Montag , 5. Dezember 2022
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Oben (v.l.): Stefan Schulz, Marco Schulze, Anna Bauseneick, Jörn Schlumbohm. Untere Reihe (v.l.): Gunter von Mirbach, Eckhard Pols, Uwe Dorendorf, Katrin Pfeffer. (Fotos: t&w/privat)
Oben (v.l.): Stefan Schulz, Marco Schulze, Anna Bauseneick, Jörn Schlumbohm. Untere Reihe (v.l.): Gunter von Mirbach, Eckhard Pols, Uwe Dorendorf, Katrin Pfeffer. (Fotos: t&w/privat)

Gegenwind für Pols im CDU-Vorstand

Ex-Bundestagsabgeordneter bekommt keine Empfehlung für Landtagskandidatur. Viele neue Gesichter bewerben sich bei den Lüneburger Christdemokraten. Parteispitze setzt auf 30-jährige Lüneburgerin und Schulleiter des Gymnasiums Oedeme. Das entscheidende Wort hat jetzt aber die Parteibasis.

Lüneburg. Nach seiner Niederlage bei der Wahl im September gab es für den langjährigen Lüneburger CDU-Bundestagsabgeordneten Eckhard Pols in dieser Woche eine innerparteiliche Wahlschlappe: Der CDU-Kreisvorstand hat sich am Dienstagabend dafür ausgesprochen, für Landtagswahl am 9. Oktober nicht den 59 Jahre alten langjährigen Spitzenmann der Lüneburger Christdemokraten, sondern die 30-jährige Ratsfrau Anna Bauseneick im Wahlkreis Lüneburg-Stadt zu nominieren.

„Das ist ein Stimmungsbild des Vorstandes, die Entscheidung haben unsere Mitglieder bei der Urwahl“, betont CDU-Kreisvorsitzender Felix Petersen. Die kaufmännische Angestellte eines Lüneburger Handwerksbetriebes, die Mitglied im Vorstand des CDU-Stadtverbandes ist und im vorigen Herbst als eine der Spitzenkandidatinnen in den Stadtrat gewählt worden war, könne zudem ihre Erfahrungen als junge Mutter in die Landespolitik einbringen, betonte Petersen. Bauseneick bekräftigt: „Unsere Region gewinnt an Attraktivität und Lebendigkeit, wenn sie kulturell und wirtschaftlich stark aufgestellt ist sowie Familien eine Perspektive bietet.“

Nach der Niederlage hält sich Pols offen, ob er antritt

Neben Pols und Bauseneick hat auch der Adendorfer Gunter von Mirbach sein Interesse an einer Kandidatur in dem Wahlkreis angemeldet, der neben der Hansestadt noch Adendorf und die Samtgemeinde Ostheide umfasst. Der 65-Jährige bringe einen „breiten Erfahrungsschatz“ aus seinem langjährigen und vielfältigen politischen Wirken mit, sagte der CDU-Kreischef. Von Mirbach unterstreicht: „ Ich möchte Gestaltung und Fortentwicklung in den Fokus nehmen, wo dies im Sinne der Menschen, der Umwelt, der Wirtschaft zu unser aller Bestem ist, und dazu meinen Beitrag leisten.“

Die Entscheidung wird am 15. Februar im Adendorfer Castanea fallen. Ob Pols seine innerparteiliche Kandidatur aufrecht erhält, ist derzeit offen. „Ich überlege noch“, ließ er sich am Donnerstag zitieren. Bei der Kommunikation der Partei wollte er jedoch außen vor bleiben. Der Glasermeister, der zuvor drei Mal den hiesigen Bundestagswahlkreis direkt gewinnen konnte, hatte mit einem LZ-Interview vor Weihnachten innerhalb und außerhalb der Partei für Kopfschütteln und bisweilen auch Empörung gesorgt, weil er darin eine Selbstreflektion angesichts der Wahlniederlage vermissen ließ.

Ein ganzes Quartett tritt im neuen Wahlkreis an

Gleich ein ganzes Quartett bewirbt sich im neuen Landtagswahlkreis Lüneburg-Land, dem Ilmenau, Amelinghausen, Bardowick, Gellersen und Scharnebeck zugeordnet sind:

Katrin Pfeffer aus Hohnstorf startet bei der Kommunalwahl im Herbst durch – seitdem ist sie Ratsfrau in ihrer Gemeinde, Mitglied im Samtgemeinderat Scharnebeck und sitzt im Kreistag. „Unser neuer Wahlkreis Lüneburger Land braucht eine CDU-Stimme im Landtag und ich traue mir aufgrund meiner Ergebnisse bei der Kommunalwahl zu, das Mandat zu holen.“ Wenn es klappt, hat die 54 Jahre alte Oberschulrektorin bereits einen Wahlslogan: „Katrin Pfeffer – Würze für unsere Region!“

Der 45 Jahre alte Landwirt Jörn Schlumbohm aus Ehlbeck steht für die junge Riege seines Berufsstandes, die sich mit den Perspektiven durch Wind- und Solarenergie beschäftigt. „Die Motivation meiner Kandidatur erfolgt aus der Überzeugung, dass wir unsere Zukunft aktiv gestalten, die Aufgaben sind jetzt anzugehen. Wir müssen bei der Energiewende Bevölkerung und Gewerbe vor weiter steigenden Energiepreisen schützen“, sagt er.

Stefan Schulz ist seit vier Jahren Schulleiter des Gymnasiums Oedeme. Der 42 Jahre alte Pädagoge wurde bereits mit 34 Jahren Schulleiter. Schulz wohnt in Melbeck, ist dort auch in der Samtgemeinde politisch aktiv und ist zudem Kreisvorsitzender der Kommunalpolitischen Vereinigung der CDU. „Ich möchte etwas bewegen – für eine bessere, sachlichere und ehrlichere Politik in Niedersachsen“, beschreibt er seine Motivation.

Marco Schulze gehört auch zu den Durchstartern bei den Wahlen im September. Der 38 Jahre alte Diplom-Wirtschaftsingenieur aus Neetze hat es auf Anhieb in den Kreistag geschafft.  „Ich möchte, dass meine Kinder auch in Zukunft die gleichen Chancen, Freiheiten und Ressourcen erhalten, die mir gewährt wurden. Im Zentrum steht für ihn „der konservative Begriff der Nachhaltigkeit – nicht nur auf Ökologie beschränkt, sondern auch mit Blick auf Ökonomie und Soziales“.

Im CDU-Kreisvorstand gab es eine "leichte Präferenz" für Stefan Schulz

„Das wird spannend“, glaubt Petersen, wenn am 14. Februar die CDU-Mitglieder ihre Entscheidung treffen. Vor dem Vorstand hinterließ Stefan Schulz den besten Eindruck. Für ihn gab es „eine leichte Präferenz“, berichtet der Vorsitzende. Das habe die anderen aber zusätzlich motiviert. Von einer „guten Auswahl“ spricht der CDU-Kreischef auch beim Blick auf den Wahlkreis Lüneburg-Stadt. Hier entscheiden die Mitglieder einen Tag später, am 15. Februar, ob Anna Bauseneick, Gunter von Mirbach oder – sofern er noch antritt – Eckhard Pols für die Partei ins Rennen gehen.

Beim  CDU-Kreischef klingt durchaus etwas Stolz durch: „Das hätte uns wohl nicht jeder zugetraut“, meint er mit Blick auf das Personaltableau. Petersen freut sich nicht nur über neue Gesichter, sondern auch über die Bandbreite  – „von der jungen Frau über juristischen Sachverstand bis hin zu Kompetenz in Bildung, Wirtschaft und Landwirtschaft“ würden die Kandidatinnen und Kandidaten jeweils mehrere Aspekte einbringen, die die Landespolitik bereichern würden, ist er überzeugt.

Dorendorf ist nicht nur TikTok-Star, sondern auch bei der Basis unangefochten 

Ganz ohne innerparteiliche Konkurrenz tritt Uwe Dorendorf wieder im Wahlkreis Elbe an, zu dem neben Lüchow-Dannenberg nunmehr nur noch Bleckede, Dahlenburg und Amt Neuhaus gehören. Der 61-Jährige, der in Clenze seine Wurzeln und den Hauptwohnsitz hat, machte in seinen ersten fünf Jahren im Landtag nicht nur als jagdpolitischer Sprecher Schlagzeilen, sondern auch wegen seiner Auftritte im bei jungen Menschen populären Netzwerk TikTok. Dort übte sich der äußerlich eher barock wirkende Dorendorf in Polit-Comedy  – „Lieber ein Haus im Grünen als einen Grüne im Haus“ – und avancierte zum Star vieler Jung-Unionisten.

Petersen setzt darauf, dass die CDU den Wahlkreis Elbe verteidigen kann und den neuen Wahlkreis gewinnt. In der Hansestadt haben die Christdemokraten traditionell nicht so viel zu besehen. Da hofft ihr Kreischef auf „ein möglichst gutes Ergebnis“. Die Hintertür erwähnt er dabei nicht  – sollte sich Anna Bauseneick intern durchsetzen, könnte sie womöglich auf der CDU-Landesliste einen guten Platz belegen. Junge Frauen, die kandidieren, gibt es in der Partei nicht so oft.

Von Marc Rath

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