Freitag , 2. Dezember 2022
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Bonnestraße Adendorf
Markus Graff von der Gruppe ABAE/Die Linke im Adendorfer Gemeinderat hatte die Diskussion um die Bonnestraße ins Rollen gebracht. (Foto: be)

Bonne in Adendorf bald ohne Straße

Mitglieder des Verkehrsausschusses in Adendorf sind sich einig - Georg Bonne ist kein geeigneter Namensgeber für die Straße in der Ortsmitte. Einfache Umwidmung des Straßennames findet allerdings keine Mehrheit. Nun wird ein neuer Pate gesucht.

Adendorf. Die Tage der „Bonnestraße“, gelegen im Zentrum der Gemeinde Adendorf, dürften gezählt sein. Mit großer Mehrheit empfahl der Ausschuss für Straßen, Verkehr und Grünflächen dem Adendorfer Gemeinderat, die nach Georg Bonne benannte Straße umzubenennen. Bonne hatte sich in den 1920er-Jahren in Adendorf um die Schaffung erschwinglicher Siedlungshäuser verdient gemacht, war später aber auch ein Anhänger des Hitlerregimes und Verfasser antisemitischer Schriften.

Die Gruppe ABAE/Die Linke im Rat hatte den Antrag auf Umbenennung Ende August gestellt. Ende Oktober ergänzte sie ihren Antrag um einen Zeitplan: Nach der jetzt erfolgten Beratung im Verkehrsausschuss soll der Rat am 3. Dezember über die Umbenennung beschließen, im ersten Quartal 2021 solle dann über den neuen Namen der Straße beraten und entschieden werden.

Alfred Abraham statt Georg?

„Volle Zustimmung“ für das von der Gruppe ABAE/Die Linke vorgeschlagene Vorgehen signalisierte am Dienstagabend Ronald Steinberg für die Gruppe SPD/Grüne. Für die Gruppe CDU/FDP lehnte Gunther von Mirbach den Antrag auf Umbenennung ab – die Gruppe hatte den Antrag gestellt, die Straße „umzuwidmen“.

Die Idee der Gruppe CDU/FDP: Zwar sei die umstrittene Straße nach Georg Bonne benannt, weil der Vorname aber auf dem Straßenschild nicht genannt werde, solle die Straße einer anderen Persönlichkeit namens Bonne gewidmet werden: dem israelischen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Alfred Abraham Bonne. Im Antrag der Gruppe heißt es weiter: „Unterhalb des Straßennamenschildes wird ein Erläuterungsschild ... angebracht.“ Als „Schwachsinn“ hatte Ausschussmitglied Markus Graff (ABAE/Linke) im Vorfeld der Sitzung den Vorschlag der Gruppe CDU/FDP bezeichnet.

Andere Interessen der Anwohner

In der Bonnestraße, zwischen Kirchweg und Im Suren Winkel, leben 94 Adendorferinnen und Adendorfer, zudem sind 15 Gewerbetreibende dort ansässig. In einer Informationsveranstaltung am 7. Oktober hätten die meisten zu erkennen gegeben, dass sie den Namen ihrer Straße beibehalten wollen, erklärte Jörg Schmelter (CDU/FDP). „Aus praktischen und finanziellen Gründen“, wie es im Antrag der Gruppe CDU/FDP heißt, in dem auch diese betont, dass Georg Bonne als Namensgeber der Straße „ungeeignet“ ist.

Gunther von Mirbach regte an, „über den Tellerrand der Gemeinde zu gucken“: Etwa nach Karlsruhe, wo die „Treitschkestraße“, benannt nach dem Historiker und Publizisten Heinrich von Treitschke, mit dem Hinweis „Die Benennung entspricht nicht mehr den heutigen Wertevorstellungen“ ergänzt wurde. Von Mirbach: „Wir möchten uns an den Interessen der Anwohner orientieren, da es problemlos möglich ist, einen anderen Namensgeber für die Bonnestraße zu finden.“ Mit großer Mehrheit wurde der Antrag der Gruppe CDU/FDP abgelehnt.

Wolfgang Mirosch möglicher Namensgeber

Während der Ausschusssitzung wies Bürgermeister Thomas Maack (SPD) auch darauf hin, dass die Kreisvereinigung Lüneburg der VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschisten) eine Erklärung zur Problematik veröffentlicht hat. Darin begrüßt die VVN, „dass auch die Gruppe CDU/FDP im Gemeinderat Adendorf die Benennung einer Adendorfer Straße nach Georg Bonne aus den 70er-Jahren rückgängig machen möchte“.

„Den Namen der Bonnestraße jetzt allerdings beizubehalten und sie nach dem israelischen Professor A. Bonne zu benennen, bezeichnet die VVN-BdA „als völlig abwegig“. Peter Asmussen von der VVN bezeichnet das als „perfide Funktionalisierung einer honorigen Persönlichkeit aus parteitaktischem Interesse.“ Die VVN schlägt als Namensgeber für die Bonnestraße Wolfgang Mirosch vor, der von den Nazis 1943 von Adendorf aus ins „Zigeunerlager Auschwitz“ verschleppt und dort ermordet wurde.

Von Ingo Petersen