, sondern es soll eine Anlaufstelle für Bürger und Touristen sein – "eine Kommunikationsbörse".

Das Gebäude möchte die LMG gemeinsam mit der Stadtverwaltung nutzen, bestätigten jüngst Lansmann und Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch. Eine solche Immobilie aber hat ihren Preis: 18.000 bis 20.000 Euro pro Monat, meint ein Kenner der Immobilienszene.

Bettensteuer anheben, um mehr Einnahmen zu generieren

Lansmann kündigte an, dass die Gesellschaft künftig die Wirtschaft stärker ins Boot holen wolle, um unter anderem beim Thema Fachkräfte gemeinsam zu agieren. Einen Tipp, wie die Stadt ihre Einnahmen erhöhen könnte, hatte sie auch: die Bettensteuer anheben. Meyn lobte die Idee, Unternehmen und Uni stärker einzubinden. Aus seiner Sicht bringt jeder ausgegebene Euro fürs Marketing zwei- bis dreimal so viel zurück. Schwake rede "diffus".

Für den Wirtschaftsplan 2023, der ein schmales Plus von 3587 Euro ausweist, gab es ein einstimmiges Votum. Dem höheren Zuschuss stimmte der Ausschuss mehrheitlich zu bei sechs Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen.

Von Antje Schäfer

Kommentare

Sie wollen die Kommentare unter diesem Beitrag lesen und kommentieren?
Dann werden Sie LZ+-Abonnent. Informationen zum Digital-Abo der LZ finden Sie hier.