Samstag , 3. Dezember 2022
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Der große Mehrheit der Mitarbeiter hat zugestimmt: WE-MA-Chef Wolfgang Schmidt, hier mit seinem Mitarbeiter Andreas Grantin, hat die Vier-Tage-Woche in seinem Unternehmen eingeführt. (Foto: t&w)

Warum ein Handorfer Unternehmen die Vier-Tage-Woche einführt

Von Montag bis Donnerstag etwas länger arbeiten, dafür am Freitag und natürlich am Wochenende frei: Die Mitarbeiter der Handorfer Firma WE-MA waren für die Vier-Tage-Woche. Und erhalten sogar noch einen höheren Stundenlohn. Warum macht der Chef das?

Handorf. Bei WE-MA in Handorf hat die Woche nur noch vier Tage. Geschäftsführer Wolfgang Schmidt hat seine Mitarbeiter abstimmen lassen. Die große Mehrheit stimmte dem Vorschlag zu, pendelt seit 1. Oktober nur noch montags bis donnerstags zur Arbeit in Handorf.

Mitarbeiter sparen Kosten beim Arbeitsweg

"Mitarbeiter sind unser Kapital", sagt der Mann, der das Unternehmen vor mehr als 50 Jahren gegründet hat. Doch ihm geht es nicht – wie damals bei VW – um Arbeitszeitmodelle zur Sicherung von Jobs. Wegen der hohen Energiekosten und der teilweise langen Anfahrtswegen einiger Mitarbeiter "habe ich gedacht, dass es doch gut wäre, wenn sie Geld sparen können und mehr Freizeit haben".

Er habe seinen Mitarbeitern schon vor Jahren eine Vier-Tage-Woche angeboten, also die Aufteilung der Wochenarbeitszeit auf vier statt fünf Tage, doch damals war die Mehrheit dagegen. "Das ist eben Demokratie", betont Schmidt.

Neben der Vier-Tage-Woche auch noch höhere Stundenlöhne

Wie wichtig ihm die Mitarbeiter sind, zeigt auch die Tatsache, dass er parallel zur Einführung der Vier-Tage-Woche auch noch die Stundenlöhne deutlich erhöht hat. Und: "Alle Mitarbeiter bekommen mit der November-Abrechnung noch 3000 Euro dazu." Diese Bonuszahlung habe die Bundesregierung Unternehmen steuer- und abgabenfrei ermöglicht.

WE-MA hat derzeit noch 30 Mitarbeiter. In den vergangenen sechs bis sieben Jahren sind 35 Mitarbeiter in Rente gegangen. Auffüllen konnte Schmidt die Lücken bis heute nicht. Denn der Fachkräftemangel ist kein neues Phänomen, er lähmt seit Jahren gerade mittelständische Unternehmen. "Neulich habe ich eine große Anzeige aufgegeben. Wissen Sie, wie viele sich gemeldet haben? Keiner", erzählt Schmidt. Dabei hätte er stets genügend Aufträge reinholen können.

In seinem Büro stehen mehrere Vitrinen, gut gefüllt mit sichtbar penibel gefertigten Zubehör- und Maschinenteilen. Auch für die Automarke mit Stern. Eine Marke, über die der Firmenchef gerne erzählt – und die er auch privat bevorzugt fährt.

Stammgast bei der Hannover Messe

Schmidt war jahrzehntelang Stammgast bei der Hannover Messe, stellte dort seine neuen Produkte vor. Davon gab es reichlich. Zum Beispiel ein Ölfass, dass restlos geleert werden konnte. Oder eine Schnellbetankungsanlage für Formel-1-Renner. Oder spezielle Arbeits- beziehungsweise Sicherheitsbekleidung: Geriet ein Arbeiter mit seinem Ärmel in eine Drehbank, riss der Ärmel an einer mit Klettband versehenen Stelle in Höhe des Ellenbogens ab.

Qualität made in Germany – "dafür steht meine Firma seit mehr als 50 Jahren", sagt Schmidt. Am 1. April 1971 gründete der Maschinenbaumeister das Unternehmen, das mit Werkzeugbau, Maschinenbau und Dreherei groß geworden ist. In den Hallen seiner Firma werden seit Jahren auch massive Gartenmöbel mit Metallgestell gefertigt.

Zusammen mit seiner Frau leitet der fast 77-Jährige das Unternehmen heute noch. Auch der Sohn ist mit an Bord. Ans Aufhören denkt Schmidt noch nicht. "Ich bin aber ruhiger geworden", sagt er.

Von Werner Kolbe

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